Ukraine – Russland hat 90.000 Soldaten in Grenzregion

Kiew (Reuters) – Das russische Militär hat nach Angaben der ukrainischen Regierung nach mehreren Manövern Militäreinheiten in der Grenzregion zum Nachbarland belassen.

Derzeit seien dort 90.000 russische Soldaten zusammengezogen, teilte das Verteidigungsministerium in Kiew am Mittwoch mit. In der zweiten Hälfte des Jahres habe das russische Militär eine Reihe von umfassenden Übungen abgehalten, auch mit Luftlandetruppen. Im Anschluss daran seien Einheiten der 41. Armee im europäischen Teil Russlands und in einer Entfernung von etwa 260 Kilometern zur Grenze mit der Ukraine verblieben.

Die Russische Föderation greife regelmäßig auf die Verlegung und Ansammlung von Militäreinheiten zurück, um die Spannungen in der Region und den politischen Druck auf die Nachbarstaaten aufrechtzuerhalten, erklärte das ukrainische Verteidigungsministerium. Noch am Montag hatte es erklärt, es habe keinen Anstieg der Zahl an Soldaten oder Waffen beobachtet und entsprechende Medienberichte zurückgewiesen.

Einem “Politico”-Bericht zufolge belegen Satellitenfotos vom Montag, dass Russland nach einem großen Manöver im Frühjahr Soldaten und Ausrüstung an der Grenze zur Ukraine erneut zusammenziehe. Die Regierung in Moskau hat dies zurückgewiesen und erklärt, Russland hab auf seinem Territorium eine Militärpräsenz dort, wo es diese für nötig erachte. Im Frühjahr hatte Russland mehr als 100.000 Soldaten entlang der Grenze zur Ukraine zusammengezogen, sie später aber zurück in die jeweiligen Stützpunkten beordert.

In der Ostukraine stehen seit Jahren ukrainische Regierungstruppen und pro-russische Separatisten einander feindlich gegenüber. Russland hat wiederholt Vorwürfe der Ukraine zurückgewiesen, Soldaten in die Ostukraine geschickt zu haben und die Separatisten dort zu unterstützen. In der Ostukraine gilt eine Waffenruhe, gegen die aber immer wieder verstoßen wird. Der bewaffnete Konflikt reicht ins Jahr 2014 zurück. Damals hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und dies damit begründet, dass die dortige russische Bevölkerungsgruppe geschützt werden müsse. Zuvor war der pro-russische Präsident der Ukraine, Viktor Janukowitsch, im Zuge von Massenprotesten gestürzt worden.

Erneute Fusionsspekulationen um Qiagen – Aktien gefragt

Das Diagnostikunternehmen prüfe einen Zusammenschluss mit dem französischen Rivalen Biomerieux, berichtete die Nachrichtenagentur “Bloomberg” unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die Beratungen befänden sich noch in einem frühen Stadium und es gebe keine Gewissheit, dass es zu einem Deal komme. Qiagen könnte auch das Interesse anderer Bieter wecken. Ein Sprecher von Qiagen wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, für den Abend werden die Quartalsergebnisse erwartet. Bei Biomerieux war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

Die Anteilsscheine von Qiagen, die seit September im Dax notiert sind, stiegen um fast fünf Prozent auf 49,95 Euro und waren damit größter Gewinner im deutschen Leitindex. Die Papiere von Biomerieux legten in der Spitze um sechs Prozent zu. Gerüchte über einen Zusammenschluss von Qiagen und Biomerieux gibt es bereits seit längerem. Qiagen hat sie bislang nicht kommentieren wollen. Thierry Bernard, der seit März 2020 Vorstandschef von Qiagen ist, arbeitete vor seiner Zeit bei dem Unternehmen 15 Jahre für Biomerieux.

Qiagen ist an der Börse rund elf Milliarden Euro wert und wäre gegenwärtig bei einem Zusammenschluss mit Biomerieux gemessen am Börsenwert der kleinere Partner – die Franzosen werden mit fast 13,2 Milliarden Euro bewertet. Biomerieux kam im vergangenen Jahr mit rund 13.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro, Qiagen setzte mit mehr als 5600 Mitarbeitern 1,87 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro) um.

Qiagen-Finanzchef Roland Sackers sagte Ende August in einem Reuters-Interview, die Firma sei nach der geplatzten Übernahme durch den US-Laborausrüster Thermo Fisher weiter offen für einen Zusammenschluss. “Wir glauben zwar sehr stark an unser Wachstumspotenzial, das heißt aber nicht, dass wir uns nicht mögliche Kombinationen anschauen würden, ob sie nicht wertgenerierend sind.” Qiagen halte aber auch selbst Ausschau nach ergänzenden Übernahmen.

Thermo Fisher wollte Qiagen im vergangenen Jahr für 11,3 Milliarden Euro kaufen, scheiterte aber am Widerstand der Aktionäre. Anfang des Jahres war auch der US-Diagnostikspezialist Quidel als Interessent für einen Zusammenschluss mit Qiagen gehandelt worden. Qiagen wurde 1984 in Düsseldorf gegründet und ist seit 1997 an der Frankfurter Börse gelistet. Das auf Tests zum Nachweis von Krankheiten sowie Laborgeräte spezialisierte Unternehmen hat seinen operativen Sitz in Hilden bei Düsseldorf, die Holding ist allerdings im niederländischen Venlo ansässig.

Finanzinvestoren haben erst 30,5 Prozent an Zooplus sicher

Bis zum Dienstagabend (18 Uhr) haben sie sich erst 30,5 Prozent der Anteile an dem Münchner Online-Tierbedarfshändler gesichert, wie aus einer Pflichtmitteilung vom Mittwoch hervorgeht. Bis zum Ablauf der Annahmefrist in der Nacht zum Donnerstag brauchen sie mehr als 50 Prozent, sonst gilt die 3,7 Milliarden Euro schwere Übernahme als gescheitert.

Viele Investoren dienen ihre Anteile erst am letzten Tag an, am Markt bröckelte zuletzt aber die Hoffnung auf einen Erfolg des Übernahmeangebots: Die Zooplus-Aktie notierte am Mittwoch mit 475 Euro unter den 480 Euro, die der kalifornische Technologie-Investor Hellman & Friedman und die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT zahlen wollen.

Neuer NRW-Ministerpräsident für Kohleausstieg im Westen schon 2030

Düsseldorf (Reuters) – Der neue nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst peilt einen Kohleausstieg in seinem Bundesland schon 2030 an.

“Wir sind in Nordrhein-Westfalen zu einem Ausstieg aus der Kohle auch schon 2030 bereit und wollen alles dafür tun, dass uns das gelingt”, sagte Wüst in seiner Regierungserklärung am Mittwoch im Landtag in Düsseldorf. Doch müsse die Kohle als Energiequelle überflüssig gemacht werden. Er erwarte deshalb auch Klarheit von einer neuen Bundesregierung, sagte der CDU-Politiker. Dazu gehöre auch ein rascher Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netze. “Ich will diese Klarheit und will sie jetzt”, betonte er mit Blick auf die Verhandlungen für eine Ampel-Koalition in Berlin.

Das letzte deutsche Kohlekraftwerk soll nach den bisherigen Plänen spätestens 2038 vom Netz gehen. Die Ampelparteien SPD, Grüne und FDP hatten in ihrem Sondierungspapier für eine neue Bundesregierung indes erklärt, zur Einhaltung der Klimaschutzziele sei ein beschleunigter Ausstieg aus der Kohleverstromung nötig. “Idealerweise gelingt das schon bis 2030”, hieß es im Sondierungspapier. In NRW wäre der Versorger RWE mit seinen Braunkohle-Tagebauen von Entscheidungen für einen schnelleren Ausstieg betroffen.

Die NRW-Landesregierung sei bei der notwendigen Klarheit über die künftige Energieversorgung zu einer neuen Leitentscheidung zum früheren Auslaufen der Kohle-Verstromung bereit, sagte Wüst: “Die Zeit der Unsicherheit muss ein Ende haben.” Dies gelte auch für die Menschen im Rheinischen Revier mit den Braunkohle-Tagebauen von RWE.

Auch Wüsts Vorgänger Armin Laschet hatte einen Kohleausstieg deutlich vor 2038 für möglich gehalten. Gleichzeitig hatte er aber auf die Verlässlichkeit von Politik gepocht – diese könne nicht einfach von ihrem Zeitplan abweichen.

Die Bundesregierung billigte im Kabinett am Mittwoch einen Umsetzungsbericht, wie Kohleregionen beim Strukturwandel unterstützt werden. 16 Behörden seien bereits mit einer Haupt- oder Außenstelle in den Braunkohlerevieren neu angesiedelt worden, rund 2140 Jobs neu geschaffen. Hinzu kämen weitere 175 Projekte mit einem Finanzvolumen von gut drei Milliarden Euro, teilte das Bundeswirtschaftsministerium weiter mit. “Auch auf Ebene der Bundesprojekte wurden in enger Abstimmung mit den Ländern 77 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 16,3 Milliarden Euro beschlossen.” Der scheidende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte, die betroffenen Regionen seien auf einem guten Weg. “Viele Pflöcke sind gesetzt.”

Sanitärtechnikfirma Geberit will hohe Rohstoffpreise weitergeben

Das Unternehmen werde im vierten Quartal die Preise für seine Produkte um weitere 1,5 Prozent erhöhen, sagte Geberit-Chef Christian Buhl am Mittwoch. Das Unternehmen hatte die Preise bei der regulären Anpassung im April um 1,5 Prozent angehoben und dann im Juli nochmals um zwei Prozent. Im dritten Quartal waren die Kosten für Metalle, Kunststoff, Energie und Logistik um 15,6 Prozent hochgeschossen. Im gesamten Jahr rechnet Buhl mit einem Anstieg der Rohstoffpreise um 13 Prozent.

Auch andere Bauindustriekonzerne wie die Zementhersteller Holcim und HeidelbergCement kämpfen aktuell mit hohen Kosten. denn bei vielen Zulieferern läuft die Produktion nach der Corona-Krise nur stotternd an, die Frachtkosten steigen und die Energiepreise ziehen stark an.

In den ersten neun Monaten verdiente Geberit deutlich besser, obwohl die anziehenden Rohmaterialkosten das Gewinnwachstum im dritten Quartal merklich bremsten. Der Gewinn kletterte im Zeitraum Januar bis September im Vergleich zu der von der Corona-Krise beeinträchtigten Vorjahresperiode um 29,6 Prozent auf 653 Millionen Franken. Der Umsatz wuchs währungsbereinigt um 17 Prozent auf 2,69 Milliarden Franken. Geberit zeigte sich deshalb für das Gesamtjahr optimistischer: Erwartet wird nun ein Umsatzwachstum zwischen zwölf und 14 Prozent und eine Betriebsgewinnmarge (Ebitda) zwischen 30 und 31 Prozent. Bislang waren ein niedriges zweistelliges Umsatzplus und eine Betriebsgewinnmarge im oberen Bereich des mittelfristigen Zielkorridors von 28 bis 30 Prozent in Aussicht gestellt worden.

Bei den Anlegern allerdings hatten die hochschießenden und die Gewinnmargen schmälernden Rohmaterialkosten das größere Gewicht: Die Geberit-Aktien sanken um 1,7 Prozent und gehörten damit zu den größten Verlierern unter den Schweizer Standardwerten und den europäischen Baustoffaktien.

Studie – Ärmere werden häufiger und früher pflegebedürftig

Berlin (Reuters) – Ärmere Menschen werden einer Studie zufolge häufiger und früher pflegebedürftig als Besserverdienende.

Gleiches gelte für Arbeiter und Arbeiterinnen im Vergleich zu Beamten und Beamtinnen, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschafsforschung (DIW) hervorgeht. Menschen mit hohen Arbeitsbelastungen seien ebenfalls stärker betroffen. “Nicht nur Einkommen und Lebenserwartung sind in Deutschland sozial ungleich verteilt, sondern auch das Pflegerisiko”, sagte DIW-Experte Peter Haan, der zusammen mit seinen Kollegen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet hat.

Ende 2020 wurden den Angaben nach knapp 3,5 Millionen Menschen ambulant gepflegt. Dabei seien Männer, die direkt vor dem Renteneintritt weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdienten, etwa sechs Jahre früher auf die häusliche Pflege angewiesen als Männer mit mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens. Bei Frauen beträgt die Differenz rund dreieinhalb Jahre.

Auch je nach der beruflichen Stellung zeigen sich Unterschiede: Arbeiterinnen und Arbeiter werden durchschnittlich etwa vier Jahre früher pflegebedürftig als Beamtinnen und Beamte. Um den Einfluss von physischen und psychosozialen Arbeitsbelastungen zu untersuchen, wurde der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ein Indexwert von eins (geringe Belastungen) bis zehn (hohe Belastungen) zugeordnet. Dabei kam heraus: Männer und Frauen mit hohen beruflichen Belastungen haben durchschnittlich 4,7 beziehungsweise 2,7 weniger Lebensjahre, in denen sie nicht auf die Pflege durch andere angewiesen sind als Personen mit niedrigen Belastungen. “Pflegebedürftigkeit hängt also nicht nur vom Alter ab und tritt auch nicht zufällig auf”, sagte DIW-Experte Johannes Geyer dazu. “Im Gegenteil: Die Pflegebedürftigkeit wird durch Gesellschaft, Einkommen und Arbeitswelt beeinflusst.”

Die Kosten für die Pflege werden in Deutschland nur teilweise durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt – der Rest muss privat getragen werden. Zudem werden bei der informellen Pflege Angehörige häufig zeitlich, physisch und psychisch belastet. Da Menschen mit geringen Einkommen oder einer hohen beruflichen Belastung ein höheres Pflegerisiko haben, treten die Kosten für sie häufiger auf und reduzieren die ohnehin geringeren verfügbaren Einkommen. “Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, brauchen wir sozialpolitische Maßnahmen, die das ausgleichen”, sagte Forscher Haan. “Wir brauchen dabei sowohl Konzepte, die sofort greifen, als auch solche, die langfristig angelegt sind.”

Eine nachhaltige Politik sollte bereits in der Erwerbsphase ansetzen und dort etwa die Arbeitsbelastungen verringern, um das Pflegerisiko präventiv zu reduzieren. Kurzfristig sollten die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ausgebaut und die Qualität und das Angebot in der Pflege erhöht werden. Alternativ können auch private Zuzahlungen stärker vom Einkommen abhängig gemacht werden. Auch eine Bürgerversicherung, in der private und gesetzliche Pflegeversicherung zusammengebracht werden, könnte die Ungleichheit reduzieren helfen.

Bund und Länder steuern auf neuen Corona-Gipfel zu

Berlin (Reuters) – Bund und Länder steuern auf einen baldigen neuen Corona-Gipfel zu.

Nachdem sich sowohl Kanzlerin Angela Merkel als auch Kanzleramtschef Helge Braun für Absprachen ausgesprochen hatten, wird nach Informationen von Reuters auch in Länderkreisen sondiert, ob ein Treffen zeitnah stattfinden könne. Dann soll es vor allem darum gehen, wie man auf die stark gestiegenen Zahlen an Corona-Fällen, -Intensivpatienten und -Toten reagieren soll. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird bereits am Donnerstag und Freitag mit seinen Länder-Gesundheitsministern über die Frage der Auffrisch-Impfungen sowie die Wiedereröffnung von Impfzentren reden.

Das Robert-Koch-Institut meldete am Mittwoch 20.398 neue Corona-Fälle und 194 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus. Das war der höchste Wert an Verstorbenen seit Ende Mai. Gleichzeitig wurden 2814 weniger neue Positiv-Tests registriert als am Mittwoch vor einer Woche, als die Zahl bei 23.212 gelegen hatte. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 146,6 von 153,7 am Vortag. Die Zahlen gelten nach dem Feiertag am 1. November in einigen Bundesländern allerdings nicht als wirklich vergleichbar, weil über das lange Wochenende teilweise etwas weniger getestet wurde.

Die regionalen Unterschiede sind weiter sehr groß. Sinkende Zahlen vermelden dabei vor allem diejenigen Bundesländer, in denen Allerheiligen ein Feiertag war. In Thüringen stieg der Wert dagegen auf 338,2, in Sachsen beträgt die Inzidenz nun 289,7. Den niedrigsten Wert verzeichnet das Saarland mit 69,4. Der bayerische Landkreis Miesbach kommt auf eine Inzidenz von 682,8.

Der geschäftsführende Kanzleramtschef Braun pochte auf einen schnelle Bund-Länder-Abstimmung. “Die Situation ist jetzt ernst und nicht in zwei oder drei Wochen. Deshalb drängen wir auch darauf, dass es bald ist”, sagte er den Sendern RTL/ntv. Es sei jetzt die Zeit, um sich über die ansteigenden Infektions- und Todeszahlen auszutauschen. Die derzeitige Regierung sei auch bereit, sich intensiv mit den Ampel-Parteien auszutauschen. Es gehe um eine staatspolitische Herausforderung, da müssten alle zusammenarbeiten. SPD, Grüne und FDP hatten zuvor vereinbart, die epidemische Lage von nationaler Tragweite nicht über den 25. November hinaus zu verlängern.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte gegenüber dem RND-Netzwerk die Wiedereröffnung möglichst vieler Impfzentren, um Auffrischungsimpfungen zunächst bei über 70-Jährigen bewerkstelligen zu können. Dies werde zwar “teuer und kompliziert”, dennoch lohne sich der Schritt. “Wir brauchen jetzt eine sehr hohe Geschwindigkeit bei den Booster-Impfungen.”

Ärztevertreter bremsen allerdings bei der von Gesundheitsminister Spahn und einigen Ländern wie Berlin forcierten Booster-Impfung für alle Altersgruppe ab 18 Jahren. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich auch gegen die Wiedereröffnung der Impfzentren ausgesprochen und will die Auffrischungsimpfungen in den Arztpraxen durchführen.

Yellen – USA unterstützen Ausgabe grüner Anleihen für Klimaschutz

Glasgow (Reuters) – Die USA unterstützen die Herausgabe neuer grüner Anleihen zur Finanzierung sauberer Energien und nachhaltiger Infrastrukturen in Schwellenländern.

Die Vereinigten Staaten würden gemeinsam mit Großbritannien zum neuen Kapitalmarktmechanismus des Klimainvestitionsfonds (CIF) beisteuern, wie Finanzministerin Janet Yellen am Mittwoch auf der Klimakonferenz im schottischen Glasgow ankündigte. Diese Initiative werde dazu beitragen, neue private Klimafonds in erheblichem Umfang anzuziehen und 500 Millionen Dollar pro Jahr für den CIF-Fonds für saubere Technologien sowie für das neue Investitionsprogramm zur Beschleunigung des Kohleausstiegs bereitzustellen.

“Die Klimakrise ist bereits da. Dies ist keine Herausforderung für künftige Generationen, sondern eine, der wir uns heute stellen müssen”, begründete Yellen den Vorstoß. “Um diese Herausforderung zu meistern, müssen wir unsere kohlenstoffintensiven Volkswirtschaften grundlegend umgestalten.” Das Vorhaben werde in den nächsten drei Jahrzehnten voraussichtlich zwischen 100 und 150 Billionen Dollar kosten. Es biete aber auch enorme Chancen für Wachstum und Investitionen, sagte Yellen.

Der Klimainvestitionsfonds wurde 2008 gegründet. Er soll Investitionen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen mobilisieren. Er hat bislang rund 10,5 Milliarden Dollar an Zusagen von 14 Geberländern erhalten und 61 Milliarden Dollar an Finanzmitteln aus anderen Quellen für Projekte mobilisiert, die bisher 72 Ländern zugute gekommen sind.

US-Präsident Joe Biden hatte zuvor Pläne angekündigt, die amerikanische Unterstützung für die Klimafinanzierung der Entwicklungsländer bis 2024 auf mehr als elf Milliarden Dollar zu vervierfachen. Aber auch der Privatsektor müsse sich beteiligen, forderte Yellen. “So groß die Anstrengungen der öffentlichen Hand in allen unseren Ländern auch sein mögen, das Preisschild von mehr als 100 Billionen Dollar, um den Klimawandel weltweit anzugehen, ist weitaus größer”, sagte sie.

Yellen war zuvor mit Managern der Finanzbranche zusammengekommen. Diese Finanzinstitute mit einem verwalteten Vermögen von fast 100 Billionen Dollar hätten sich in der Glasgow Financial Alliance for Net Zero zusammengeschlossen und sich verpflichtet, ihre Portfolios bis 2050 klimaneutral zu stellen. In den USA werde an der Verbesserung der klimabezogenen Daten und der Offenlegung für Investoren, Marktteilnehmer und Regulierungsbehörden gearbeitet, sagte Yellen. Washington werde mit seinen Partnern zusammenarbeiten, um ähnliche Bemühungen auf globaler Ebene zu unterstützen.

UN-Bericht sieht mögliche Kriegsverbrechen in Äthiopien

Genf/Addis Abeba (Reuters) – Die Konfliktparteien in Äthiopien haben nach Erkenntnissen einer Untersuchungskommission gleichermaßen Gräueltaten begangen, die das Ausmaß von Kriegsverbrechen haben könnten.

Dies ist das Ergebnis von Ermittlungen der Vereinten Nationen und der staatlich eingesetzten äthiopischen Menschenrechtskommission, das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Am Dienstag hatte die Regierung in Addis Abeba wegen des Konflikts in der Region Tigray im Norden des Landes den Notstand ausgerufen. Die Tigray-Aufständischen haben einen Angriff auf die Hauptstadt zum Sturz der Regierung jüngst nicht ausgeschlossen.

Der Bericht setzt sich mit dem bereits seit einem Jahr andauernden Konflikt auseinander, in dem die Tigray-Rebellen gegen Regierungstruppen kämpfen, die auch von Eritrea unterstützt werden. Allen Beteiligten wird vorgeworfen, Zivilpersonen getötet, Massenvergewaltigungen verübt und Festnahmen aufgrund ethnischer Zugehörigkeit vorgenommen zu haben. Ob sich daraus strafrechtliche Tatbestände herleiten lassen, blieb zunächst unklar, da weder Äthiopien noch Eritrea Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs sind. Der Bericht speist seine Erkenntnisse aus 269 Interviews mit Betroffenen.

Die UN-Menschenrechtsbeauftragte Michelle Bachelet erklärte am Mittwoch, sie erhalte regelmäßig Berichte über Menschenrechtsverletzungen aus Tigray. “Die Regierung von Äthiopien hat uns versichert, dass nationale Institutionen mit Ermittlungen und der strafrechtlichen Verfolgung begonnen haben”, sagte Bachelet in Genf. Einige Beschuldigte seien bereits verhaftet und auch verurteilt worden. “Es gibt allerdings einen ärgerlichen Mangel an Transparenz.”

Gewinn von Online-Modehändler Zalando bricht wegen hoher Rabatte ein

– von Nadine Schimroszik

Berlin (Reuters) – Hohe Ausgaben für Rabatte angesichts wiedereröffneter Läden haben den Gewinn von Europas größtem Online-Modehändler Zalando fast verschlungen.

Im dritten Quartal fiel das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) auf 9,8 Millionen Euro nach 118,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Berliner Unternehmen, das erst kürzlich in den deutschen Leitindex Dax eingezogen ist, am Mittwoch mitteilte. Zalando-Finanzchef David Schröder begründete den Rückgang mit der “neuen Normalität”, die durch wegfallende Corona-Beschränkungen entstehe. Die Marge von 0,4 Prozent sei mit Ergebnissen aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 vergleichbar.

Der Umsatz kletterte hingegen – auch dank sechs neuer Märkte wie Kroatien und Estland – um 23,4 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen von Analysten. Die Aktie gab trotzdem mehr als zwei Prozent nach. Zalando musste seine Kunden mit hohen Rabatten und viel Werbung zum Einkauf locken, auch weil laut Schröder der konkurrierende Einzelhandel seine Lagerbestände zum Teil mit sehr hohen Nachlässen losschlug. Zum anderen kauften Kunden im warmen September lieber noch Sommerkleidung und griffen weniger bei den teureren Herbst- und Winterkollektionen zu. Das vierte Quartal sei gut gestartet, sagte Schröder mit Blick auf die im Oktober gesunkenen Temperaturen.

Zalando gehört wie Asos und Boohoo aus Großbritannien sowie der rasant wachsende Konkurrent About You aus Hamburg zu den Profiteuren der Corona-Krise, in der viele Menschen angesichts geschlossener Läden erst damit begannen, online Kleidung und Kosmetik einzukaufen. Zalando zählt inzwischen 46,3 Millionen Kunden in 23 Ländern – innerhalb eines Jahres kamen elf Millionen hinzu. Nun müssen sich die Berliner einiges überlegen, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. Dabei setzt Zalando vor allem auf das Plattform-Geschäft, bei dem andere Händler, Modemarken oder stationäre Läden ihre Waren über Zalando verkaufen können und dafür wie auch für Logistik-Dienstleistungen Geld zahlen. “Wir werden es unseren Partnern noch einfacher machen, über uns alle Märkte zu erreichen”, kündigte Zalando-Co-Chef Robert Gentz an.

Zalando bestätigte den Ausblick für das Gesamtjahr. Demnach soll 2021 das Ebit am oberen Ende der Spanne zwischen 400 und 475 Millionen Euro liegen – in den ersten neun Monaten sind rund 260 Millionen Euro erzielt worden. Der Umsatz soll weiterhin maximal um 31 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro klettern. Mit Blick in die Zukunft versprach Schröder, Zalando werde keine Probleme haben, jährlich zwischen 20 und 25 Prozent zu wachsen. Zunächst drohten auch keine Lieferengpässe – die Lager seien gut gefüllt. Mit Start der Frühjahrs- und Sommersaison könne sich das allerdings ändern. Der britische Anbieter Next warnte am Mittwoch vor Lieferproblemen.