Insider – EU friert Vermögenswerte von Putin und Lawrow ein

Brüssel/Berlin (Reuters) – Die EU-Staaten haben sich nach Informationen eines Offiziellen darauf geeinigt, Vermögenswerte von Russlands Präsident Wladimir Putin und Außenminister Sergej Lawrow einzufrieren.

Darauf habe man sich bei der Umsetzung der Beschlüsse des EU-Sondergipfels am Donnerstagabend geeinigt. Zudem sagte ein EU-Beamter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters, dass man an weiteren Elementen einer dritten Runde von Sanktionen gegen Russland wegen der Invasion in der Ukraine arbeite.

“Wir handeln so schnell wir können”, sagte der Beamte. Die EU könne auch “viele weitere” Oligarchen ins Visier nehmen. Kurz zuvor hatte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine unzureichende Reaktion Europas auf die russischen Angriffe in der Ukraine beklagt.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte in Berlin, die Beratungen auf dem EU-Sondergipfel am Donnerstagabend hätten so lange gedauert, um über eine gemeinsame Lagebeurteilung zu sprechen. Es sei noch kein drittes Sanktionspaket vorbereitet worden. Aber eine enge Abstimmung könne helfen, dann später schnell handeln zu können. Auch Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hatte gesagt, dass in einem dritten Paket der Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem Swift auf der Agenda stehen könne. Die dritte Runde würde sich zudem auf den russischen Finanz- und Energiesektor auswirken, sagte der EU-Beamte. Er nannte keine weiteren Einzelheiten.

Auf die Frage, ob die Kohleimporte Polens und anderer EU-Mitglieder aus der von Russland besetzten Donbass-Region in der Ostukraine eingestellt würden, sagte der Beamte, die baltischen Staaten hätten das Thema bei Gesprächen zwischen den 27 Staats- und Regierungschefs der EU am späten Donnerstag zur Sprache gebracht. “Sie diskutierten darüber, wie wir dies schrittweise auslaufen lassen können”, sagte der Beamte. Auch eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin sagte, man überlege, wie man den hohen Anteil an russischer Importkohle reduzieren könne.

Erdogan kritisiert Nato-Reaktion auf russischen Ukraine-Einmarsch als zu schwach

Istanbul (Reuters) – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Reaktion der Nato auf den russischen Einmarsch in die Ukraine als unzureichend kritisiert.

“Die Nato hätte einen entschlosseneren Schritt unternehmen müssen”, sagte Erdogan am Freitag in Istanbul. “Die EU und all die westlichen Denkweisen haben keine ernsthaft entschlossene Haltung gezeigt, sie alle beraten die Ukraine nur ständig.” Eine gewöhnliche Verurteilung sei nicht ausreichend, ebensowenig dauernde Ratschläge an die Regierung in Kiew. “Mit Ratschlägen kommt man nicht weiter”, kritisierte Erdogan. Er hoffe, dass der Nato-Gipfel an diesem Freitag zu einer entschlosseneren Vorgehensweise der Allianz führen werde.

Das Nato-Mitglied Türkei hat zuvor ein Gesuch der Ukraine zurückgewiesen, russische Kriegsschiffe daran zu hindern, über türkische Gewässer in das Schwarze Meer zu gelangen. Dies sei nicht möglich aufgrund eines internationalen Paktes, der Schiffen Durchfahrtsrechte zusichere, um in ihre Heimathäfen zurückzukehren, teilte das Außenministerium mit. Kiew hatte an die Türkei appelliert, den Bosporus und die Dardanellen für russische Kriegsschiffe zu sperren. Die Türkei lehnt Sanktionen gegen Russland bislang ab, Moskaus Angriff wurde als “inakzeptabel” bezeichnet. Die Türkei ist insbesondere bei Energielieferungen und im Tourismus stark auf Russland angewiesen.

Großbritannien lehnt einen aktiven Eingriff der Nato-Truppen im Ukraine-Konflikt ab. “Uns allen in diesem Haus muss klar sein, dass britische und Nato-Truppen keine aktive Rolle in der Ukraine spielen sollen und dürfen”, sagte Streitkräfte-Minister James Heappey im Parlament. Das könne das Geschehen eskalieren lassen.

Insider – EZB stellt sich auf Konjunkturdämpfer durch Ukraine-Krieg ein

Paris (Reuters) – Die EZB erwartet durch den Ukraine-Konflikt laut Insidern einen Konjunkturdämpfer für den Euroraum.

Beim informellen Treffen der EZB-Spitze in Paris habe Chefvolkswirt Philip Lane Szenarien dazu vorgelegt, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Ein mittleres Szenario sage voraus, dass das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone dieses Jahr um 0,3 bis 0,4 Prozent geschmälert werde. Ein extremeres Modell sehe sogar fast ein Prozent vor. Ein weiteres von Lane präsentiertes Szenario unterstelle praktisch keine Folgen, was aber mittlerweile als unwahrscheinlich eingeschätzt werde.

Einer der Insider bezeichnete die Schätzungen als Überschlagsrechnungen. Eine andere kontaktierte Person sagte, sie seien “sehr vorläufig”. Beim Zinstreffen im März werde der Chefökonom verfeinerte Modelle vorlegen, hieß es unisono.

Der Ire habe zwar noch keine neuen Inflationsprognosen präsentiert. Doch habe er bereits signalisiert, dass die Vorhersage für 2022 deutlich angehoben werde. Zugleich werde die Teuerungsrate zum Ende des mittleren Projektionszeitraums – also wohl bis 2024 – noch immer unter dem Ziel der EZB von 2,0 Prozent veranschlagt. Bislang erwarten Notenbank-Volkswirte für die Jahre 2023 und 2024 jeweils eine Rate von 1,8 Prozent – für das laufende Jahr wurden 3,2 Prozent veranschlagt.

Die EZB wollte sich zu dem Insider-Bericht nicht äußern. Sie hatte am Vortag mitgeteilt, dass sie bei der Zinssitzung am 10. März eine umfassende Bewertung des Konjunkturausblicks vornehmen werde: “Dies beinhaltet die Entwicklungen auf geopolitischem Gebiet.” Laut Lane haben die geopolitischen Spannungen nicht nur Auswirkungen auf die Öl- und Gaspreise, sondern auch auf das Vertrauen der Anleger und Verbraucher sowie den Handel. EZB-Direktorin Isabel Schnabel sprach von einem “Kriegsschock”, der den globalen Ausblick verdüstere.

EZB VOR WEICHENSTELLUNG

Der russische Angriff auf die Ukraine ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag nur wenige Stunden vor Beginn des informellen Treffens des EZB-Rats in Paris. Es diente als Zwischenetappe für die Zinssitzung im März. Dann wird mit wichtigen Weichenstellungen für den weiteren Kurs gerechnet.

Die EZB ist mit einer Rekord-Inflationsrate von 5,1 Prozent konfrontiert. Die stark gestiegenen Preise für Energie sorgen für Auftrieb, der sich im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine noch verstärkt hat – insbesondere bei Öl und Gas.

Die EZB fährt trotz dieser Entwicklung noch immer einen relativ lockeren Kurs, auch wenn die Anleihen-Zukäufe über das Pandemie-Notprogramm PEPP im Frühjahr enden. Die EZB hat im Dezember jedoch beschlossen, das kleinere APP in veränderter Form weiterzuführen. Dessen Ende blieb offen. Dieses gilt allerdings als eine Voraussetzung für eine Zinserhöhung, die kurz nach Ende des Programms kommen soll. Die EZB hält den geldpolitischen Schlüsselsatz bei 0,0 Prozent. Und Banken müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der EZB parken: Der Einlagesatz liegt bei minus 0,5 Prozent.

BASF ringt mit hohen Energiepreisen – Ergebnisrückgang erwartet

Frankfurt (Reuters) – Hohe Energiepreise, Lieferkettenunterbrechungen und der weitere Verlauf der Corona-Pandemie machen BASF vorsichtig.

Nach einem kräftigen Umsatz- und Ergebnisplus im vergangenen Jahr stellt sich der weltgrößte Chemiekonzern 2022 auf einen Rückgang ein. “Wir sind sehr stark in das Jahr gestartet und haben im Januar 2022 gute Zahlen über denen des Vorjahresmonats erzielt”, sagte Vorstandschef Martin Brudermüller am Freitag zwar mit Blick auf das laufende Jahr. Die starke Nachfrage habe auch im Februar angehalten. Das Wachstum der Weltwirtschaft sollte sich aber nach der starken Erholung im vergangenen Jahr abschwächen und die Invasion Russlands in der Ukraine kommt als zusätzliches Damoklesschwert hinzu. “Der Krieg in der Ukraine kann signifikanten Einfluss auf das Wachstum und die weitere weltwirtschaftliche Entwicklung haben. Den möglichen Effekt kann derzeit niemand zuverlässig vorhersagen.”

Höhere Rohstoffpreise sowie gestiegene Energie- und Logistikkosten belasteten bereits 2021 die Ergebnisentwicklung in allen Segmenten, vor allem im vierten Quartal. Gegensteuern will Brudermüller mit höheren Preisen: “Wir werden in den kommenden Monaten weitere signifikante Preiserhöhungen umsetzen, um die deutlich gestiegenen Kosten weiterzugeben und unsere Margen in den Downstream-Geschäften wieder zu verbessern.” Für die europäischen BASF-Standorte beliefen sich die Mehrkosten durch die weiter gestiegenen Erdgaspreise alleine im vierten Quartal auf 800 Millionen Euro, im Gesamtjahr lagen sie bei rund 1,5 Milliarden Euro.

Durch den Ukraine-Krieg hat sich der europäische Erdgas-Future in der ablaufenden Woche zeitweise auf 142 Euro je Megawattstunde verdoppelt. BASF bezieht zwar kein Gas und Öl direkt aus Russland, allerdings 20 bis 30 Prozent seines Rohbenzins (Naphta), mit dem Basischemikalien hergestellt werden. Diese Zulieferung sei aber relativ einfach zu substituieren, sagte Finanzchef Hans-Ulrich Engel. In Russland selbst macht der Konzern nur ein Prozent seines Umsatzes, in der Ukraine sind es 0,2 Prozent.

Sehr viel abhängiger von Russland ist die Beteiligung Wintershall Dea, die dort 48 Prozent ihrer Produktion erzielt. An dem Öl- und Gaskonzern hält BASF noch 67 Prozent und will ihn trotz Differenzen mit dem Miteigentümer, der Investmentfirma Letter One des russischen Unternehmers Michail Fridman, an die Börse bringen. Den bereits mehrfach verschobenen Börsengang will BASF nötigenfalls auch mit rechtlichen Mitteln durchsetzen. “In Anbetracht der hohen strategischen Bedeutung des Börsengangs für BASF und unsere Stakeholder werden wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um unsere Rechte und Interessen zu schützen”, sagte Finanzchef Engel. “Dazu gehören auch der Rechtsweg – und das Recht, einen Börsengang im Jahr 2023 einseitig zu verfolgen.” Man strebe aber weiter eine partnerschaftliche Lösung an. Letter One hatte im Januar kritisiert, die Konzentration von BASF auf einen Börsengang hindere Wintershall Dea, wertsteigernde Aktivitäten wie Zukäufe zu verfolgen. Zudem sei die Marktstimmung gegenüber Vermögenswerten in Russland problematisch.

AKTIONÄRE KÖNNEN HÖHERE DIVIDENDE EINSTREICHEN

Für 2022 rechnet BASF mit einem Umsatzrückgang auf 74 bis 77 Milliarden Euro, der bereinigte operative Gewinn dürfte auf 6,6 bis 7,2 Milliarden Euro sinken. Im vergangenen Jahr kletterte der Umsatz dank deutlich höherer Preise und Mengen um 33 Prozent auf 78,6 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis sprang auf 7,8 Milliarden Euro in die Höhe von 3,56 Milliarden vor Jahresfrist, als der Konzern die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie stark zu spüren bekam. Das vierte Quartal schloss BASF mit einem Ergebnisplus von zehn Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ab. Analysten hatten im Schnitt mit 1,35 Milliarden Euro aber mehr erwartet. Bis auf das Geschäft mit Basischemikalien verfehlten alle Bereiche die Ergebnisschätzungen der Analysten. BASF-Aktien gehörten darauf mit einem Minus von fast drei Prozent zu den größten Verlierern im Leitindex Dax.

Im Gesamtjahr konnte der Chemiekonzern sein Ergebnis zwar in fast allen Unternehmensbereichen ausbauen, musste aber wegen höherer Kosten im Segment Ernährung und Pflege sowie im Agrargeschäft deutliche Einbußen hinnehmen. In letzterem fiel im vierten Quartal sogar ein Verlust an. Unter dem Strich stand 2021 ein Gewinn von 5,5 Milliarden Euro nach einem Verlust von gut eine Milliarde im Jahr davor. Die Aktionäre sollen nach der Stagnation im Vorjahr eine zehn Cent höhere Dividende von 3,40 Euro je Aktie erhalten.

Porsche soll noch dieses Jahr an die Börse

– von Jan Schwartz und Christoph Steitz

Hamburg (Reuters) – Volkswagen will den milliardenschweren Börsengang seiner Sportwagentochter Porsche noch in diesem Jahr über die Bühne bringen.

Die Platzierung von Porsche-Vorzugsaktien könnte bereits im Schlussquartal 2022 erfolgen, sagte Finanzchef Arno Antlitz am Freitag bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Ein Viertel der Stammaktien soll zudem die Familie Porsche und Piech übernehmen. Im Spätsommer wolle man über den Stand der Vorbereitungen informieren. Mit einem Teil des Erlöses von womöglich mehr als 20 Milliarden Euro will Volkswagen die Transformation hin zur Elektromobilität und softwarebasierten Diensten beschleunigen. Etwa die Hälfte des Geldes soll als Sonderdividende an die Aktionäre fließen, jeder Beschäftigte soll 2000 Euro bekommen. Mit dieser von Analysten als clever bezeichneten Konstruktion erreichte die VW-Spitze, dass alle Interessengruppen in dem Großkonzern dem Plan zustimmten.

Börsianer nannten die Eckpunkte des am Vorabend geschlossenen Deals zwischen dem Wolfsburger Autokonzern und seinem Großaktionär Porsche SE ermutigend. VW-Aktien stiegen um 3,4 Prozent und die Titel der Familienholding Porsche SE um 5,1 Prozent.

Konzernchef Herbert Diess sagte, durch die Transaktion werde eine Struktur geschaffen, von der alle profitierten. Volkswagen werde sein strategisches Liquiditätsziel dabei früher erreichen und übertreffen. Die Wolfsburger stecken viele Milliarden Euro in die Entwicklung von Software, neuen E-Autos und den Bau von Batteriezellfabriken. Bis 2030 soll die Hälfte der verkauften Fahrzeuge rein batteriegetrieben sein.

Mit dem Börsengang verbindet sich für VW auch die Hoffnung, dass der Aktienkurs den vermissten Auftrieb erhält. Analysten bezweifeln dies jedoch: “Es gibt keine Garantie, dass sich der Marktwert von Porsche in den VW-Aktienkurs umwandeln wird”, schrieb Philippe Houchois von Jefferies. Es sei denn, VW befasse sich mit strukturellen Problemen der Marken- und Produktkomplexität. Die komplexe Struktur des Konzerns mit zwölf Marken ist nach Meinung von Analysten ein Grund für die niedrige Bewertung von Europas größtem Autobauer an der Börse.

VORERST KEINE WEITEREN MARKEN AN DIE BÖRSE

Um bei der für den Schwenk in die elektrische Massenmobilität benötigten Menge an Akkus unabhängiger von Lieferanten zu sein, plant der Konzern allein in Europa sechs große Batteriezellfabriken. Ein Teil des Geldes aus dem Porsche-Börsengang dürfte auch dafür verwendet werden. Die gesamten Kosten kann Volkswagen aber nicht alleine stemmen, sondern sucht dafür Partner. Auch über einen Börsengang der Batterieaktivitäten denkt das Management nach. Finanzchef Antlitz bekräftigte dies in der Telefonkonferenz. Auf die Frage, ob auch Börsengänge weiterer Marken zu erwarten seien, antwortete er, darüber werde zurzeit nicht diskutiert.

Konzernbeobachter halten es für möglich, dass der Börsengang von Porsche den Anstoß für eine Neuordnung des Mehr-Markenkonzerns geben könnte. Denkbar wäre dies für die Premiumgruppe mit Audi, Lamborghini, Bentley und die Motorradmarke Ducati. Auch die Volumengruppe mit der Hauptmarke VW, Skoda und Seat wird genannt. Die unter dem Dach von Traton zusammengefassten Nutzfahrzeugmarken MAN, Scania und Navistar hat Volkswagen bereits an die Börse gebracht.

Porsche wäre der nächste Schritt. Laut der Vereinbarung zwischen Volkswagen und den Familieneignern soll das Grundkapital der Porsche AG je zur Hälfte in Vorzugs- und Stammaktien aufgeteilt werden. Bis zu 25 Prozent der stimmrechtslosen Vorzüge sollen am Kapitalmarkt platziert werden, 12,5 Prozent des Gesamtkapitals. Die Porsche Automobil Holding SE (PSE), über die die Familien Porsche und Piech die Mehrheit an Volkswagen halten, soll 25 Prozent zuzüglich einer Aktie der Stammaktien zeichnen und erhält damit eine Sperrminorität.

MILLIARDEN FÜR DIE FAMILIENTRADITION

Geht man für Porsche von einem Wert von 90 Milliarden Euro aus, ergäbe sich für Volkswagen ein Erlös von etwa 23 Milliarden Euro – elf Milliarden durch die Platzierung von Vorzugsaktien und zwölf Milliarden aus dem Verkauf von Stammaktien gegen Aufpreis an die Porsche SE. Den Familien Porsche und Piech würden aus der Sonderdividende dann rechnerisch rund 3,6 Milliarden Euro zufließen. Das wäre knapp ein Drittel der Summe, die sie für die Beteiligung an der Porsche AG aufbringen müssten. Zusätzlich könnte die Porsche SE rund 2,2 Milliarden Euro durch einen Verkauf von VW-Stammaktien erlösen, ohne unter die Marke von 50 Prozent (aktuell 53,3 Prozent) an dem Wolfsburger Konzern zu fallen. Für die restlichen gut sechs Milliarden könnte die PSE Schulden aufnehmen. Am Ende erhielten die Familieneigner wieder direkten Zugriff auf die Ertragsperle Porsche AG, die nach der verlorenen Übernahmeschlacht vor zehn Jahren an Volkswagen gegangen war.

Pandemie hat Rückversicherer Swiss Re weiter im Griff

Zürich (Reuters) – Die Corona-Pandemie hat Swiss Re weiter fest im Griff.

Zwar kehrte die Nummer zwei der Rückversicherungsbranche im vergangenen Jahr trotz Milliardenzahlungen für Naturkatastrophen und im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in die schwarzen Zahlen zurück. Mit 1,44 Milliarden Dollar stand unter dem Strich aber deutlich weniger Gewinn als die von Analysten im Schnitt erwarteten knapp zwei Milliarden. An die Aktionäre will der Konzern aus Zürich eine Dividende von 5,90 Franken je Aktie auszahlen und damit gleich viel wie zuletzt. An der Börse kam das nicht gut an: Die Aktien von Swiss Re sackten im größten Kursrutsch seit zwei Jahren zeitweise mehr als acht Prozent ab.

Ohne Aufwendungen vor allem für vermehrte Corona-Todesfälle hätte der Gewinn Swiss Re zufolge drei Milliarden Dollar betragen. 2020 hatten vor allem Covid-bedingte Schadenzahlungen noch zu einem Verlust von 878 Millionen Dollar geführt. Die Prämieneinnahmen steigerte Swiss Re vergangenes Jahr um 4,8 Prozent auf 42,73 Milliarden Dollar. Marktführer Münchener Rück hatte 2021 sein Gewinnziel übertroffen und die Dividende um zwölf Prozent erhöht.

ÜBERSTERBLICHKEIT WEGEN COVID IN DEN USA KOSTET MILLIARDEN

Insgesamt zwei Milliarden Dollar kosteten die Swiss Re Schäden im Zusammenhang mit der Pandemie, überwiegend wegen einer erhöhten Sterblichkeit in den USA in den beiden Schlussquartalen. In der Sparte Leben-Rückversicherung fiel deswegen ein Verlust von 523 Millionen Dollar an. Im laufenden Jahr dürften vermehrte Todesfälle zu weiteren Belastungen führen, erwartet Swiss Re. Der Konzern geht für das Leben-Geschäft von rund 300 Millionen Dollar Gewinn aus.

Teuer zu stehen kamen den Rückversicherer 2021 auch Naturkatastrophen. Schäden durch den Wirbelsturm “Ida”, die schweren Überschwemmungen in Europa und andere Wetterextreme kosteten Swiss Re insgesamt 2,4 Milliarden Dollar. Die Entwicklung trieb die Nachfrage nach Versicherungsdeckung hoch. “Das Geschäftsumfeld ist das Beste seit etwa acht Jahren”, sagte Konzernchef Christian Mumenthaler. Bei den Vertragserneuerungen der größten Sparte Schaden-Rückversicherung im Januar steigerte Swiss Re das Prämienvolumen um sechs Prozent und konnte die Preise um vier Prozent anheben. Besonders stark war das Wachstum im Naturkatastrophen-Geschäft mit 24 Prozent.

Manche Experten stimmt diese Entwicklung indes skeptisch. Die höheren Katastrophenschäden im vierten Quartal und der starke Prämienanstieg im Bereich Naturkatastrophen bei der Erneuerungsrunde dürften die Debatte über die Volatilität der Erträge erneut anheizen, erklärten die Analysten der UBS. Swiss Re und andere Versicherer haben wiederholt gewarnt, dass unter anderem wegen des Klimawandels vor allem Sekundär-Schadenereignisse wie Überschwemmungen, Gewitter, Winter- und Hagelstürme oder Waldbrände stark zunehmen. Für diese im Fachjargon Secondary Perils genannten Katastrophen fehlen vielfach noch aussagekräftige Schadenmodelle.

NEUES RENDITEZIEL

Swiss Re nutzte die Jahresbilanz, um sich ein neues Renditeziel vorzunehmen. Im laufenden Jahr peilt der Konzern eine Eigenkapitalverzinsung (ROE) von zehn Prozent an, 2024 sollen es dann 14 Prozent sein. Vergangenes Jahr waren es 5,7 Prozent und ohne Covid-Schäden 11,6 Prozent. Seit 2016 galt, dass das Eigenkapital im Schnitt sieben Prozent mehr Ertrag abwerfen als zehnjährige US-Staatsanleihen. Aktuell entspräche das einer Eigenkapitalerzinsung von rund neun Prozent. “Das ROE-Ziel für 2014 ist ehrgeizig”, erklärten die Analysten der Bank Vontobel.

Der Konzern will bei einer Investorenveranstaltung am 7. April über seine Strategie und Finanzziele informieren.

Bundesregierung stoppt Hermes-Garantien für Exporte nach Russland

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung hat Garantien für Exporte und Investitionen nach und in Russland gestoppt.

“Die Bewilligung von Hermes-Bürgschaften und Investitionsgarantien für Russland ist bis auf weiteres ausgesetzt”, teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministerium am Freitag mit. Dies sei nicht Teil der eigentlichen EU-Sanktionen gegen Russland sondern sei von Deutschland im interministeriellen Ausschuss beschlossen worden.

Mit Export-Garantien – sogenannten Hermes-Bürgschaften – werden Ausfuhren deutscher Firmen vor allem in Länder abgesichert, in denen ein erhöhtes Risiko für einen Zahlungsausfall besteht. Gerade dem Mittelstand soll damit bei Exporten geholfen werden. Ähnliches gilt für Direktinvestitionen in solchen Staaten, in denen das Risiko über Investitionsgarantien abgefedert wird. Die Unternehmen müssen eine Gebühr für Bürgschaften und Garantien sowie einen Teil des Risikos bis zu 15 Prozent selbst tragen.

Fast die Hälfte der ursprünglich 6300 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung hat sich seit 2011 vom russischen Markt zurückgezogen. Nach Angaben der Auslandshandelskammer (AHK) sind aktuell noch etwa 3650 deutsche Unternehmen vor Ort aktiv. Die Unternehmen beschäftigten 2019 mehr als 277.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von fast 27 Milliarden Euro nach Russland geliefert. Maschinen (5,8 Milliarden Euro), Kraftwagen und Kraftwagenteile (4,4 Milliarden) sowie chemische Erzeugnisse (3,0 Milliarden) wurden besonders nachgefragt. Dem Wirtschaftsministerium zufolge wurden 2021 von den Exporten 1,49 Milliarden Euro über neue Hermes-Bürgschaften abgesichert. Durch den Trend zur Lokalisierung stiegen in den vergangenen Jahren die deutschen Direktinvestitionen in Russland. Sie betrugen rund 25 Milliarden Euro. 2021 gab es neue staatliche Garantien dafür von lediglich 3,75 Millionen Euro.

Deutsche Unternehmen gehören damit zu den aktivsten ausländischen Investoren in Russland. Neben dem hohen Modernisierungsbedarf und dem guten Image der Marke “Made in Germany” locken vor allem die vergleichsweise hohen Gewinnmargen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Auch der erweiterte Binnenmarkt der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) mit 180 Millionen Verbrauchern gehört demnach zu den Pluspunkten.

Immer mehr Unternehmen wollen an der Preisschraube drehen

Berlin (Reuters) – Die Deutschen müssen sich auf weiter stark steigende Preise einstellen: So viele Unternehmen wie noch nie wollen in den kommenden drei Monaten ihre Preise erhöhen, wie eine am Freitag veröffentlichte Umfrage des Münchner Ifo-Instituts ergab.

Das dabei ermittelte Barometer kletterte auf den Höchstwert von 47,1 Punkten, nach 46,1 im Januar. “Mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine drohen die Kosten für Gas und Öl weiter zu steigen und damit viele weitere Preise für die Verbraucher”, sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen, Timo Wollmershäuser. “Eine Fünf vor dem Komma der Inflationsrate im Gesamtjahr 2022 wird gerade wahrscheinlicher als eine Drei.” Bereits 2021 waren die Verbraucherpreise mit 3,1 Prozent so kräftig gestiegen wie seit 1993 nicht mehr.

Für eine hohe Inflation spricht auch die Entwicklung der Importpreise: Diese erhöhten sich im Januar um 26,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. “Eine höhere Vorjahresveränderung hatte es zuletzt im Oktober 1974 im Rahmen der ersten Ölpreiskrise gegeben”, betonte das Statistische Bundesamt. Das geht vor allem auf rasant steigende Kosten für Energie zurück: Deren Einfuhr verteuerte sich um fast 144,4 Prozent, wobei die Preise für Erdgas sogar mehr als viermal so hoch waren wie im Januar 2021. Deutlich teurer waren auch Erdöl mit plus 66,8 Prozent und Mineralerzeugnisse mit plus 73,2 Prozent. Mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine drohen die Kosten für Gas und Öl weiter zu steigen. Der Ölpreis ist am Donnerstag wegen des Krieges erstmals seit 2014 wieder über die Marke von 100 Dollar je Fass geklettert. Russland ist Deutschlands wichtigster Energielieferant.

“WERDEN LÄNGER MIT HOHER TEUERUNG LEBEN MÜSSEN”

“Der Inflationsanstieg ist endgültig zum Konjunkturgangster geworden”, kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger, die Entwicklung. “Durch den Ukraine-Krieg werden die Teuerungsraten noch weiter steigen. Wir werden uns jetzt noch mehr darauf einstellen müssen, länger mit hohen Inflationsraten zu leben.”

An der Preisspirale wollen fast alle Wirtschaftszweige drehen, zeigt die Ifo-Umfrage. Besonders viele Unternehmen im Einzelhandel wollen ihre Preise anheben (63,3 Punkte) – und dort vor allem die Lebensmittelhändler (85,9 Punkte). Es folgten der Großhandel mit 62,4 Punkten und die Industrie mit 55,8 Punkten. Das Baugewerbe lag bei 42,9. Nur bei den Dienstleistern ging die Preiserwartungen zurück von 41,9 auf 38,6 Punkte. Viele Unternehmen geben die gestiegenen Kosten für Energie sowie bei der Beschaffung von Vorprodukten und Handelswaren an ihre Kunden weiter. Das dürfte auch auf die Verbraucherpreise durchschlagen. Das Ifo-Institut fragt die Unternehmen nicht nach der Höhe der geplanten Preisänderung.

UEFA verlegt Champions-League-Finale nach Paris

München (Reuters) – Der europäische Fußball-Verband UEFA zieht Konsequenzen aus dem russischen Angriff auf die Ukraine: Das Finale der europäischen Fußball-Champions-League wird am 28. Mai nicht im russischen St. Petersburg, sondern in Paris ausgetragen.

Das Exekutivkomitee habe St. Petersburg am Freitag das prestigeträchtige Endspiel entzogen, teilte der Verband mit. Die UEFA sprach in ihrer Mitteilung von einer “schweren Eskalation der Sicherheitslage” in Europa. Für das “Stade de France” in Paris habe sich Staatspräsident Emmanuel Macron eingesetzt. Die Uefa unterstütze zusammen mit Frankreich die Bemühungen, Fußballer und ihre Familien in der Ukraine vor menschlichem Leid, Zerstörung und Vertreibung zu schützen.

Vereine aus der Ukraine und Russland müssen ihre Heimspiele in den europäischen Fußball-Wettbewerben bis auf weiteres auf neutralen Plätzen im Ausland austragen. Davon betroffen ist im Frühjahr nur Spartak Moskau. Der Verein aus der russischen Hauptstadt ist in der Europa League schon für das Achtelfinale qualifiziert, das im März ausgetragen werden soll. Dagegen war Zenit St. Petersburg am Donnerstag in der Zwischenrunde ausgeschieden. In der Champions League und der drittklassigen Europa Conference League ist aus beiden Ländern kein Verein mehr vertreten.

Airline-Konzern IAG erwartet Gewinn nach massivem Corona-Verlust

London (Reuters) – Nach erneutem milliardenhohen Verlust in der Corona-Krise will der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG in diesem Jahr wieder in die Gewinnzone fliegen.

Der Mutterkonzern von British Airways und Iberia geht von einem Anstieg des Angebots auf 85 Prozent der Vorkrisenkapazität aus nach nur 36 Prozent 2021. Im vergangenen Jahr habe IAG den Nettoverlust auf 2,97 Milliarden Euro von 4,39 Milliarden Euro im Jahr davor verringert, teilte der Konzern am Freitag mit. “Wir sind zuversichtlich, dass eine starke Erholung auf dem Weg ist”, sagte Konzernchef Luis Gallego.

Der zuversichtliche Ausblick steht allerdings unter der Bedingung, dass es keine Rückschläge mehr durch Corona-Reiserestriktion und auch keine Auswirkungen der “jüngsten geopolitischen Entwicklungen” geben wird. Am Freitag strich British Airways allerdings einen Moskau-Flug. Zudem will die Airline-Gruppe derzeit Überflüge des russischen Luftraums vermeiden. Diese Entscheidung sei gefallen, nachdem die britische Regierung angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine Flüge der russischen Airline Aeroflot nach Großbritannien untersagt habe, erklärte Gallego. Die praktischen Folgen seien gering, weil es aufgrund von Corona-Reisebeschränkungen noch immer wenige Flüge nach Asien gebe. Nach Einschätzung von Experten könnten Umwege um den russischen Luftraum Airlines aber teuer zu stehen kommen. Die Branche schüttelt gerade erst die Einbrüche der Pandemie ab und muss mit höheren Kerosinkosten rechnen, da der Ukraine-Konflikt den Ölpreis weiter in die Höhe treibt.

Im ersten Quartal erwartet IAG einen deutlichen operativen Verlust. Im saisonal schwachen Quartal dämpfe die Corona-Virusvariante Omikron die Buchungen. Der Wiederaufbau von Kapazitäten führe zu höheren Kosten. Das Unternehmen rechnet aber mit schwarzen Zahlen ab dem zweiten Quartal und einem deutlich positiven Ergebnis im Gesamtjahr.