Russland-Sanktionen mit massiven Folgen für Luftfahrt

Frankfurt/Helsinki/Dubai (Reuters) – Die Luftfahrt-Sanktion der Europäischen Union gegen Russland wegen des Ukraine-Krieges hat Folgen für die Airlines.

Die Lufthansa streicht zum Beispiel 30 Passagierflüge nach Russland in dieser Woche, wie ein Unternehmenssprecher am Montag mitteilte. Passagier- und Frachtflüge nach Asien müssen weitere südliche Routen nehmen, um den russischen Luftraum zu vermeiden. Denn aufgrund der dramatischen Entwicklung im Russland-Ukraine-Konflikt werde Lufthansa den russischen Luftraum nicht mehr nutzen, erklärte Lufthansa Cargo. Als erste Gesellschaft zog die finnische Finnair ihren Geschäftsausblick 2022 wegen der Sanktionen zurück. Mit dem Umfliegen des russischen Luftraums seien die meisten Passagier- und Frachtflüge nach Asien nicht wirtschaftlich, sagte Finnair-Chef Topi Manner.

An der Börse sackten Aktien von Lufthansa und dem Flughafenbetreiber Fraport ab. Die Sanktionen treffen die Airlines in einer Phase, in der sie sich gerade erst von den Einbrüchen in der Corona-Krise erholen. Ausfälle in der Luftfracht könnten die globalen Lieferkettenprobleme verschärfen.

Die Europäische Union und Kanada untersagten russischen Fluggesellschaften wie Aeroflot, Azur Air oder Ural Airlines am Wochenende die Nutzung ihrer Lufträume. Ein russischer Regierungssprecher kündigte am Montagvormittag im Gegenzug die Sperrung des riesigen Luftraums des Landes für Europäer und Kanadier an, wie schon zu erwarten war. Die Vereinigten Staaten ziehen die Luftraum-Sperrung ebenfalls in Betracht. Flüge zwischen Europa oder den USA und Asien werden dadurch länger. Zum Teil könnten Zwischenlandungen zum Tanken und Crew-Wechsel notwendig sein.

CARGO-FLÜGE GESTRICHEN

Die regulären Flüge der Haupt-Airline Lufthansa sowie von Eurowings und Austrian Airlines fänden in dieser Woche nicht statt, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Die Tochter Swiss hält demnach an ihren acht Verbindungen fest, da die Schweiz anders als Deutschland kein Flugverbot für russische Airlines erlassen hat. Die Lufthansa beschloss am Wochenende wegen einer entsprechenden Entscheidung der Bundesregierung, den russischen Luftraum zunächst für sieben Tage zu meiden. Passagierflüge nach Tokio und Seoul müssen deshalb eine weitere südliche Route fliegen, die zu längeren Flugzeiten führen.

Die Frachttochter Lufthansa Cargo strich unterdessen am Sonntag und Montag zwei Flüge von Frankfurt nach Asien. Eine alternative Route konnte kurzfristig nicht arrangiert werden, erklärte eine Sprecherin.

Air France-KLM strich Flüge am Wochenende nicht nur nach Russland, sondern auch nach China, Südkorea und Japan. Zunächst müssten alternative Flugpläne geprüft werden, hieß es dazu.

FLUGZEUGE IN RUSSLAND BALD AM BODEN

Konsequenzen haben die Sanktionen gegen Russland auch auf einen großen Teil der Flotten russischer Fluggesellschaften. Alle Leasingverträge mit Airlines dort müssten bis 28. März beendet werden, erklärte der asiatische Flugzeugverleiher BOC Aviation. Dies betreffe 18 Flugzeuge oder 4,5 Prozent der Flotte von BOC.

Von den insgesamt 980 aktiven Passagierjets in Russland sind 777 geleast, wie der Branchendatenspezialist Cirium angab. Von diesen gehören 515 Maschinen im Wert von rund zehn Milliarden Dollar Leasinggesellschaften, die vor allem in Irland sitzen. Der Weltmarktführer AerCap Holdings hat mit 152 vermieteten Fliegern in Russland und der Ukraine den größten Geschäftsanteil. Die Verträge würden entsprechend der Sanktionen beendet, teilte das Unternehmen mit. ACC Aviation erklärte, es werde nicht einfach, die Flugzeuge in Besitz zu nehmen, wenn die russischen Behörden nicht mit den Verleihern kooperierten.

Russland stemmt sich gegen Wirtschaftssanktionen

Moskau/Kiew (Reuters) – Russland stemmt sich gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzsanktionen.

Die Zentralbank in Moskau verdoppelte am Montag den Leitzins auf 20 Prozent von 9,5 Prozent. “Dies ist notwendig, um die Finanz- und Preisstabilität zu unterstützen und die Ersparnisse der Bürger vor Wertverlusten zu schützen”, hieß es zur Begründung. Damit reagierte die Notenbank auf weitere Sanktionen der Europäischen Union, die sich auch gegen die Zentralbank selbst richten. Die Moskauer Börse blieb weitgehend geschlossen. Die russischen Streitkräfte setzten ihre Offensive in der Ukraine unterdessen fort. Dessen ungeachtet wollten Vertreter der russischen und der ukrainischen Regierung zu einem ersten Gespräch zusammenkommen.

Der Sprecher des Präsidialamts in Moskau, Dmitri Peskow, sagte Russland habe einen Plan zum Umgang mit den Sanktionen. Dieser werde nun angewendet. In der Nacht beschloss die EU, die Sanktionen gegen die russische Zentralbank in Kraft zu setzen, die die weitere Finanzierung der Invasion erschweren sollen. Die neuen Restriktionen sollen verhindern, dass Russland seine hohen Devisenreserven etwa in Euro, Pfund und Dollar nutzen kann. Großbritannien kündigte einen ähnlichen Schritt an, die USA wollen folgen. Japan und Südkorea schlossen sich dem Ausschluss Russlands aus dem internationalen Finanzabwicklungssystem Swift an. Südkorea verhängte zudem einen Exportstopp für Hochtechnologiegüter an Russland. Der Rubel stürzte wegen der verschärften Sanktionen auf ein Rekordtief. Bereits am Sonntag hatten sich vor Bankautomaten in Russland Schlangen gebildet.

Bei russischen Staatsanleihen lösten die verschärften Sanktionen am Montag Panikverkäufe aus. So verloren die Papiere mit Laufzeiten bis 2024 und 2043 jeweils mehr als 50 Prozent an Wert. Im Gegenzug verdoppelten sich die Renditen auf 17,073 beziehungsweise 20,003 Prozent.

Auch bei Unternehmen und Banken zeigten die Maßnahmen erste Wirkung. Einige europäische Tochterunternehmen der staatlichen russischen Sberbank sind nach Angaben der Europäischen Zentralbank zahlungsunfähig oder werden es demnächst sein. Der britische Ölkonzern BP kündigte an, seinen knapp 20-prozentigen Anteil an dem staatlichen russischen Energiekonzern Rosneft abzustoßen.

SORGE WEGEN MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN

Russische Truppen setzten auch in der Nacht zum Montag ihren Vormarsch in der Ukraine fort und stießen erneut auf Widerstand. Explosionen waren in der Hauptstadt Kiew und der zweitgrößten Stadt des Landes, Charkiw, zu hören. Kämpfe gab es demnach auch im Süden im Gebiet von Mariupol, wie der örtliche Regionalgouverneur mitteilte. Die ukrainische Seite berichtet über zahlreiche zivile Opfer der Angriffe, weil auch Wohngebiete beschossen würden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax befand sich die Stadt Berdjansk am Asowschen Meer in der Hand des russischen Militärs. Auch hätten russische Truppen die Kontrolle über das Gebiet um das Atomkraftwerk Saporischschja übernommen. Eine weitere Eskalation des Konflikts hatte es am Sonntag gegeben, weil Russlands Präsident Wladimir Putin die Atomstreitkräfte seines Landes in Alarmbereitschaft versetzte.

Nach Angaben der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, wurden bei den Kämpfen bislang 102 Zivilpersonen getötet und 304 verletzt. Die tatsächlichen Zahlen dürften aber “erheblich höher” sein, sagte Bachelet in Genf. Jüngsten Zahlen zufolge seien in der Ukraine 422.000 Menschen auf der Flucht. UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte vor zunehmenden Menschenrechtsverletzungen. Die Vereinten Nationen würden diese mit Teams vor Ort beobachten. “Wir müssen allen Menschen in der Ukraine zeigen, dass wir in dieser Zeit der Not an ihrer Seite stehen.” In New York sollte am Montag die UN-Vollversammlung zu einer seltenen Sondersitzung zusammenkommen.

Das Treffen russischener und ukrainischener Vertreter war an der belarussischen Grenze geplant. Hauptziel der Gespräche ist nach Angaben der ukrainischen Regierung ein sofortiger Waffenstillstand und der Abzug der russischen Truppen. Bei der UN-Vollversammlung hofften westliche Regierungen darauf, dass möglichst viele der 193 Mitgliedstaaten die russische Invasion verurteilen würden. Am Wochenende hatte es weltweite Demonstrationen gegen den russischen Angriff gegeben. Allein in Berlin demonstrierten mehr als 100.000 Teilnehmer für Frieden. In Russland sollen nach Protesten fast 6000 Menschen nach Angaben des OVD-Protestmonitors verhaftet worden sein.

Die russische Invasion führte am Wochenende zu weiteren Kurswechseln europäischer Regierungen. Bundeskanzler Olaf Scholz kündigte nicht nur an, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen. Deutschland will nun wie einige andere Staaten der Ukraine auch Waffen liefern. EU-Staaten und Kanada leiteten am Sonntag zudem die Schließung ihres Luftraums für russische Flugzeuge ein. Die US-Regierung prüft einen ähnlichen Schritt. Die russische Fluggesellschaft Aeroflot kündigte daraufhin an, alle Flüge nach Europa zu streichen. Die Lufthansa strich 30 Verbindungen nach Russland.

EZB-Aufsicht – EU-Töchter der russischen Sberbank wohl nicht zu retten

Frankfurt (Reuters) – Die europäischen Finanzsanktionen in der Ukraine-Krise bringen EU-Ableger der russischen Großbank Sberbank ins taumeln.

Wie die EZB-Bankenaufsicht in der Nacht zu Montag mitteilte, sind die in Wien ansässige Sberbank Europe AG und ihre beiden Tochtergesellschaften Sberbank d.d. in Kroatien und Sberbank banka d.d. in Slowenien wahrscheinlich nicht mehr überlebensfähig. Die Bank werde voraussichtlich bald nicht mehr in der Lage sein, ihre Schulden zu bedienen. Die Einlagen der Sparer seien aber bis zu einer Summe von 100.000 Euro geschützt. Dafür stehe das Einlagensicherungssystem in Österreich bereit – auch für die Filiale in Deutschland – sowie die Sicherungssysteme in Kroatien und in Slowenien.

“Bei der Sberbank Europe AG und ihren Tochtergesellschaften kam es zu erheblichen Abflüssen von Einlagen infolge der Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf ihre Reputation”, erklärten die Bankenwächter der Europäischen Zentralbank (EZB). Dadurch habe sich ihre Liquiditätslage verschlechtert. Es gebe keine realistischen Aussichten mehr, dass sich dies beheben lasse. Die EU-Behörde zur Abwicklung maroder Banken in der EU, das in Brüssel ansässige Single Resolution Board (SRB), bestätigte die Einstufung der Bankenaufsicht. Das SRB entscheidet nun über die nächsten Schritte.

Die ­österreichische Einlagensicherung (ESA) teilte am Montag auf Anfrage mit, die von ihr gedeckten Einlagen bei der Sberbank Europe AG lagen per 26. Februar bei rund 1,1 Milliarden Euro. Rund 35.000 deutsche Kunden bei der Sberbank Europe AG hätten gedeckte Einlagen – der Anteil der österreichischen Einleger sei hingegen unbedeutend. Die Ukrainekrise und die angekündigten Finanzsanktionen brachten auch die tschechische Tochter Sberbank CZ ins Wanken. Die tschechische Zentralbank leitete inzwischen den Lizenzentzug für das Institut ein. Sberbank CZ hatte bereits am Freitag ihre Filialen geschlossen.

Die Sberbank Europe AG ist eine Tochter des größten russischen Finanzinstituts Sberbank, das sich mehrheitlich im Staatsbesitz befindet. Sie ist eine von sieben Banken in Österreich, die unter der direkten Aufsicht der EZB stehen. Das Institut wird von ihr bereits seit Beginn der EZB-Bankenaufsicht im Jahr 2014 überwacht. Der Grund: Wegen ihrer umfangreichen grenzüberschreitenden Geschäfte wurde das Geldhaus als bedeutend eingestuft. Ende 2021 hatte die Bank eine Bilanzsumme von 13,6 Milliarden Euro.

Russische Zentralbank verdoppelt Leitzins auf 20 Prozent

Moskau (Reuters) – Die russische Zentralbank reagiert mit einer drastischen Zinserhöhung auf die Währungskrise infolge westlicher Sanktionen.

Der Leitzins steigt von 9,5 auf 20 Prozent, wie die Währungshüter am Montag in Moskau ankündigten. “Dies ist notwendig, um die Finanz- und Preisstabilität zu unterstützen und die Ersparnisse der Bürger vor Wertverlusten zu schützen”, hieß es zur Begründung. Die Zentralbank signalisierte zugleich ihre Bereitschaft zu weiteren Anhebungen. Notenbankchefin Elvira Nabiullina will die Maßnahmen im Tagesverlauf bei einer Pressekonferenz erläutern.

Der eskalierende Konflikt Russlands mit dem Westen nach dem Einmarsch in die Ukraine brockte der Währung des Landes einen Kurssturz ein. Besonders das Einfrieren der Devisenreserven der russischen Zentralbank zeigte Wirkung. Der Dollar stieg im Gegenzug am Montag zeitweise um fast 42 Prozent auf ein Rekordhoch von 119 Rubel. “Die äußeren Bedingungen für die russische Wirtschaft haben sich drastisch verändert”, betonte die Notenbank. Höhere Zinsen können den Kurs stabilisieren helfen und auch die Inflation bremsen, machen aber auch Kredite teurer – etwa für Investitionen. Das wiederum dürfte die Konjunktur erheblich belasten.

Heimische Unternehmen sollen zudem 80 Prozent ihrer Deviseneinnahmen verkaufen, verkündeten Zentralbank und Finanzministerium in einem weiteren Schritt. Die Behörden haben außerdem Makler angewiesen, Leerverkäufe auf dem russischen Markt auszusetzen und die Ausführung von Aufträgen ausländischer juristischer und natürlicher Personen zum Verkauf russischer Wertpapiere einzustellen.

Ökonomen zweifeln, ob die Aktionen ausreichen, um die Währung zu stabilisieren. “Die Zinserhöhung der russischen Zentralbank soll Einlagen in Rubel attraktiver machen und die nun einsetzende Kapitalflucht eindämmen”, sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). “Dies wird kaum gelingen. Der Rubel hat mit den umfassenden Sanktionen aufgehört, eine frei konvertible Währung zu sein.” Russland werde währungspolitisch in die frühen Neunziger Jahre zurückgeworfen. Zwar könne das Land mit Hilfe kooperationsbereiter Länder und alternativer Zahlungssysteme in eingeschränktem Ausmaß internationale Transaktionen aufrechterhalten. “Aber die Menschen, die jetzt vor den Geldautomaten Schlange stehen, wissen, dass der Rubel nicht mehr länger eine werthaltige und international einsetzbare Währung ist”, sagte Heinemann. “Russland-Aktiva und der Rubel sind an den Finanzmärkten mit dem russischen Überfall auf die Ukraine schlagartig zu Ramsch geworden.”

Auch die belarussische Zentralbank hob ihren Leitzins angesichts der westlichen Sanktionen gegen den Nachbarn Russland deutlich an. Der Leitzins steige von 9,25 auf 12,0 Prozent, teilte die Notenbank mit. Mit dem Schritt solle die finanzielle Stabilität gewahrt und das Risiko einer beschleunigten Inflation begrenzt werden. Belarus ist mit Russland verbündet und erlaubt russischen Truppen den Einmarsch in die Ukraine.

China kritisiert Russland-Sanktionen – “Ohne internationales Mandat”

Peking (Reuters) – Die chinesische Regierung verurteilt die westlichen Sanktionen gegen Russland.

“Wir sind gegen den Einsatz von Sanktionen zur Lösung von Problemen, und noch mehr gegen einseitige Sanktionen ohne internationales Mandat”, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Wang Wenbin, am Montag in Peking. China und Russland würden ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit im Geiste des gegenseitigen Respekts und Nutzens fortsetzen. Wang wies bei seiner regelmäßigen täglichen Pressekonferenz auch eine Aufforderung der USA zurück, wonach die Volksrepublik die russische Invasion in der Ukraine verurteilen solle. China stehe immer auf der Seite des Friedens und der Gerechtigkeit und entscheide seine Position je nach Sachlage, sagte er dazu. China hat wiederholt zu Verhandlungen aufgerufen und darauf hingewiesen, dass man die berechtigten Sicherheitsbedenken Russlands anerkenne.

Die westlichen Länder haben ihre Sanktionen verschärft, um den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu erhöhen. So wurden Devisenreserven der russischen Zentralbank eingefroren, das Land zudem weitgehend vom weltweiten Zahlungssystem Swift ausgeschlossen. Wang ging nicht direkt auf Fragen ein, wie sich die Swift-Sanktionen auf den bilateralen Handel mit Russland auswirken würden oder ob China seine Käufe von russischen Rohstoffen erhöhen werde, um seinem Nachbarn zu helfen.

China ist der größte Handelspartner Russlands. Putin und sein chinesischer Amtskollege Xi Jinping sind sich im Laufe der Jahre politisch immer nähergekommen. Anfang dieses Monats unterzeichneten die beiden Länder eine weitreichende strategische Partnerschaft, um dem Einfluss der USA entgegenzuwirken.

Regierung will Vollversorgung mit Ökostrom bis 2035

Berlin (Reuters) – Deutschland will sich bis 2035 ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen.

Damit richte man sich konsequent auf das im Pariser Weltklimavertrag vereinbarte Ziel aus, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränkten, heißt es in einem Eckpunktepapier der Bundesregierung, das Reuters am Montag vorlag. Bis 2030 soll der Anteil von Wind- oder Solarstrom 80 Prozent erreichen. Die entsprechende Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) ist fertig. Bislang hieß es, dass der Energiesektor deutlich vor 2040 auf fossile Energien verzichten soll. Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck hatte den beschleunigten Ausbau auch als zentrales Element bezeichnet, um sich unabhängiger von russischen Lieferungen fossiler Energien zu machen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte von “Freiheitsenergien” gesprochen.

Dem Eckpunktepapier zufolge soll sich bis 2030 die Leistung von Windenergie an Land auf bis zu 110 Gigawatt verdoppeln. Auf hoher See soll die Windenergie bis 2030 eine Leistung von 30 Gigawatt erreichen, rechnerisch die Kapazität von zehn Atomkraftwerken. Die Solarenergie soll sich auf 200 Gigawatt mehr als verdreifachen. Um den Ausbau auch schnell umsetzen zu können, soll gesetzlich verankert werden, dass er im “überragenden öffentlichen Interesse ist und der öffentlichen Sicherheit dient”.

SOLAR-FÖRDERSÄTZE für HAUSDÄCHER SOLLEN STEIGEN

Die Solar-Fördersätze für Hausdächer werden danach erhöht. Zudem sollen sie – anders als derzeit – für neue Anlagen auch bei starkem Ausbau nicht mehr stark fallen. Bisher sanken die garantierten Abnahmepreise für Betreiber neuer Anlagen schneller, wenn über den geplanten Zahlen zugebaut wurde. Zudem sollen angesichts der hohen Strompreise Extra-Gewinne der Betreiber großer neuer Solaranlagen über sogenannte Differenzverträge abgeschöpft werden. Dies hatte Staatssekretär Patrick Graichen bereits angekündigt. Angesichts zuletzt sehr hoher Strompreise verlieren die garantierten Abnahmepreise für Investoren an Bedeutung, da sie ihren Strom direkt zu noch höheren Tarifen abgeben können.

Für die Verbraucher hat die Regierung zudem ein Gesetz auf den Weg gebracht, damit der Wegfall der EEG-Umlage auf den Strompreis, mit der die Erneuerbaren-Förderung bezahlt wurde, auch beim Kunden ankommt. Ab Juli wird die Umlage direkt aus dem Bundeshaushalt finanziert. Ein Durchschnittshaushalt wird so um etwa 150 Euro im Jahr entlastet, wenn die Versorger dies vollständig weitergeben.

Vor einem Sondertreffen der EU-Energie-Minister betonte Habeck: “Energiepolitik ist Sicherheitspolitik.” Die Abhängigkeit von russischen Importen müsse überwunden werden. “Ein Kriegstreiber ist kein verlässlicher Partner.” Zudem müsse die Energiewende europäisch vorangetrieben werden. “Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine Frage der nationalen und europäischen Sicherheit.”

Wegen des Ukraine-Kriegs bereitet sich die Bundesregierung auch auf einen völligen Stopp russischer Lieferungen von Gas oder Öl vor. Sie schließt daher auch einen Weiterbetrieb der AKW über das geplante Ende in diesem Jahr hinaus nicht völlig aus, wenn er auch als unwahrscheinlich gilt. Auch das angepeilte Datum des Kohleausstiegs 2030 wird angesichts der Entwicklung infrage gestellt..

Wiener RBI – Bieten in der Ukraine nach wie vor alle Bankleistungen an

Wien (Reuters) – Die ukrainische Tochter des österreichischen Geldhauses Raiffeisen Bank International (RBI) bietet nach eigenen Angaben trotz des Krieges nach wie vor alle wichtigen Bankleistungen an.

Die Raiffeisen Bank Ukraine wolle ihre Kunden trotz extrem schwieriger Bedingungen unterstützen, teilte das Institut mit Sitz in Wien am Montag mit. Da die Sanktionen gegen Russland fast täglich ausgeweitet würden, könne man noch keine abschließende Einschätzung geben. “Sie sind hart und in ihren Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft weitreichend”, erklärte die RBI. “Die Auswirkungen auf die RBI Gruppe werden analysiert.” Zum Geschäft in Russland – dem wichtigsten Einzelmarkt der RBI – äußerte sich die Bank nicht.

In der Ukraine stehe die Sicherheit der Mitarbeiter an erster Stelle. Dienstleistungen würden unter der Voraussetzung angeboten, dass keine Gefahr für die Sicherheit besteht. “Die Professionalität unserer ukrainischen Mitarbeiter lässt sich mit Worten nicht beschreiben”, so die RBI. Die Bank tue alles in ihrer Macht Stehende, um Kollegen und deren Familien zu unterstützen.

EnBW zieht sich aus Windenergie-Geschäft auf See in den USA zurück

Düsseldorf (Reuters) – Der Energiekonzern EnBW zieht sich aus dem Geschäft mit der Windenergie auf See in den USA zurück.

Der Versorger werde seine Aktivitäten in diesem Bereich auf Europa konzentrieren, teilte EnBW am Montag mit. Die EnBW North America werde mit ihrem gesamten Portfolio vom bisherigen Partner TotalEnergies übernommen. In Europa errichten die Karlsruher derzeit den 900 Megawatt starken Nordsee-Windpark “He Dreiht”. Auch im britischen Windgeschäft auf See ist der Konzern aktiv. Aber auch die Bundesregierung will den Ausbau der Windenergie auf See im EnBW-Heimatmarkt entschieden vorantreiben.

Erste Group – Unser Exposure in der Ukraine und Russland ist “unwesentlich”

Wien (Reuters) – Österreichs größte Bank Erste Group sieht sich vom Krieg in der Ukraine nicht unmittelbar selbst betroffen.

Das Geldhaus habe keine Töchter in Russland, der Ukraine oder Weißrussland und das Kreditengagement sei gegenüber anderen Ländern unwesentlich, erklärte die Erste Group am Montag anlässlich der Veröffentlichung ihrer Geschäftsjahreszahlen. Das Institut geht davon, dass keine nennenswerten zusätzlichen Risikovorsorgen nötig werden. Der Anteil der faulen Kredite (NPL-Quote) sollte unter 3,0 Prozent bleiben.

“Die jüngsten Entwicklungen rund um den Krieg Russlands mit der Ukraine schockieren alle, die an die Europäische Idee des Friedens, der Demokratie und des Wohlstands glauben”, sagte Bankchef Bernd Spalt. “Der Konflikt wird derzeit noch unabschätzbare Folgen auf dem Kontinent hinterlassen – politisch, wirtschaftlich aber vor allem humanitär.” Zwar habe sich über die vergangenen Jahre die wirtschaftliche Rolle Russlands als Exportmarkt für die Länder Zentraleuropas stetig verringert, dennoch seien die meisten Staaten weiterhin abhängig vom Import russischer Energieträger.

Finanzchef Stefan Dörfler sieht die in vielen Ländern Osteuropas aktive Erste Group gut aufgestellt, die aktuellen Herausforderungen zu meistern. “Wir haben ein bewährtes Geschäftsmodell, eine starke Präsenz in den dynamischen Volkswirtschaften Zentraleuropas und sind solide kapitalisiert”, sagte der Manager.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte die Erste Group ihren Gewinn unter dem Strich auf 1,92 Milliarden Euro mehr als verdoppeln nach 783,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Betriebsergebnis kletterte um 17,1 Prozent auf 3,44 Milliarden Euro. Die Bank übertraf damit die Erwartungen der von ihr befragten Analysten leicht, die im Schnitt mit einem Nettogewinn von 1,86 Milliarden Euro gerechnet hatten. Die Aktionäre können wie bereits angekündigt mit einer höheren Dividende von 1,60 Euro je Aktie rechnen.

Der Zinsüberschuss stieg 2021 um 4,2 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss legte um 16,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Die Kostenquote – das Verhältnis der Kosten zu den Einnahmen – verringerte sich auf 55,6 Prozent nach 59,0 Prozent in der Vorjahresperiode. Die harte Kernkapitalquote (CET1) der Bank stieg auf 14,5 (14,2) Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Erste Group ein Kreditwachstum im mittleren einstelligen Bereich. Beim Provisionsüberschuss werde ein Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich anvisiert.

Ifo – Materialengpass in Industrie verschärft sich – “Trendwende ausgeblieben”

Berlin (Reuters) – Der Materialmangel in der deutschen Industrie hat sich im Februar wieder verschärft.

74,6 Prozent der Firmen klagten über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffe, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Im Januar hatte sich mit 67,3 Prozent noch eine Entspannung angedeutet. “Die erhoffte Trendwende ist ausgeblieben”, sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. “Der Materialmangel verzögert somit weiter den Aufschwung in der Industrie.”

In allen Branchen nahmen die Materialknappheiten demnach wieder zu. “Die Situation bleibt vor allem in den Schlüsselbranchen der deutschen Industrie angespannt”, sagte Wohlrabe. So berichten 89 Prozent der Unternehmen aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau von Lieferproblemen. Dicht dahinter folgen die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen Ausrüstungen mit jeweils rund 88 Prozent. “Für die Industrie bleibt es somit schwierig, die sehr gute Auftragslage in Produktion umzusetzen”, ergänzt Wohlrabe.

Der Auftragsstau in den deutschen Industriebetrieben wird angesichts der von Materialengpässen ausgebremsten Produktion immer länger. Der Bestand an Bestellungen wuchs allein im Dezember 2021 um 1,5 Prozent zum Vormonat und ist nun so hoch wie noch nie seit Beginn der Datenreihe im Januar 2015, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Die Betriebe erhalten damit seit Juni 2020 beständig mehr neue Aufträge, als sie abarbeiten konnten.

Engpässe haben im vergangenen Jahr die deutsche Wirtschaft merklich ausgebremst. Dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zufolge lag die Industrieproduktion um etwa zwölf Prozent unter dem Niveau, das angesichts hoher Auftragseingänge eigentlich möglich gewesen wäre. “Dies entspricht einer entgangenen Wertschöpfung von etwa 70 Milliarden Euro”, sagte dazu IfW-Konjunkturchef Nils Jannsen.