Schlagworte im Ukrainekrieg: Harte Ansagen + Realmathematik = Schlechte Optionen

Den taffen Schlagzeilen, dem Sanktionsgeschrei und der moralischen Großspurigkeit zum Trotz entdecken wir gerade, dass die politischen Handlungsoptionen des Westens (die Absage an die Schweizer Neutralität inbegriffen) gar nicht so stark sind, wie es scheint.

Die Summe aller Übel

Krieg ist die Summe aller Übel; es gibt kaum größere Tragödien als der Klirren der Schwerter.

Carl von Clausewitz beschrieb den Krieg im 19. Jh. einmal als „die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“. Aus meiner Sicht ist Krieg nur das Scheitern adäquater Politik.

Während der Westen mit dem moralischen Zeigefinger auf Putin zeigt, ergreifen wir keine Partei und fragen uns einfach, wo eben dieser Zeigefinger (Schlagzeilen oder Sanktionen) war, als die USA jahrelang ein Land nach dem anderen überfielen.

Erinnern Sie sich noch an besagte weapons of mass destruction (Massenvernichtungswaffen) des Irak? Oder hat Uncle Sam da was falsch verstanden? Ich mein’ ja nur…

Kurz: Wer im Glashaus sitzt, sollte vielleicht endlich aufhören, Steine zu werfen…

Kaputte, schuldenbasierte Wirtschaftssysteme schwächen eine Nation und verringern ihre politischen Handlungsoptionen gerade dann, wenn stärkere Optionen dringendst notwendig wären – wie beispielsweise in Kriegszeiten.

Im Nuklearzeitalter des 21. Jh. wäre militärischer Realismus á la Clausewitz nicht nur Wegbereiter einer „gegenseitig garantierten Zerstörung“ (mutually assured destruction, MAD), sondern einfach Ausdruck von Wahnsinn.

Angenommen, dass sich alle großen Mächte (von Moskau bis Washington) in diesem Punkt einig sind, so wird der vor uns liegende Krieg im selben Maße finanziell wie militärisch geführt werden. Leider ist der Westen finanziell gar nicht so stark, wie seine Schlagzeilen es uns weismachen wollen.

Achtung – mehr Geldschöpfung im Anmarsch

Man darf erstens von einer ununterbrochen laxen US-Notenbankpolitik ausgehen.

In den letzten Monaten hatten wir deutlich auf Folgendes hingewiesen: Jede Form vorausschauender geldpolitischer Straffungen seitens der US-Notenbank würde – falls sie wirklich kämen – unausweichlich wieder gestoppt und kurzerhand rückgängig gemacht werden (von streng zurück auf lax), sobald die Risikoanlagemärkte im Umfeld steil steigender Zinssätze abstürzten.

Dann kam der Krieg in der Ukraine.

Wir glauben, jede Eskalation dieses Kriegs würde die vorherigen Optionen und Möglichkeiten der Federal Reserve bezüglich geldpolitischer Straffungen im Umfeld wachsender Konflikte drastisch einschränken.

Wie man den Einlassungen vom Anleiheparkett (M. El-Erian) bis hin zu den jüngsten Tweets von Fed-Mitgliedern entnehmen kann, gilt es inzwischen als Konsens, dass eine Erhöhung des Fed-Leitzinses für 2022, selbst um 50 Basispunkte, als immer unwahrscheinlicher gilt.

Kriege, ob mit Panzern oder Sanktionen ausgetragen, kosten Geld. Und Länder, die schon über beide Ohren rekordbrechend verschuldet sind, können sich steigende Zinsen nicht leisten.

Zudem erinnert uns der Blick in die Geschichte daran: Wenn sich Kriege in die Länge ziehen, wird die Geldpolitik in jedem Fall lockerer und nicht strenger.

Achtung: Währungseinbrüche im Anmarsch

Auch zu Fiat-Währungen ist der Krieg nicht nett.

Ein erster Blick auf die Währungen der Ukraine und Russlands zeigt, dass sie im Vergleich zum USD wie auf Ansage einbrechen; der EUR wird diesem Trend folgen, besonders dann, wenn sich dieser Krieg in die Länge zieht, was niemand wünscht.

Ein längerer Kriegsverlauf ist in der Tat eine Hiobsbotschaft für das gesamte Spektrum an globalen, „mausgeklickten“ Währungen, die allesamt und im Allgemeinen kontinuierlich gegenüber härteren Anlagen abwerten und gegenüber Gold im Besonderen.

(Man muss nicht hinzufügen, dass ein ausgedehnter Konflikt auch die Industrie- und Verteidigungswerte stärken wird.)

Achtung: Mehr irreführende Schlagzeilen im Anflug

Neben erhöhter Geldschöpfung und Währungsentwertung darf auch deutlich mehr Propaganda erwartet werden, die sich als Nachrichten „aus der freien Welt“ ausgibt.

Die russische Invasion der Ukraine letzten Mittwoch ersetzt jetzt natürlich auch das zunehmend in Verruf geratene Covid-Narrativ in allen Tweets und Schlagzeilen.

Wie so oft der Fall bei zunehmend politisierten Medienquellen, im Westen wie Osten, lässt sich aus dem, was nicht gesagt wird, häufig mehr herauslesen als aus dem Gesagtem.

Wenn belastbare Mathematik ausgeklammert wird

Was in den aktuellen Schlagzeilen fehlt, geht weit hinaus über Fragen der Politik, Inflation oder nationalen Werte.

Eine Sache fehlt wie immer in den protzigen und taffen politischen Schlagzeilen der letzten Zeit – die langweilige aber stichhaltige Mathematik der globalen Verschuldung.

Wie wir gleich noch sehen werden, beeinflussen/ behindern finanzielle Defizite unglücklicherweise auch die politischen Handlungsoptionen sehr deutlich; das gilt gerade, und in erster Linie, für konfliktträchtige Zeiten.

Lange bevor Putin mit dem Säbelrasseln (dem potentiellen Krieg in der Ukraine) begann, war Mathe schlicht und einfach Mathe und Schulden immer noch Schulden. Und das bedeutet, dass der Westen im Allgemeinen und die USA im Besonderen gar nicht so taff sind wie ihre Ansagen.

Während Putin zum brandneuen Schurken avanciert, ist der US-Haushaltsalptraum ganz konkret immer noch ein Alptraum und die tatsächlichen Zinsbelastungen für den US-Kneipendeckel (Ausgaben des Finanzministeriums und Leistungsansprüche) sind weiterhin ein offener wenngleich medial fast vollständig ignorierter Krebs.

Ob man will oder nicht, die Steuereinnahmen der USA kommen Uncle Sams Ausgabe- und Verschuldungssucht nicht hinterher, und das bedeutet auch, dass die USA in keiner wirklich starken Position sind, um sich selbst retten zu können, geschweige denn die Ukraine.

Leider erzeugen Schuldenzeitbomben, wie sie auch im Land der Weltreservewährung tickt, einen bestimmten Politikstil (z.B. mehr Geldschöpfung und Defizitfinanzierung), der ziemlich vorhersagbar ist.

Heute, wo potentielle Mehrverschuldung durch Sanktions- und Kriegskosten im Raum steht, bleibt der Fed, angesichts einer Gesamtverschuldung von fast 90 Bill. $, einfach kein Spielraum für Zinserhöhungen, und seien es nur 50 Basispunkte. Ganz zu schweigen von irgendwelchen „Volcker-artigen“ Zinsanhebungen wie früher.

Dass Vorkriegsexperten, Banker und gewisse Fed-Mitglieder Drohgebärden machten und nach den guten alten Zeiten schrien, als noch jemand Mut zu geldpolitischer Strenge hatte, wird rückblickend entweder 1) als Komödie des schönen Scheins gelten, die Ehrlichkeit und Offenheit aussparte und/ oder 2) als blankes Nichtwissen, das die Mathematik ersetzte.

(Kriegs-)Schulden sind relevant!

Schulden, ich werde es wieder und wieder wiederholen, begrenzen die Wahlmöglichkeiten.

Den Regierenden weltweit sitzt eine über 300 Bill. $ große Verschuldungskanone auf der Brust. Krieg wird diese erdrückende Zahl deutlich vergrößern.

Das bedeutet: Schuldengetränkte Nationen müssen wieder zurück zu mehr (nicht weniger) QE, aus dem einfachen, mathematischen Grund, dass sie zu hohe Schulden haben aber nicht genügend BIP. Das wiederum heißt: Um diese Lücke zu schließen wird mehr magisches, mausgeklicktes Geld benötigt.

In den USA z.B. wird das BIP niemals schnell genug wachsen, um die exorbitanten Verschuldungsstände zu decken.

Schon damals im 18. Jh. gab uns David Hume Folgendes mit auf den Weg: Sobald das Verhältnis aus Verschuldung zu Wirtschaftsleistung einer Nation den Rubikon von 100 % überschreitet, wird das Wachstum, mathematisch begründet, um 1/3 gedrosselt.

Niedergang von Nationen: a+b

Falls amerikanische Führungspersönlichkeiten und Unternehmenschefs, die derzeit einen harten Kurs bei Kriegssanktion fordern, noch mehr über die Ursprünge dieses beispiellosen Alptraums einer Schuldenstandsquote und den Niedergang Amerikas erfahren wollen, dann könnte ein Blick in den Badezimmerspiegel ein guter Anfang sein.

Im Grunde ist die Geschichte des Niedergangs der US-Ökonomie (und folglich der Weltwirtschaft) so einfach wie a+b (mit ein bisschen B,I,P und Q und E)

Beim BIP, oder Bruttoinlandsprodukt, geht es vor allem um das „P“ – sprich das einst geläufige und heute vergessene Ding, das unsere Ahnen „Produktion“ nannten.

Jedenfalls ist Produktion irgendwie wichtig, und es kommt von, naja, wirklich Dinge produzieren.

a. Unternehmerisches Eigeninteresse auf Kosten nationaler Interessen

Leider entschied sich die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Unternehmensführer schon vor langem (und mit Clintons Hilfe) für die Auslagerung einst amerikanischer Produktion/ Fertigung an Orte (man denke an China), wo Arbeitskraft billiger und die Unternehmensprofite/ -margen dementsprechend satter waren.

Endergebnis?

Millionen hart arbeitender Amerikaner verloren ihre Jobs, Millionen unterbezahlter Arbeiter im Ausland übernahmen diese; und eine winzige Handvoll überbezahlter Führungskräfte wurde reicher als König Salomon (oder Jeff Besos?), während das BIP auf niedrigem Niveau stagnierte.

In der Zwischenzeit trafen eben jene CEOs die gleichermaßen egoistische und kurzsichtige Entscheidung, günstige Schulden zu nutzen, um gratis Geld zu leihen.

Doch was machten sie mit diesem billigen/ „heißem“ Geld?

Ganz einfach: Sie nutzten es für den Rückkauf ihrer eigenen Aktien, was Wunder wirkt, wenn man den Aktienbestand schrumpfen und die Gewinn-je-Aktie-Kennzahl künstlich in die Höhe treiben möchte – und somit auch die eigenen, vom Aktienkurs abhängigen Gehälter.

Die Gier der Chefetagen ist eines der nicht so ehrenhaften Motive in einem Wandel, der sich seit wenigen Jahrzehnten vollzieht und die USA als einstigen Spitzenreiter im Produktionssektor in den globalen Niedergang führt.

Wie ich an anderer Stelle beschrieben hatte, ist eine derartige „Führungspraxis“ kein Zeichen für gesunden Kapitalismus (den ich verehre), sondern eine Art postmoderner Feudalismus (den ich verabscheue).

b. „Akkommodierungen“/ Betrug durch Zentralbanken

Wer wissen will, warum das Schuldenmachen so reizvoll wurde für diese eigennützigen Führungskräfte, der kann sich bei Alan Greenspan und allen folgenden Fed-Chefs dafür bedanken, dass sie Zinssätze und Zinskosten jahrzehntelang im historischen Keller gefangenhielten.

In aller Kürze zusammengefasst heißt das: Schulden, Gier der Führungskräfte und Notenbankmittäterschaft vernichten BIP und treiben Nationen zu einer Zeit in den Niedergang, in der sich der Horizont mit Pulverdampf füllt.

Kurzum: Es ist zukünftig mit mehr (und nicht weniger) Geldschöpfung zu rechnen. Und allein hier – beim Ersetzen der Buchstaben B, I & P durch mehr Q und E – sind die USA wirklich überragend.

Nationen im Niedergang bleiben kaum Optionen

Mit Blick auf die Ukraine müssen wir jetzt erkennen, dass uns die Finanzsünden der Vergangenheit in eine Position der Schwäche gebracht haben, und das genau zu einer Zeit, in der wir eigentlich stark sein sollten.

Diesen harten Realitäten zum Trotz feuern die woken Medienkanäle des Westens Berichte darüber ab, wie wir Herrn Putin – der seit Jahren warnt, ein Ukraine-Nato-Deal käme einer Kriegserklärung gleich – aussanktionieren, ausquetschen und überleben werden.

Jetzt tut der Westen überrascht, weil Putin genau das macht, was Kennedy damals auf Anraten seiner Berater tat.

Solche Drohgebärden fühlen sich gut an und scheinen, nach Meinung vieler bekannter Gesichter aus der Politik, wohl auch möglich zu sein.

Naja, nochmal nachdenken bitte.

Boris Johnson bläst sich auf

Allen taffen Ansagen Boris Johnsons und anderer westlicher Führer zum Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT zum Trotz müssen gewisse finanzielle Realitäten – und nicht nur politisches Reden – in Betracht gezogen werden.

Sogar US-Präsident Obama warnte 2015 konkret vor solchen Schritten, da diese den Status der US-Reservewährung und den Allgemeinzustand der Weltwirtschaft schwächen würden/ könnten.

Das heißt also: Der Rausschmiss Russlands aus dem USD-denominierten SWIFT-System würde Putin einen weiteren Grund geben, andere Märkte und andere Handelswährungen zu finden (man denke an CNY oder gar Gold, das Russland und China in aller Stille gehortet haben).

Ein solcher Schritt würde den US-Dollar destabilisieren und somit auch alles andere – von den Inflationsquoten bis hin zu den Anleihemärkten.

Ich mein’ ja nur…

Condoleezza Rice bläst sich auf

Ich erinnere mich noch, wie die ehemalige US-Außenministerin (und Russlandexpertin?) Condoleezza Rice 2014 im deutschen Fernsehen meinte, „den Russen geht das Geld früher aus als den Europäern die Energie“.

Als in den USA ausgebildeter Ami, der sein halbes Leben in Europa verbracht hat, bescheren solche Aussagen Einblicke aber auch zynische Momente. Denn Amerikaner wie Frau Rice sind häufig der Meinung, die Europäer würden so denken und handeln wie die US-Politik es gerne hätte.

Rices ermutigendes Draufgängertum steckt natürlich voll vom großen amerikanischen Stolz (Arroganz), den ich nur allzu gut kenne.

Klar klingt sie taff und smart, oder nich?

Doch leider ist knapp ein Jahrzehnt seit dieser gewagten Aussage vergangen und Frau Rice sollte vielleicht doch über eine Auffrischung ihrer russischen Rechenkünste und europäischen Zeitgeist-Einschätzungen nachdenken.

So stehen Russlands Devisenreserven (sprich „Cash“) zum Beispiel heute auf Allzeithochs.

Nicht nur das. Während der Westen seit Jahren beim Gelddrucken vollkommen austickt, nah Putin davon Notiz.

Als ausgewiesener Schachspieler begann er Gold zu kaufen. Viel Gold

Endergebnis? Rice lag bei ihren „Geld-geht-aus“-Warnungen falsch. Russlands Devisenreserven sind viel solider als ihre Worte:

Doch was ist mit Rices angeblicher Expertise für europäische Energiebedürftnisse?

Nun ja, auch da lag sie daneben…

Seit 2018 begannen beispielsweise die Niederlande, ihre Erdgasproduktion in Groningen zu reduzieren und nicht auszubauen.

Vielleicht sollte Rice auch ihr Deutsch aufbessern oder zumindest die jüngsten Übersetzungen von Reuters lesen, die sie (zusammen mit Robert Habeck) daran erinnern werden, dass Deutschland (das ökonomische Zentrum der EU) 50 % seiner Kohle, 55 % seines Gases und 35 % seines Öl von… nun ja…RUSSLAND bezieht.

Aus diesem Grund hat sich Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz auch nicht so aufgeblasen wie Boris Johnson und andere (zumindest nicht bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels) und deshalb wird er immer noch Erdgas von der russischen Gazprom kaufen, das durch ukrainische Pipelines fließt.

Zudem bleiben Deutschland, dessen Wirtschaft jüngst wieder Rezessionsstände erreichte, während der Erzeugerpreisindex des Landes mit einer Quote von 25 % ein 40-Jahre-Hoch markierte, so gut wie gar keine realistischen Sanktionen/ Optionen (oder taffen Ansagen) für die nächste Zeit.

Energie-Realpolitik

Können die USA, die jetzt am Schulden-Peak stehen, sich wirklich ein Finanz-Angsthasenspiel mit Russland leisten?

In dieser Hinsicht könnte Putin am längeren Hebel sitzen – mehr als die jetzt vollständig politisierten Leitmeiden uns vielleicht aufgetischt hätten.

Sollte sich Biden zum Beispiel für weitere Sanktionen gegen den weltgrößten Energieexporteur (also Russland) entscheiden, dann sollte er sich vielleicht die Frage stellen (oder zumindest die, die für ihn die Entscheidungen treffen), ob sich die USA derartige Finanzkriegsführung sowie Extremkursentwicklungen an den Energiemärkten und eben auch Inflation leisten können.

Natürlich versteht Putin, in welcher brenzligen Schuldenlage die USA jetzt stecken. Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe, ist Putin wirklich sehr vieles, doch entgegen der weltweit verbreiteten Meinung ist er eben nicht dumm.

Wie ein Schachspieler sieht er das Spiel strategisch und ist nicht nur auf die einzelnen, kurzfristigen Bewegungen fixiert, doch gerade dort, so scheint es, liegt die Komfortzone vieler westlicher Journalisten (und politischer Entscheidungsträger).

Zum Beispiel weiß er ganz genau, was der Präsident des Council on Foreign Relations vor kurzem eingestanden hatte – nämlich: Sanktionen gegen Russland übersehen die russischen Devisenbestände, die von steigenden Ölpreisen profitieren.

Chinas Offene Arme?

Die Leitmedien lieben es natürlich, Mut und Tugend vorzutäuschen und Klickköder zu streuen, auch wenn Mathematik, Fakten und sogar ein grundlegendes Geschichtsverständnis darunter zu leiden haben.

Der hochverehrte Economist zeigt beispielsweise einen eingeschlossenen Putin, der sich wohl selbst gelackmeiert hat:

Bei allen Respekt, selbst gegenüber dem Economist: Bitte überdenken Sie!

Westliche Sanktionen gegen russische Energieträger werden Putins Ölexporte ganz einfach in die Arme und die Währung der Chinesen treiben.

In großen Bereichen des Energiemarkts, wo zuvor in Petro-Dollar abgerechnet wurde, würde der CNY (d.h. der Yuan) den USD ersetzen; und das hätte sofort den Effekt eines selbst zugefügten Brustschusses gegen den US-Dollar als den einer Bedrohung für Russland.

Insgesamt betrachtet klammern alle Drohgebärden – von Boris bis Biden – härtere Realitäten aus: den schwankenden Reservestatus des USD, die tatsächliche Ölmarktsituation (einschließlich Inflation), sino-russische Schachkünste und auch die Sachzwänge, die sich aus rekordbrechender US-Verschuldung ergeben.

All diese Faktoren wirken wie Kanonenkugeln, die den politischen Handlungsoptionen des Westens an die Füße gekettet sind, so dass dem Westen kaum mehr bleibt als taffe Worte, wenn er finanziell nicht untergehen will.

Sehen Sie jetzt, wie Schulden, Mathematik und Realität effektive Politik und Handlungsoptionen in Kriegszeiten einschränken?

Angenommen, die heutigen Machthaber sind zumindest weise genug, um den Wahnsinn eines Atomkriegs zu erkennen, so werden sich die militärischen Konflikte in der Ukraine und Europa wahrscheinlich zu einem Finanzkrieg abschwächen, was aber auch bedeutet, dass das ohnehin schwache globale Finanz- und Währungssystem weiter geschwächt wird.

Haben Sie Gold?

Von Stürzenden Märkten & Steigendem Gold

Es ist faszinierend zu beobachten, wie Marktexperten, politische Entscheidungsträger, Geschäftsbanker und andere mediengestützte Experten taffe Ansagen machen zur Notwendigkeit von Inflationsbekämpfung, Zinserhöhungen sowie Zentralbankenbilanzkürzungen.

In der Tat könnten solche markanten Auftritte geradezu komisch wirken, wenn sie nicht so tragisch wären.

Das aktuelle Kriegsgeschrei zum Kampf gegen eine nachhaltige und eben nicht vorübergehende Inflation (wovor wir vor einem Jahr warnten) läuft allerdings auf „zu wenig, zu spät“ hinaus.

So „wissenschaftlich“ wie die Diskussion um „Maske oder keine Maske“ geführt wird, so wissenschaftlich ist auch das sich stets wandelnde Narrativ der US-Notenbank beim Thema „vorübergehende oder langfristige Inflation“. Alles in allem ist es ein an Verlogenheit grenzendes Schauspiel der Inkompetenz, denn wie der Anstieg des Geldangebots war auch das Aufkommen von Inflation ganz deutlich absehbar.

Der letzte Schrei sind inzwischen die Debatten um harte oder akkommodative Zentralbankenpolitik (streng vs. lax / Falke gegen Taube); doch auch sie sind auf ihre Weise wieder eine Tragikomödie aus unverblümter Verwirrung und ebenso unverblümter Scheinheiligkeit.

Aus unserer Sicht ist dieses ganze „Tapering-Thema“ kaum mehr als politisches Gehabe. Effektive Politik ist es jedenfalls nicht, weil auch hier Mathematik, Geschichte und gesunder Menschenverstand außen vor gelassen wird.

Die Nimmersatten fordern eine Diät?

Plötzlich fordern auch jene, die diese Megablase schufen und nutzten, mit Nachdruck Beschränkungen und Disziplin ein, obgleich jahrelang zu beobachten war, wie mittels laxer US-Notenbankpolitik die größte Vermögenswertblase der modernen Geschichte aufgebläht wurde (und die größte Vermögensungleichverteilung seit der Französischen Revolution entstand).

Ein ganz schön dickes Ding…

Sie können, so scheint es, die Inflationsdaten nicht mehr leugnen, welche auf Jahresbasis eine Inflation von 7 % ausweisen. Doch anscheinend ignorieren sie nach wie vor, welch unnatürliche Inflation im S&P stattgefunden hat…

Wie ich gerne sage: Ironien des Schicksals gibt es hier zuhauf.

Genau jene Akteure, die uns Fake-Liquidität und gedrückte Zinssätze bescherten, um diese Monsterblase zu erschaffen, schreien plötzlich nach geldpolitischen Straffungen und Zinserhöhungen, die diese Blase zerstören werden.

Eklatante Beispiele für solche komödienhafte Mathematikfremdheit und unverblümte Scheinheiligkeit, die sich hinter jenen Posen der Strenge und Disziplinierung verbergen, hatte ich im meinem letzten Artikel Goldman Sachs und Bridgewater schon aufgezeigt.

Solcher „Nachkriegsmut“ der Experten ist nichts Neues, und an andere Stelle hatte ich schon offen davor gewarnt, dass die auf Gruppendenken abzielenden Ratschläge sogenannter „Experten“ eine echte Gefahr darstellen.

Natürlich ließe sich diese Kritik auch gegen unsere eigene Expertise (oder Bias?) richten, was die Rolle von Goldeigentum in einem unverkennbar verzerrten und längst bröckelnden Finanzsystem angeht.

Na gut. Schon verstanden.

Doch wer einfach nur hinausblickt über diesen immensen Nebel aus entkontextualisierten Tweets, unvollständigen Daten, endlosen Makrodebatten, zur Schau getragener Diszipliniertheit/ Strenge, der sieht in der vorhersagbaren (und düsteren) Zukunft des Weltfinanzsystems im Allgemeinen und insbesondere im hellen Gold-Horizont einen klaren Wegweiser und keine einseitige Edelmetallvorliebe.

Der 300 Bill. $ schwere Elefant im Zimmer

Doch wie kann man sich dessen sicher sein – in einer Welt, in der nichts sicher scheint?

Die Antwort lässt sich auf die ehrlichen aber auch harten mathematischen Erkenntnisse zur rekordbrechenden Verschuldung reduzieren.

Mit 300 Bill. $ (Tendenz steigend) hat die globale Verschuldung schon vor langer Zeit den Rubikon der Nachhaltigkeit überschritten, und kein noch so umfangreicher „Stimulus“ oder versprochenes BIP-Wachstum (derzeit stagnierend bei 1/3 der globalen Verschuldung) kann diese desaströsen Konsequenzen jemals abwenden.

Das gemeinsame Versprechen verzweifelter Nationalstaaten und begieriger Banker (Stichwort: toxische Beziehung), dass die tödliche Schuldenkrankheit durch mehr Schulden heilbar sei, hat sich, wie Geschichte und Mathematik zeigen, noch nie bewahrheitet. Kein einziges Mal.

Die harte aber ungeschönte Wahrheit lautet hingegen (wie David Hume vor hunderten Jahren schon warnte): Zu hohe Schulden zerstören Ökonomien immer.

In diesem Zusammenhang verdient die Tatsache, dass nie zuvor in der Geschichte der Kapitalmärkte so hohe globale wie nationale Verschuldungsstände erreicht wurden, vielleicht einer ehrlichen Analyse; und die Beobachtung historischer Schulden-Katastrophen-Muster ist dabei vorrangig eine mathematische Angelegenheit und weniger eine politische oder akademische.

Das traf und trifft nicht nur auf Orte wie Jugoslawien, Venezuela, Argentinien, die Weimarer Republik, Paris im 18. Jh. oder Rom im 3. Jh. zu, sondern ebenso auf die einst so mächtigen VS von Amerika, wo derzeit die Weltreservewährung des 21. Jahrhunderts beheimatet ist.

Angesichts einer Gesamtverschuldung von Haushalten, Unternehmen und öffentlicher Hand, die an der 90-Billionen $-Marke kratzt und realen Zinskosten, die mehr als 100 % der US-Steuereinnahmen betragen, ist es ehrlich gesagt fast unmöglich zu verstehen, warum diese tickende Schuldenzeitbombe noch nicht zur täglichen Schlagzeile geworden ist.

Such nach den Blüten, nicht nach dem Mist, auf dem sie wachsen!

Die Antwort auf diese Frage finden wir zum Teil in den stets so vertrauenswürdigen und stets so hoffnungslosen Versuchen von Bankern, Politikern und Teleprompter-Vorlesern, nur das zu sehen, was sie sehen wollen (und nur das zu zeigen, was Sie sehen sollten).

Dank massiver Defizitfinanzierung, Hilfspaketen für die Wall Street, Zuwendungen an die Banken und Gratis-Schecks für’s Volk im Jahr 2020 überrascht es nicht, dass die Bilanzen des Privatsektors nicht ganz so hässlich ausfallen wie vor 2020.

Und so etwas sollte man, nach dem Dafürhalten von Experten, auch zu sehen bekommen. Na schön!

Und was die US-Haushalte betrifft: Ihre Schuldendienstquoten haben einen logischen und verständlicherweise bequemen Rückgang verzeichnet:

Abgesehen von solchen gelobten und immer wieder gefeierten Fortschritten (Datenblüten) inmitten der US-Schuldenlandschaft bleiben die weitaus toxischeren Verschuldungszustände (d.h. Misthaufen) auf Staatsebene quasi unerwähnt. Uncle Sams Kneipeldeckel von 30 Bill. $ zeugt nicht mehr von einem peinlichen Trunkenbold, sondern bald schon von einer Alkoholleiche.

Im Nebel der Marktverzerrungen

Analog zum Kriegsnebel sorgt auch der Nebel der Marktverzerrungen dafür, dass aufrichtige Investoren die Orientierungshilfen (oder den goldenen Leuchtturm) kaum noch erkennen können.

Mit Blick auf die Orientierungswirklichkeit amerikanischer Politik, die im Schuldenrausch unendlich viel mehr Schuldscheine (d.h. US-Staatsanleihen) ausstellt als sie Einkommensquellen auftut, stellt sich zwangsläufig die Frage, wer diese Schuldscheine denn eigentlich kauft?

Das Diagramm unten stellt dies unmissverständlich klar.

Während der Strom aus Schuldscheinen nicht abreißt (steil steigende blaue Linie), ist der Ankauf dieser Schuldscheine durch ausländische Akteure weggebrochen.

Was diese Daten bestätigen, ist nicht schwer zu erklären: Seit der Krise von 2008 sind die wichtigsten Käufer von US-Schulden die Zentral- und Geschäftsbanken gewesen – und all das mit Mausklick-Geld.

Wie Märkte einbrechen

Unterdessen lehnen sich jetzt einige dieser Banker aus dem Fenster und fordern 2 bis 7 Zinssatzerhöhungen für 2022 oder eine Reduzierung der G4-Zentralbankbilanzen um mindestens 2 Bill. für eben dieses Jahr. Doch hat dabei irgendjemand kurz innegehalten und sich folgende simple Frage gestellt:

Wenn die QE-Unterstützung für den Anleihemarkt zurückgefahren wird und in der Folge Anleiheerträge und Zinssätze deutlich steigen (was schon Fall ist und in Zukunft weiter sein wird), was geschieht dann mit diesem einst akkommodierten Anleihemarkt und was wird aus dem schuldentriefenden Aktienmarkt?

Nun, man kann es unumwunden sagen: Sie werden auf Grund gehen.

Haiflossen aus den Tiefen des Anleihemarktes gesichtet

Sollte sich das noch theoretisch, aber nicht unausweichlich, anhören, dann schauen Sie sich einfach an, was vor lauter Bäumen gerade übersehen wird – nämlich einbrechende globale Anleihemärkte und somit auch steigende globale Zinsniveaus.

In der Zeit vor den jüngsten „taffen Ansagen“ großer Akteure war der globale Anleihemarkt viele Jahre lang in den Genuss einer Zentralbankenpolitik gekommen, die in ihrer Kauffreude selbst schrottige Staats- und Unternehmensanleihen erwarb, so dass die Anleiheerträge (welche sich invers zum Anleihekurs bewegen) zum ersten Mal in der Geschichte global auf negative Stände fielen (negativ verzinste Anleihen in einem globalen Gesamtvolumen von sage und schreibe ca. 19 Bill. $!).

Doch allein in den letzten Wochen haben die zunehmenden „taffen Ansagen“ großer Akteure dazu geführt, dass der zuvor so schön „akkommodierte“ Anleihemarkt derart aufgeschreckt wurde, dass die Anleihekurse in den Keller gehen und die Zinssätze nun auferstehen wie Lazarus.

In der Folge hat sich das Volumen der negativ verzinsten Schulden innerhalb einer einzigen Woche (!) praktisch halbiert, wie folgender Bloomberg-Chart bestätigt:

Jeder, der sich eingehend mit den historisch beispiellosen Dimensionen der schuldentriefenden und schuldengetriebenen Risikoanlagemärkte beschäftigt, weiß aber: Steigende Anleiheerträge sind für Anlagewertblasen genau das, was heranziehende Haiflossen für den Surfer sind: schlechte Nachrichten.

Da die gemeinsame Bilanzsumme der G4-Zentralbanken bei mehr als 30 Bill. $ liegt, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie man für die steigenden Kosten der eigenen Staatsverschuldung aufzukommen gedenkt, sobald die Geldpolitik streng wird, die Spekulativgelddrucker „auf Sparmodus“ geschaltet sind und die Zinssätze (folglich auch die Schuldenkosten) in die Höhe getrieben werden?

Wir denken: All jene, denen heute vor Strenge und Disziplinierungswillen die Brust schwillt, werden sich morgen in die Ecken verkriechen.

Gold macht aufschlussreiche Bewegungen

Im Kontext zunehmender Verzerrungen, ignorierter Warnungen, zu spärlichem und zu spätem Klartext sowie längst überfälligen geldpolitischen Kürzungen kommt es, wie klar ersichtlich ist, auch zu Veränderungen.

Traditionell gelten steigende Anleiheerträge und Zinssätze normalerweise als gut für den US-Dollar – und als weniger gut für Gold und praktisch alle anderen Anlageklassen.

Nach derart langjährigen Zentralbankeninterventionen, Akkommodierungen, Experimenten und Verzerrungen ist aber auch klar, dass im Grunde nichts mehr normal oder traditionell ist.

Eine der vielen Eigenschaften von Gold ist seine historische Ehrlichkeit, und wenn Gold steigt – so sehen wir es –, dann legt es offen, dass die jüngsten taffen Ansagen von oben im Grunde nur Sch__ß sind.

So waren z.B. die Märkte davon ausgegangen, dass Gold, angesichts der jüngsten, unvorstellbaren Anleiherenditeerhöhungen, hunderte Dollars fallen werde.

Doch stattdessen stieg der Goldpreis.

Denn Gold weiß, was Lagarde und Powell lieber gar nicht erst zugeben wollen – nämlich: Die Systeme brechen auseinander.

Gold weiß, dass der taffe Klartext von oben die enorm gewachsene Verschuldung komplett ausklammert, aus der sich aber, und zwar Tag für Tag, ein desaströser Aufstieg der Anleiherenditen (und Haiflossen) ergibt.

Gold weiß auch, dass das heute so angesagte Tapering nicht von Dauer sein wird, und dass den versprochenen Bilanzkürzungen später wieder Bilanzausweitungen folgen werden (d.h. mehr Geldschöpfung).

Nehmen wir die Bank of Japan als Beispiel. Sie hat quasi bis zum Anschlag quantitativ gelockert, um die Renditen der 10-jährigen Anleihen mittels unbegrenzter Ankäufe japanischer Staatsanleihen am Boden zu halten.

Warum?

Weil man weiß, was die Federal Reserve uns nicht sagen wird: Bankrotte Nationen können sich steigende Zinsen nicht leisten.

Gold sieht, anders formuliert, das zuvor erwähnte Auseinanderdriften von US-Anleihebegebung einerseits und Anleihenachfrage andererseits, woraus sich unvermeidlich noch mehr US-Geldschöpfung und US-Ertragskurvenkontrolle ergeben wird, weil der Fed die Optionen fehlen und sie nur noch „japanischer werden“ kann.

Langfristig steigt Gold, auch wenn es zwischenzeitlich kurz fallen und /oder fluktuieren kann.

Doch während Währungen und Finanzsysteme (von diskreditierten Banken hin zu grotesk riskanten Derivatemärkten) im Todessog der Anleihemärkte an Vertrauen verlieren, wird die Rolle und der Wert des Goldes in Gramm und Unzen bemessen werden – und nicht in nutzlosen Dollars oder Euros.

Große Störungen bringen auch extreme Preisbewegungen. Doch die Informierten, Geduldigen und Gefassten besorgen sich eine Versicherung lieber vor dem Ausbruch des Feuers, und nicht erst danach.

In diesem Kontext konnten wir in letzter Zeit die Aktivität einiger interessanter und sehr großer Goldkäufer beobachten. Und es stellt sich die Frage, wer er/sie/es ist und was er/sie/es weiß und kommen sieht…?

Als Hinweis: Wir denken, dass es ein staatlicher Käufer ist…

Während Währungen sich aufblähen und im Gegenzug abwerten, während Blasen wachsen und wiederum platzen, während Experten quaken und wieder von der Bildfläche verschwinden, während Verschuldung wächst und im Gegenzug zerstört, ist Gold stets der geduldige, reale Vermögenswert, der – anders als alles andere – das letzte Wort haben wird im zunehmend diskreditierten Wortgeklingel, das uns heute von oben erreicht.

Wer genauso viel über Geschichte und Mathematik weiß wie über Währungen und Schuldenblasen, dem bereiten Goldtageskurse kein Kopfzerbrechen, weil die Strategie klar und immer gleich bleibt: Gold ist die ultimative Absicherung gegen Währungen und Systeme, die schon jetzt zu Schutt und Asche verbrennen.

Goldman Sachs & Bridgewater: Auf anständig machen, kurz vor der Implosion

Von Tugendschau zur taffen Eliteansage

Seit einigen Jahren ist zu beobachten, wie in praktisch allen Bereichen – von ethnischen Spannungen bis zur Impfakzeptanz – gerne Tugendhaftigkeit zur Schau getragen wird, die zugegebenermaßen fragwürdig ist.

Ich denke dabei auch an Hollywoods edelste Vertreter, welche John Lennon singen oder aber an Howard Stern und Arnold Schwarzenegger, die frömmelnd die Ungeimpften kriminalisieren.

Mit anzusehen, wie Menschen, die völlig fremd in der Materie sind, Kenntnis und Urteilsvermögen vortäuschen, mag auf viele von uns komisch wirken, doch leider ist es auch sehr tragisch.

Wer sich hingegen mit aufgeblähten Risikoanlagen, bedrängten Zentralbanken, fatalen Schuldenständen und Führungsinkompetenz beschäftigt, dem dürfte das plötzlich vermehrt aufkommende Gezeter von Stinktieren, die der heimischen Finanzelite entstammen, bald ebenso tragikomisch vorkommen.

Angsthasenspiel: Wie Bank-Falken mit dem Märkten spielen

Seit über einem Jahr warnen wir davor, dass die deutlich artikulierte Bereitschaft der Fed zur „Bilanzsummenstraffung“ einerseits sowie deutlich „telegrafierten“ Zinserhöhungen andererseits nichts Gutes ahnen lässt für die schuldengetränkten Wertpapiermärkte, deren Überleben allein noch am Niedrigzins/ billigen Finanzierungskosten hängt.

Kurz: Wenn uns die US-Notenbank mit ihrer Niedrigzinspolitik die aktuelle Everything-Bubble beschert hat, dann wird eine strenge, zinstreibende Zentralbank diese Bubble auch wieder verschwinden lassen.

Solchen Selbstverständlichkeiten zum Trotz ließen sich einige Experten dazu hinreißen, in letzter Minute selbst ein paar aufgeplusterte, taffe Ansagen beizusteuern – im Angsthasenspiel zwischen einer Zentralbank und einen zentralisierten Markt.

Danke für nichts Goldman Sachs

Härte und Mut markierend zeigte sich nun der Präsident der Goldman Sachs Group, Inc., John Waldron, offen kritisch gegenüber der Unabhängigkeit der Fed sowie steigender Inflationsquoten.

Er erklärte dahingehend kürzlich, „man müsse wohl Paul Volcker zurückholen“, um die allgemeinen Entwicklungen durch Zinserhöhungen abzufangen und die dringend benötigte Disziplin in unsere überhitzten Märkte zu bringen.

Das ist ja mal ‘ne Ansage.

Waldron – Sprachrohr einer Bank, die offenkundig mit staatlichen Rettungspakten aber auch rekordbrechender Marktblasenbildung in Verbindung steht – meinte zudem noch, dass die Federal Reserve besser mit gerechter und stetiger Hand geführt werden sollte, „die nicht darauf schaut, was an den Märkten passiert.“

Womöglich hat Waldron ganz vergessen, dass auch Goldman Sachs in der Zeit um 2006 keine wirklich „gerechte und stetige Führungshand“ im ABS/CDS-Desaster bewiesen hatte.

Nun ja, solche Ironien des Schicksals gibt es hier wirklich zuhauf…

Eine so deutliche Ansage ist schon ein ziemlich dickes Ding! Gerade wenn sie von einem Banker kommt, der weiß (und stets wusste), dass das geheime aber doch hauptsächliche Fed-Mandat immer schon die Stützung eines ansonsten zum Scheitern manipulieren Marktes gewesen ist – einschließlich aller Too-Big-To-Fail-Banken, wie der seinen. Man frage nur den ehemaligen US-Finanzminister – zuvor Goldman-CIO – Hank Paulson oder aber den ehemaligen FED-Chef und späteren Marktmacher (-magier) Ben Bernanke.

Waldron weiß aber auch, dass die parabolischen Zuwächse an den Aktienmärkten nach März 2020 direkt korreliert sind mit einer Verdoppelung der Fed-Bilanzsumme auf über 9 Billionen $ innerhalb von nur 2 Jahren; ein Schachzug, den andere Zentralbanken kopierten…

Erstaunlicherweise kritisiert Waldron die Federal Reserve trotzdem öffentlich dafür, dass es ihr seit 40 Jahren an Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit fehle. Keine schockierend neue Einsicht für alle, die die offene Beziehung zwischen der Fed und der völlig von der Fed abhängigen US-Regierung im Blick haben.

Urplötzlich meint Waldron, als sei er gerade aus einem 40-jährigen Dornröschenschlaf erwacht, dass es die Fed jetzt mit dem Gelddrucken zu weit getrieben habe (siehe oben) … ?

Zu Wenig, Zu Spät

Wenn Waldon jetzt Mut markiert, wie ein Soldat, der sich erst nach Kriegsende freiwillig einziehen lässt, dann ist das zu wenig, und es kommt auch zu spät.

Sie haben ja Recht Mr. Waldron, die Bilanz der US-Notenbank ist ein beschämendes Armutszeugnis, allerdings nicht erst seit gestern… .

Jede signifikante Reduzierung der US-Staatanleiheankäufe würde auch einen signifikanten Rückgang der Anleihepreise bewirken und somit zu einem signifikanten Anstieg der Anleiheerträge als auch Zinssätze führen.

Wir wissen zumindest (außer vielleicht Mr. Waldron, wie es scheint): Für einen Weltmarkt, der sich aus dem größten Schuldenberg der Geschichte speist, wirken Zinserhöhungen vom Typ „Volcker“ wie im Wasser auftauchende Haiflossen. Bequemerweise blieb dieser Schuldenberg, mit all seinen fatalen Konsequenzen, im öffentlichen Aufschrei Waldrons unerwähnt.

Sobald es zu teuer wird, diese (Staats-, Unternehmens- und Privat-) Schulden zu bedienen, implodiert das gesamte System. Punkt. Und Ende.

Und implodieren wird es.

Also, Mr. Waldron: Warum vergaßen Sie, diesen „fun fact“ in Ihrem jüngsten „Aufreger“ auf Bloomberg zu erwähnen?

Danke für Nichts, Mr. Waldron

Man braucht es eigentlich nicht erwähnen: Je größer die Blase, desto größer, danach beim Platzen, der „Krach“. Und in diesem Kontext ist Goldman, zusammen mit der Fed, ein zwangloser Partner beim Entstehen der größte Risikoanlagenblase gewesen, die es in der Geschichte der modernen Kapitalmärkte je gegeben hat (siehe unten). Kurz: Danke für nichts, Mr. Waldron.

Wenn Waldron jetzt die Alarmglocken läutet, dann riecht das stark nach einem unkaschierten (und auch scheinheiligen) Versuch, sich und seine Bank für einen späteren „Ich-hab’s-doch-gesagt“-Moment zu positionieren (wobei schon jetzt die Tugendhaftigkeit des frühen Mahners markiert wird?). Fast schon so dreist wie Larry Summers, der damals vor Schulden warnte, obwohl er eben noch die Derivatemärke dereguliert hatte, welche dann 2008 die Märkte zur Hölle fahren ließen.

Oder, wie schon an anderer Stelle geschrieben: Experten ist eben nicht immer zu trauen.

Dem mutigen Taper-Talk und kühnen Fed-Attacken zum Trotz erwähnt Waldron an keiner Stelle (wirklich an keiner!) die regelrecht astronomischen Verschuldungsstände in den USA und weltweit.

Leute wie Waldron (aber selbst Genies wie Jeremy Grantham) übersehen immer wieder diesen (nationalen, fiskalischen als auch globalen) Elefant im Zimmer; denn sobald der Schuldenmarkt unter seinem Eigengewicht (und unter den steigenden Zinssätzen im Tapering-Szenario) zusammenbricht, werden Wertpapiermärkte, Währungen und folglich Ökonomien überall auf der Welt in eine Abwärtsspirale gezogen.

Und welche Tugenden werden Banken wie Goldman dann vorschützen?

In der Zwischenzeit, und im ständigen Kampf gegen das anstehende Ausbluten, wird man womöglich massenhaft neues Fiat-Computergeld herbeiklicken, um das eigentlich unrettbare und Fed-erzeugte Schuldenmonster weiter zu schützen.

Natürlich wirken solche „Dauernotfallmaßnahmen“ tödlich für die Kaufkraft von Währungen, wahrscheinlich werden sie auch der Auslöser des gar-nicht-so-geheimen „Bretton Woods 2.0-Resets“ sein, den der IWF schon 2020! deutlich durchscheinen ließ.

Mehr markierte Strenge: Bridgewater mischt mit

Unterdessen werden auch bei Bridgewater harte Schwinger in Richtung Fed ausgeteilt. Hier übernimmt Greg Jensen, der – nachdem er jahrelang die beschämend grotesken, unnatürlichen und beispiellosen Auswüchse im S&P, DOW und NASDAQ beobachte (und auch nutzte) – ganz plötzlich eingesteht, dass die Zeit jetzt reif sei für strenge Fed-Politik und auch für Härte mit den Märkten.

Auch das ist ein ganz schön dickes Ding… und es kommt ebenfalls zu spät, Mr. Jensen.

Schauen Sie sich nur das Ausmaß dieser Aktienmarktblase an, an der sich Banken wie Goldman und Fonds wie Bridgewater seit mehr als 10 Jahren im Umfeld exzessiver Fed-Geldpolitik ungeniert labten:

Leute, wenn der Chart kein Beweis für die Existenz einer fatalen und Fed-erzeugten Megablase ist, dann weiß ich auch nicht…

Historische Persönlichkeiten von David Hume bis Ludwig von Mises (ganz zu schweigen von Thomas Jefferson oder Andrew Jackson) hatten davor gewarnt, und die Geschichte – vom Alten Rom über das Frankreich der 1790er bis hin zu Bear Stearns 2008 – hat es bestätigt: Je größer die schuldeninduzierte Party, desto tödlicher der Kater.

Jensen zumindest prognostiziert einen Kater am Aktienmarkt von mindestens -20 % für den Fall, dass die Fed jetzt Rückgrat bekäme und geldpolitisch streng werde/ bliebe (was er der US-Notenbank mit seinem „tugendhaften Ratschlag“ ja nahelegt).

Also wirklich Mr. Jensen: 20 % ist derart optimistisch, dass es fast schon albern wirkt.

Eine kurze Lektion in Mittelwertrückkehr

Ich möchte Mr. Jensen von Bridgewater an eine kleine, simple Marktkraft erinnern, die er mit seinen Kollegen in Connecticut sicherlich schon mal am Wasserspender diskutiert haben dürfte: die Mittelwertrückkehr.

Die Rückkehr zum Mittelwert ist in der Tat eines der beständigsten und natürlichsten Gesetze – selbst in unnatürlichen/ künstlichen Märkten wie den unseren.

Das heißt: Überkaufte als auch überverkaufte Wertpapiere werden am Ende unausweichlich wieder zu ihren preislichen Mittelwerten ‘zurückkehren’.

Also sehr ähnlich einem Gummiband, das (nach oben oder unten) gedehnt wird und am Ende kräftig zurückschnippst.

Falls jemand wissen möchte, wie stark und weit dieses Zurückschnippsen unter den heutigen Marktbedingungen potentiell ausfallen kann, der sollte sich das folgende Blasen-Diagramm mit Mittelwertrückkehrfolgenabschätzung anschauen…

Noch einmal: Eine „Rückkehr“ – oder eben Verluste – von 20 %, ausgehend von diesen Fed-induzierten, herzrasenden Marktkursen, ist, gelinde gesagt, einfach nur optimistisch.

Die dargestellten Widerstandslinien deuten an, dass die schmerzlichen Probleme (Mittelwertrückkehr), die auf die aufgeblähten Märkte zukommen, deutlich härter sein werden als bloß 20 %, wie von Jensen vorgeschlagen. Stattdessen werden sie viel eher Verlusten von mindestens -53 % bis -68 % gefährlich nahekommen.

Bücherflüsterer?

Banken und Hedgefonds reden natürlich gerne in der Öffentlichkeit über die eigenen Bücher. Und man könnte sich fast die Frage stellen, ob Goldman und/ oder Bridgewater, die die Spielzüge der ethisch defizitären Ära eines Elon Musk nur allzu gut kennen, vielleicht die eigene Short-Positionierung durchblicken lassen (oder in Musks Fall, den berühmt berüchtigten 2018er „Finanzierung gesichert“-ShortSqueeze).

Schwer zu sagen.

Spaßig wird’s nicht

Eine Sache lässt sich aber locker sagen: Wenn den strengen Ansagen der Fed tatsächlich auch geldpolitische Straffungen folgen, dann wird das kein Spaß für Aktien und Anleihen, bei denen ein wirkungsvoller, zum Mittelwert zurückführender „Stich“ längst überfällig ist.

Wir alle erinnern uns aber auch noch an 2018, als die Fed versuchte, vor Weihnachten geldpolitisch zu straffen und die Zinssätze anzuheben.

Zinssatzerhöhungen um 25 Basispunkte reichten und der Markt bekam sofort einen „Kotzanfall“. Dann lenkte die Fed, Anfang 2019, auch sofort wieder ein.

Kurz: Die Falken wurden richtig schnell zu Tauben.

Jensen zumindest meint, die Fed werde diesmal nicht zuerst „blinzeln“, sondern diszipliniert und hart bleiben wegen der derzeitigen Inflationsgefahr – der große Unterschied zu 2018, so Jensen.

Mit anderen Worten: Notfall-QE-Lockerungen (=laxe Fed-Politik) werden, anders als in den Vorjahren, nicht folgen.

Ich bin mir da nicht so sicher.

Schulden + Steigende Zinsen sind wichtig!

Anders als Jensen frage ich mich jedoch, wer denn nun die unbeliebten staatlichen Schuldverschreibungen der USA (alias US-Staatsanleihen) noch kaufen will, wenn die „tapernde“ Fed nicht mehr als der „expansive“ Käufer der letzten Instanz auftritt?

Man erinnere sich: Anleiheerträge (und im weiteren Sinne auch die Zinssätze) bewegen sich gegenläufig zu den Anleihekursen. Wenn sich die Fed-Nachfrage nach Anleihen „ausdünnt“, fallen die Anleihekurse und die Zinssätze (jene tödlichen „Haiflossen“) steigen.

Die Ökonomen der Bank of America prognostizieren dahingehend sieben strenge Zinssatzerhöhungen für 2022 und eine Fed Funds Rate im Bereich von 2,75 % – 3 %.

Das sind ganz schöne Ansagen. Was die Bank of America (als auch Waldron und Jensen) dabei nicht diskutieren: Derartige Zinssatzerhöhungen lassen auch die Kreditfinanzierungskosten der USA und ihres mit 30 Bill. $ übervollen Kneipendeckels auf 4 % bis 5 % ansteigen. Allein die Zinsleistungen für bestehende Schulden würden sich auf Grundlage dieser prognostizierten Zinssätze auf ca. 1,5 Bill. $ belaufen.

Denken Sie über diese Zahl nach, und lesen Sie den letzten Satz noch einmal.

Um die bestehenden Schulden zu finanzieren, müssten 40 % der US-Steuereinnahmen allein für Zinszahlungen vorgemerkt werden. Und das ist ein historisches, grell blinkendes Signal dafür, dass eine Nation und ein Finanzsystem ganz knapp vor einer unverblümten, selbstverschuldeten Schuldenkrise steht.

Falken, Angsthasen und Elefanten

Kurz: Einige Wunderkinder unserer Banken und Hedge Fonds, die so stolz Klartext sprechen, übersehen anscheinend den Schuldenelefant mitten im Zimmer, während eine zurzeit strenge US-Notenbank mit den rekordhohen und markttopreifen Märkten das Angsthasenspiel spielt.

Ob Sie es glauben oder nicht, Uncle Sams gesamte Schuldverpflichtungen (also Rentenschulden, Staatsschulden, Medicare, Sozialversicherung…) liegen bei 1000 % des eigenen BIP. Das heißt nur: Die USA werden ihre „elefantöse“ Verschuldung nie und nimmer zurückzahlen.

Niemals.

Unterdessen werden die angepassten Zinskosten für diese Gesamtverschuldung weit über den US-Steuereinnahmen liegen, die aber angesichts einer drohenden Rezession nur weiter sinken werden aber nicht steigen …

In aller Kürze zusammenfasst: Wieder einmal zeigen Experten gar nicht so viel Expertise.

Ein (realistischer) Blick nach vorn

Obgleich niemand derart feststehende, hartnäckige und deprimierende Fakten mag, so ist es an der Zeit, dass wir alle offen und realistisch über Schulden reden, und nicht ausschließlich über eine ohnehin schon schuldige, diskreditierte und korrumpierte Fed (dank Patient Null Greenspan und allen weiteren Fed-Chefs, die ihm im Amt folgten).

Auch wenn es vielleicht erfrischend wirkt, zu beobachten wie jemand bei Goldman oder Bridgewater sich öffentlich mit eben jener Fed anlegt, so ist das, wie oben erwähnt, zu wenig und zu spät.

Ihre heutigen Warnungen sind genau die, die wir seit Jahren schon vorgetragen haben, während GS und Bridgewater fetter und fetter wurden.

Der Schuldenschaden, entfesselt durch ein gutes Jahrzehnt QE-Sucht und eine Fed im Rausch, ist inzwischen schon entstanden.

Leider Gottes ist auch eine Abrechnung nicht mehr nur Theorie, sondern mathematisch (und geschichtlich) zwingende Konsequenz des eigenen Handelns.

Vorausschauend, und unter der Annahme, dass die Fed geldpolitisch so straffen wird, wie es unsere Klartext redenden Experten fordern, sollten Sie Ihre Portfolios bitte auf massive Volatilität im Jahr 2022 einstellen.

Geldpolitische Straffungen würden zeitnah für Gegenwind in allen Bereichen, außer USD und VIX, sorgen.

Längerfristig, und anders als Bridgewaters Jensen meint, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Fed erneut eine Kehrtwende von Falke zu Taube hinlegen wird, wenn das kommende „Tapering“ auf den Börsentickern nie dagewesene Ausraster erzeugt.

Ein solche Kehrtwende zurück zur laxen Geldpolitik wäre dann Rückenwind für Edelmetalle, BTC, Industriewerte und allgemein Rohstoffe.

Und der Große Reset?

Vor diesem zugegebenermaßen düsteren, selbstverschuldeten Hintergrund einer optionsarmen Fed und einer prallen „Everything-Bubble“ zeichnet sich natürlich ein ebenso unvermeidbarer „Uh-Oh“-Moment ab, an dem die Märkte und Währungen derart geschichtsträchtige Prügel bezogen haben werden, dass globale Experten feierlich die Notwendigkeit eines (eigentlich ja gut telegrafierten, d.h. schon vorgefertigten) globalen Resets und Bretton Woods’ II verkünden werden.

Für die Zukunft bedeutet das: mehr staatliche Kontrolle, Vorwände und Verzerrungen, welche selbst mich überraschen werden.

Kommt ein (Sünden)Bock zu den Füchsen, Stinktieren, Hasen, Hennen, Falken, Tauben, Haien und Elefanten

Wenn dieser Reset kommt (und nicht „falls“), so werden eben jene Füchse, die erst den globalen Hühnerstall bewachten, dann überfielen (und ganz allein zerstörten), allesamt ihre Köpf senken und unschuldbewusst nicht etwa die eigene verdienstvolle Gruppe für alles verantwortlich machen, sondern die COVID-Krise, die ihnen als Prellbock für die eigenen Sünden absolut gelegen kam (vielleicht zu gelegen?).

Bis dahin heißt es: Anschnallen bitte für eine Schreckensfahrt (Tapering)!

Da kommen Emotionen auf: Bipolarer Dollar vs. Vernünftiges Edelmetall

In jüngst erschienenen Interviews und Berichten über das vor uns liegende Jahr hob ich insbesondere die Bewegungen des bipolaren US-Dollars als eines der ausschlaggebendsten Marktsignale hervor, die man auf dem Schirm haben sollte.

So wurden beispielsweise Argumente für ein relatives Erstarken des USD hervorgebracht – und zwar (teilweise) auf Grundlage der nimmersatten Euro-Dollar- und US-Repomärkte.

Dahingehend zeigt sich, dass die Zahl der Hedgefonds-Wetten auf steigende USD-Kurse seit Juni 2019 nicht mehr so hoch gewesen ist wie jetzt.

Wie man aber unten sieht, kann man die Stabilität des durch die Fed verzerrten US-Dollars viel eher mit einem dreibeinigen Stuhl an Deck der Titanic vergleichen.

Kurz: Bevor er sinkt, kann und wird der USD in viele emotionale Richtungen schwabbeln.

In der Tat legen die jüngsten Fakten zum bipolaren Greenback nah, dass seine bislang wachsende Stärke möglicherweise am Ende ist, trotz 1.) einer zunehmend strengen Fed, 2.) steigenden Zinssätzen und 3.) einem ansonsten Dollar-positiven Konsens.

Also: Wohin geht es für den USD? Nach oben oder unten?

Die Antwort lautet „ja“.

Schauen wir uns das genauer an.

So klingt es, wenn Tauben weinen

Fangen wir, wie so oft, mit einer Übersetzung des immer wieder unterhaltsamen Fed-Sprechs an – und ein bisschen Musikgeschichte.

Prince, die in Minneapolis geborene Musikikone der 1980er, sang in einem berühmten Song darüber, wie es klingt, wenn Tauben weinen.

Wer aber hören möchte, wie das im Jahr 2022 klingt, der braucht nicht mehr in der Musiksammlung stöbern. Es reicht, im eben erwähnten Minneapolis vorbeizuschauen und nach dem dortigen Präsident der Federal Reserve Bank zu fragen – nach Neel Kashkari.

Seit Jahren zählt Kashkari zu den Moderatesten in der Fraktion der Fed-„Tauben“. Für ihn hätten die Zinssätze bis weit ins Jahr 2024 bei oder nahe null Prozent liegen sollen; eine Haltung, die den „überdruckten“, kostenfreien USD eher nicht beflügelt.

Kehrtwende

Als die „vorübergehende Inflation“ – das 2021er Meme der Fed/ Kashkari (sprich: Lüge, um Zeit zu schinden) – letztlich der 2022er Wirklichkeit weichen musste, wo nun von „beständiger Inflation“ gesprochen wurde, sah sich auch Kashkari gezwungen, das zu tun, was die überwiegende Mehrheit der doppelsprechenden, mathebehinderten, geschichtsblinden und wahrheitsallergischen Fed-Vertreter am besten kann: Kehrtwende machen.

Jüngst gurrte Kashkari von Zinserhöhungen (mindestens 2 für 2022) und der Reduzierung der Fed-Bilanzsumme (d.h. US-Staatsanleihen abstoßen).

Selbst Joe Biden bittet die Fed jetzt um strengeres Verhalten im „Kampf“ gegen jene Inflation, die die Fed ja eigentlich braucht, um Uncle Sams Schuldenstandsquote zu senken.

Selbstverständlich sorgen solche Maßnahmen insgesamt für steigende Zinssätze (30 Basispunkte in 4 Tagen für 10-jährige US-Staatsanleihen Anfang Januar), was in der Theorie (siehe unten) einerseits für steigende USD-Kurse und andererseits für Verluste bei Gold und BTC sorgen müsste.

Wie der Schein trügt

Die Marktsignale erinnern uns stets daran: Nichts ist, wie es scheint.

Kurzsichtige Investoren und reflexartig handelnde Märkte vergessen z.B. Folgendes: Die nominalen Zinssätze mögen zwar steigen, aber eben nicht so schnell wie die währungsentwertende Inflation und der negative Realzins. Und das bedeutet (auf längere Sicht), dass Gold – ungeachtet der relativen Stärke des USD – inhärent stärker wird, und nicht schwächer.

Natürlich werden die Hedgefonds mit ihren Dollarwetten aber auch die Gold-Trader, anders als die Gold-Investoren, immer kurzfristig auf Grundlage von Schlagzeilen verkaufen (oder kaufen), und nicht auf Grundlage langfristiger Fundamentaldaten. Das ist überhaupt nichts Neues.

Letzten Endes war die relative Stärke des USD zu Jahresende ein ablenkender Nebelschleier verglichen mit dem leuchtturmhaft strahlenden Verfall seiner inhärenten Kaufkraft – der eigentliche und reale Indikator in der Schall-und-Rauch-Welt der Zentralbanken.

Auch hier wieder: Dieser Chart des USD im Verhältnis zu einem Milligramm Gold kann gar nicht oft genug gezeigt werden…

Wer jetzt denkt, der USD könne nur steigen, weil doch auch seine relative Stärke zunimmt, der möge vielleicht noch mal nachdenken.

Uh-Oh: Der Bipolare Dollar steigt ja gar nicht mit den Zinssätzen (!)

Ein weiteres Signal, das von Experten und Daytradern mehrheitlich ignoriert wird, ist das jüngste Auseinandertriften von USD und Zinsmärkten.

Das mag vielleicht langweilig klingen, doch bleiben Sie dran! Es ist wirklich ziemlich einfach, aber auch sehr wichtig.

Man kann Folgendes feststellen: Wenn die Anleiheerträge (und folglich die Zinsen) vor dem Hintergrund geldpolitischer Straffungen (oder auch nur in Reaktion auf Tapering-Gerede) steigen, so steigt traditionell auch der USD.

Wie wir aber im Chart unten sehen, entkoppelt sich der US-Dollar (fallende Linie) von der Entwicklung der US-Staatsanleiheerträge (steigende Linie).

Wie kommt das?

Warum sinkt der USD (der sein Hoch im November markierte) trotz einer strengeren Fed und steigender Anleiheerträge?

Druckenmiller hat es uns gesagt

Wer ein offenes Ohr hatte, konnte schon vor einigen Monate hören, wie der legendäre Forex-Trader, Stan Druckenmiller, im Mai vor genau dieser Möglichkeit warnte.

Insbesondere hatte Druckenmiller die US-Zahlungsbilanzprobleme nicht vergessen (d.h. ein 700 Mrd. $ schweres Leistungsbilanzdefizit), das sich nun deutlich verschärfte, weil man im Ausland keine US-Staatsanleihen mehr kaufte, sondern verstärkt COVID-stimulierte Technologie- und Wachstumswerte wie Google, Zoom, Microsoft etc.

Leute, diese Veränderungen der Dollar-Flüsse sind wichtig!

Während diese Wachstums-/Technologiewelle abflaut (wovor Druckenmiller im Fall einer Tapering-Situation warnte), beginnen die Anleger, große Geldmengen auf sichere Rohstoffe und andere eher unbeliebte zyklische Werte umzuverteilen, was die Märkte und den Dollar eher nach unten als nach oben schickt.

Kapitalflüsse sind wichtig

Diese fortschreitende Sektorrotation erleben wir gerade in Echtzeit – weg von den Wachstums-/Technologiewerten (den wahren Kern des S&P) und hin zu den Rohstoffen.

Jedoch bleiben die meisten Investoren, Hedgefonds eingeschlossen, USD-optimistisch, weil sie auf dessen relative Stärke schauen und auf die relativen Zinssätze.

Dabei ignorieren sie, inwieweit sich auch die Kapitalflüsse verändern. Und diese Kapitalflüsse sind eher schlechte als gute Nachrichten für den US-Dollar. Allein schon deshalb, weil der relative Anstieg der Zinssätze wohl nicht ausreicht, um die Wirkung schwächer werdender Dollar-Kapitalflüsse auszugleichen.

Markttechnik ist wichtig

Ziehen wir darüber hinaus die Markttechnik heran, so verdichtet sich das Komplott gegen den US-Dollar.

So erinnerte z.B. Lyn Alden ihre Twitter-Followers kürzlich an Folgendes: Wann immer der Dollar-Index in den letzten Jahrzehnten auf Wochenbasis einen stark überkauften RSI (Relative Strength Index) von 70 aufwies, aber anschließend einem negativen Trend folgte, so hatte das durchweg negative Folgen für den USD.

Schon interessant, dass ihre und Druckenmillers Warnungen durch die Tatsache mehr als bestätigt wurden, dass genau dann, als Technologie- und Wachstumsaktien Ende November anfingen im S&P-Gesamtvergleich schlechter zu performen, …

… auch der USD aufhörte, gemeinsam mit den US-Realzinsen zu steigen.

Aus unserer Sicht ist das kein Zufall, sondern Korrelation.

Der Mix aus sinkenden Dollarflüssen in Technologie- und Wachstumsaktien sowie einer strengen/ zinserhöhenden Federal Reserve kann einen schwachen USD erzeugen. Und für all jene Sektoren, zu denen diese Dollars jetzt unterwegs sind, nämlich Gold, als auch Industriewerte, Energie, Banken und Bitcoin, ist all das ein gutes Zeichen.

Kurz: Selbst steigende Zinsen und ein deutlich telegrafierter Fed-Schwenk von „Taube zu Falke“ werden 1.) die Verschuldungswirklichkeit und 2.) die faktischen Geldflüsse nicht verschwinden lassen. Und diese beiden Faktoren werden den ohnehin schon diskreditierten (entwerteten) US-Dollar kontinuierlich weiter diskreditieren – und mit ihm auch jene Mittelmaß-Truppe, die mit dessen „Verwaltung“ (Manipulation) betraut ist (auch bekannt als Federal Reserve).

Märkte im Jahr 2022 – Da kommen Emotionen auf

Seit Monaten warne ich, dass Zinssteigerungen nicht wirklich spaßig sind. Weder für die ansonsten ignorierte Realwirtschaft noch für die bankrotte Mittelklasse und auch nicht für die schuldengesättigten Risikoanlagemärkte; und die werden dann … naja … emotional reagieren.

Gold steigt natürlich, sobald Emotionen (Ängste) aufkommen.

Gesetzt den Fall, die Fed lässt dem strengen Gerede strenge Politik folgen, so wären in nächster Zeit kurzzeitige Verwerfungen in so gut wie allen Bereichen zu erwarten, mit Ausnahme des bipolaren Dollars und der Finanzwerte.

Man denke aber weiter. Hier sind viele Kräfte im Spiel.

Ein weiterer Fed-Schwenk, zurück auf gemäßigt?

Steigende Zinsen werden auch Aktien, Edelmetalle, Rohstoffe und BTC treffen, allerdings sind für 2022 Kehrtwenden (ein Umschwenken) von moderat zu streng und dann wieder zurück zu moderat sehr gut möglich. Wir können nur abwarten und beobachten, was passiert.

Folge dem Geld – und den Sektoren

In der Zwischenzeit ist die oben erläuterte Sektorrotation mit ihrer Abkehr von Wachstums- und Technologieaktien auf längere Sicht ein gutes Zeichen für Gold und andere unterbewertete Assets, und dorthin blickt das geduldige Geld immer.

Sollte sich hingegen keine Fed-Umkehr zum Moderaten abzeichnen, werden Aktien und Anleihen weiter fallen. Dann wird es wirklich sehr emotional, und das ist letztlich gut für Gold – auch wenn steigende Zinsen es nicht wären.

Übrigens werden die steigenden Zinsen real (also inflationsbereinigt) negativ bleiben, und der hartnäckige, geduldige und unvermeidliche Goldaufwärtstrend wird anhalten.

Bislang, und davor hatten wir das gesamte Jahr 2021 über gewarnt, hat die Fed beim Thema vorübergehende Inflation einfach nur gelogen, während sie vorsätzlich aggressive Inflationierung vorantrieb, um sich ihren Weg aus einem gefährlich hohen Schulden:BIP-Verhältnis mittels Inflation zu bahnen.

Wie erwartet half diese doppelgesichtige Politik vorsätzlicher Inflationierung (in Abgrenzung zu „vorübergehender“ Inflation) dabei, die Schuldenstandsquote der USA zu senken – und zwar auf Kosten der Normalbürger und der Realwirtschaft.

Nicht wirklich schockierend, oder?

Auch wenn die Fed momentan vielleicht stolz auf ihren kleinen Sieg im Chart oben ist (Rückgang der Schuldenstandsquote), so sollte sie den Champagner vielleicht besser zurück in den Kühlschrank legen.

Zu Wenig, Zu Spät

Gemeint ist: Man hat die Inflation nicht stark und lange genug aufflammen lassen, um eine relevante schuldensenkende Kerbe in Uncle Sams ansonsten enormen und beschämenden Kneipendeckel zu schlagen.

Zur Erinnerung: 2021 fielen in den USA beeindruckende Steuereinnahmen an (ein Plus von 30 % im Vorjahresvergleich), allerdings reichten die bis 2022 eingenommenen Mittel nicht aus, um die parallel dazu abfließenden Ausgaben zu decken. Folglich ergab sich ein Defizit von mehr als 350 Mrd. $, während Leistungen und Ansprüche auf Medicare, Social Security und Veteranen-Bezüge schneller wachsen als die Steuereinnahmen.

Sollte die Fed im Jahr 2022 nun geldpolitische Strenge walten lassen und ihre QE-basierten Stützungsprogramme für US-Staatsanleihen wie geplant zurückfahren, so wird aus diesem Defizit mehr als ein rein mathematisches Problem.

Wenn in Washington DC weniger USD per Maus herbeigeklickt werden, so werden andere sich diese benötigen Dollars leihen müssen, was wiederum den Dollar steigen lassen kann.

Verstehen Sie, was ich mit „bipolarem Dollar“ meine?

Nationale wie internationale Gläubiger mit USD-Schulden werden dann andere Assets verkaufen (d.h. Wachstums-Technologieaktien), um zusätzliche Dollars zur Deckung des Schuldenbedarfs aufzutreiben.

Große Teile dieses Selloffs – angetrieben von der Suche nach liquiden USD –, werden auch an den US-Staatsanleihemärkten stattfinden. Das lässt die Anleihekurse sinken, Anleiherenditen und Zinssätze werden folglich steigen, und das versetzt der ohnehin schon angeschlagenen Realwirtschaft weitere Schläge.

Einfacher formuliert: Die Fed beschert uns mehr Inflation, steigende Zinssätze, fallende Anleihepreise, einen nervösen Aktienmarkt und eine stagnierende Ökonomie.

Wie gesagt, im Jahr 2022 wird es wahrscheinlich emotional zugehen, weil selbst die Vertreter einer strengen geldpolitischen Linie zu wenig zu bieten haben, und das auch zu spät.

Denn: Ein „Tapering“ von 10 Martinis pro Tag auf 9 Martinis pro Tag wird am Ende trotzdem die Leber zerstören. Dasselbe gilt für das Spannungsfeld bipolarer USD und geldpolitische Strenge nach Jahren exzessiv laxer Zentralbankenpolitik.

Jupp: Angesichts monetärer und fiskaler Expansion im Umfang von Billionen und Aberbillionen fallen die „Kürzungen“ der Fed zu gering aus und kommen zu spät.

Und das heißt wieder: Jetzt wird’s emotional.

www.goldswitzerland.com

MAM-Berater Ronald Stöferle erklärt, warum 2022 ein Goldenes Jahr wird

Von Ronni Stoeferle

Einleitung von Matthew Piepenburg

Ronald Stöferle, Berater bei Matterhorn Asset Management und Partner der Incrementum AG, erläutert im Folgenden seine Einschätzungen und Prognosen für Gold im Jahr 2022. Dabei geht Stöferle insbesondere auf legitime Bedenken hinsichtlich der Goldkursentwicklung im vergangenen Jahr ein, die trotz sinkender Realverzinsung und steigender Inflation – eigentlich ein günstiges Umfeld für Gold – eher verhalten/ enttäuschend ausfiel. Letztlich wertet er die jüngste Seitwärtsentwicklung der Goldkurse eher als Zeichen der Stärke und liefert mit Blick auf 2022 Argumente für ein „goldenes Jahr für Gold“.

Stöferles Überzeugungen für das Jahr 2022 stützen sich auf fünf Kernargumente: 1.) weiterhin hohe und beständige Inflation

2.) anhaltender geldpolitischer Exzess

3.) negative Realverzinsung als bleibender Trend

4.) Inflation als Aktienmarktstörfaktor und

5.) der günstige relative Wert von Gold im Anlageklassenvergleich.

Als einer der global führenden Edelmetallexperten und Autor des weltberühmten Gold-Jahresberichts In Gold We Trust bestechen Stöferles Einsichten, Perspektiven und Datenpunkte durch unübertroffene Klarheit und Glaubwürdigkeit. Sie richten sich an alle, die die Entwicklungen an den Edelmetallmärkten verfolgen und/ oder interessiert sind an physischem Gold als historisch bestätigte Versicherung gegen zunehmende Markt-, Währungs- und Bankrisiken. Es ist uns eine Freude und Ehre, diese wichtigen Gedanken mit unserem MAM-Publikum zu teilen.

–Matthew Piepenburg

5 Gründe, warum 2022 ein goldenes Jahr für Gold sein wird

Von Ronald-Peter Stoeferle, Incrementum AG

2021 war ein enttäuschendes Jahr für Goldanleger, denn die Inflationsraten sind im Laufe des Jahres dramatisch angestiegen. In den USA legte die Inflationsrate (CPI) von 1,4 Prozent im Jänner 2021 auf 7,0 Prozent im Jahresvergleich im Dezember zu. Das ist der stärkste 12-Monats-Anstieg seit Juni 1982. Dennoch hatte Gold in vielen Währungen im Laufe des Jahres zu kämpfen. Und in den Währungen, in denen Gold zulegen konnte, war dieser im Vergleich zum starken Anstieg der Inflation gering.

Die sinkenden und rekordtiefen Realzinsen hätten sich ebenfalls günstig auf den Goldpreis auswirken sollen. Im November 2021 fiel der reale Leitzins sogar unter den Tiefststand von 1975 (-5 %). Doch der Goldpreis folgte diesem historischen Rückgang der Realzinsen entgegen der soliden negativen Korrelation zwischen Goldpreis und Renditen nicht, sondern bewegte sich lediglich seitwärts.

Diese Seitwärtsbewegung ist jedoch kein Zeichen für den Niedergang des Goldes, sondern für seine fundamentale Stärke. Wenn man den nervösen Goldanlegern und -investoren zuhört, könnte man meinen, der Goldpreis sei um 50 Prozent oder noch mehr eingebrochen. Wenn man jedoch die Perspektive erweitert, erscheint die Entwicklung des Goldpreises in den letzten Monaten, der zwischen 1.700 und 1.900 USD schwankte, wie eine vorübergehende Verschnaufpause und nicht wie der Beginn eines Bärenmarktes.

Und es gibt noch viele weitere Gründe, warum 2022 ein goldenes Jahr für Gold werden wird.

1. Die Inflation wird auf einem hohen Niveau bleiben

Am Ende war es eine vorhersehbare Kapitulation, als Jerome Powell einräumte, dass die Inflation nicht bloß vorübergehend erhöht ist. Und Christine Lagarde wird ihre hartnäckige Position aufgeben müssen, dass die Inflation nur vorübergehender Natur oder buckelförmig ist, wie sie es Anfang Dezember 2021 ausgedrückt hatte. Der Inflationsdruck wird auf kurze Sicht erheblich bleiben.

Auch mittel- und sogar langfristig wird der Inflationsdruck erhöht bleiben, da sich aktuell mehrere grundlegende Veränderungen – wirtschaftlich, politisch, psychologisch und demografisch – vollziehen. Das In Gold We Trust-Spezialmit dem Titel „Der Junge, der Wolf rief: Inflationäre Dekade voraus?“ bietet einen umfassenden Einblick in diese vielschichtigen strukturellen Veränderungen, Ronald-Peter Stöferles Keynote-Vortrag „The Monetary Tipping Point“ liefert ein Update zu diesen grundlegenden Veränderungen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Inflationsraten weiter steigen werden, sondern dass das Inflationsniveau hoch bleiben wird, d. h. (deutlich) über den Inflationszielen der Zentralbanken.

Der Rekordanstieg der Erzeugerpreise rund um den Globus bestätigt unsere Ansicht. In den USA steigen die Erzeugerpreise im Jahresvergleich mittlerweile um 9,6 Prozent, in China um 12,9 Prozent und in der Eurozone um sage und schreibe 21.9 Prozent. Entgegen der landläufigen Meinung beschränkt sich der markante Preisauftrieb auch nicht nur auf die Energiepreise. Mehr als 80 Prozent der CPI-Komponenten verzeichnen bereits eine Inflationsrate von 2,5 Prozent oder mehr.

2. Die Geldpolitik bleibt locker

Die Zentralbanken werden kaum in der Lage sein, die Geldpolitik deutlich zu straffen. Ein Grund dafür ist die hohe Verschuldung in allen drei Sektoren der Wirtschaft – Staat, Unternehmen und private Haushalte. Denn je höher die Verschuldung ist, desto stärker wirken sich Zinserhöhungen auf die Zahlungsfähigkeit der Schuldner aus. Nach Angaben des „Internationalen Währungsfonds“ (IWF) stieg 2020 die weltweite Verschuldung um 28 Prozentpunkte auf 256 Prozent des globalen BIP.

Obwohl die Staatsverschuldung mit einem Anstieg um 19 Prozentpunkte auf 99 Prozent des Bruttoinlandsprodukts den stärksten Zuwachs verzeichnete, legte auch die private Verschuldung, bestehend aus Unternehmen und privaten Haushalten, deutlich um 14 Prozentpunkte auf 178 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu. Daten für das Jahr 2021 liegen noch nicht vor.

Beispielsweise hat das „Congressional Budget Office“ (CBO) für die USA berechnet, dass selbst bei einem moderaten Anstieg der Anleiherenditen der Zinsendienst von derzeit 1,4 Prozent des BIP auf unfinanzierbare 8,6 Prozent im Jahr 2051 ansteigen wird. In einem weiteren Szenario, das das CBO in Betracht zieht, und das nicht als extrem zu bezeichnen ist, könnte der Zinsdienst sogar auf 15,8 Prozent explodieren.

Daher wird es den Zentralbanken bestenfalls gelingen, ihre Geldpolitik von ultra-locker auf locker zu straffen. Denn sobald die unvermeidlichen Folgen einer auch nur etwas strafferen Geldpolitik auf den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft spürbar werden, werden die Zentralbanken den Normalisierungsprozess aufgeben. Wir sind ziemlich sicher, dass dies die kürzeste und geringste Zinserhöhungskampagne in der Geschichte der Federal Reserve sein wird.

3. Die Realzinsen werden negativ bleiben

Wer zum aktuellen Zeitpunkt gegen Gold wettet, setzt darauf, dass die Zentralbanker tatsächlich in der Lage sein werden, eine straffere Geldpolitik durchzusetzen und den Kurs zu halten, wenn als Reaktion auf das Tapering und die Erhöhung der Leitzinsen die Märkte einbrechen, die Zinssätze steigen und sich die Wirtschaft abkühlt. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken diesen Test nicht bestehen werden. Infolgedessen werden die realen Renditen viel länger im negativen Bereich bleiben, als selbst Pessimisten glauben. Anders ausgedrückt: Die finanzielle Repression wird uns noch lange erhalten bleiben. Und wie der folgende Chart deutlich zeigt, sind negative Realrenditen die Basis für jeden Bullenmarkt bei Gold.

4. Ab 4 Prozent wird die Inflation für Aktien zum Gegenwind

Die Aktienmärkte auf der ganzen Welt sind stark aufgebläht, wobei ein übermäßiges Geldmengenwachstum und staatliche Unterstützungsprogramme die jüngsten Anreize sind. Nur ganz selten lag das CAPE-Multiple (Cyclically Adjusted Price-to-earnings Ratio) wie heute auf dem 40-fachen Niveau oder darüber. Zudem ist auch die Breite des Marktes rückläufig, was selten ein ermutigendes Zeichen ist. Wenn diese Blase zu platzen beginnt, d. h., wenn der sich immer weiter aufblähende Aktienmarkt seine künstlich erhöhte Anziehungskraft verliert, wird Gold davon profitieren.

Wie der folgende Chart zeigt, wird der Rückenwind der Inflation zum Gegenwind, wenn die Inflationsrate die Marke von 4 Prozent überschreitet.

Werfen wir einen Blick auf die Wertentwicklung des S&P 500 in den wichtigsten Zeiträumen mit einer Inflation von unter 4 Prozent, die im Chart weiß unterlegt sind. Die Wertentwicklung in diesen 6 Zeiträumen war wie folgt:

  • 01/1961-05/1968: +59,7 Prozent
  • 10/1971-02/1973: + 18,5 Prozent
  • 12/1982-12/193: +17,3 Prozent
  • 12/1984-07/1984: +90,5 Prozent
  • 08/1991-10/2007 (einschließlich 5 Monate mit Inflationsraten leicht über 4,0 Prozent): +291,8 Prozent
  • 10/2008-03/2021: +310,1 Prozent

In den vier Hochinflationsphasen mit Inflationsraten von 4 Prozent und mehr war die Performance des Aktienmarktes dagegen deutlich schlechter.

  • 06/1968-09/1971: Nominal lag der S&P 500 am Ende der Hochinflationsphase fast auf dem gleichen Niveau wie zu Beginn; real verlor er fast 17 Prozent.
  • 03/1973-11/1982: Obwohl der S&P 500 in diesen mehr als neun Jahren um 24,2 Prozent zulegte, lag er am Ende der fast zehnjährigen Periode hoher Inflation real fast 50 Prozent niedriger als zu Beginn.
  • 08/1987-07/1991 (unterbrochen durch 5 Monate mit einer Inflation von jeweils 3,9 Prozent): Der nominale Zuwachs des S&P 500 betrug 17,6 Prozent, real verlor er jedoch 2,5 Prozent.
  • 01/2007-09/2007: Nominal verlor der S&P 500 21,4 Prozent, real fiel der Verlust mit 24,2 Prozent noch deutlicher aus.

Die Eigenschaft des Goldportfolios als hervorragende Absicherung gegen Aktienmarktkorrekturen wird durch die Tatsache bestätigt, dass Gold in den 20 schwächsten S&P-500-Wochen seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt einen kleinen Gewinn von 0,2 Prozent erzielte. Andere Anlageklassen wie der HUI (-0,8 Prozent), Silber (-0,8 Prozent), Rohstoffe (-0,9 Prozent), Rohöl (-1,0 Prozent), der MSCI World (-2,9 Prozent) und der S&P 500 (-3,3 Prozent) lagen dagegen im negativen Bereich.

5. Gold ist relativ gesehen billig

Nach zwei Jahren mit weit überdurchschnittlichen Zuwächsen von 18,9 Prozent und 24,6 Prozent, einschließlich des neuen Allzeithochs im August 2020, war zu erwarten, dass Gold wieder einmal durchatmen würde. Dies umso mehr, als der enorme Anstieg des Goldpreises um 80 Prozent vom Tiefststand im August 2018 bis zum Höchststand im August 2020 den Anstieg des Verbraucherpreisindex im Jahr 2021 korrekt signalisierte.

Und im Jahr 2020 tat Gold genau das, was es in einem diversifizierten Portfolio tun sollte. Gold war eine hervorragende Absicherung gegen die vielschichtigen Turbulenzen, die die Weltwirtschaft aufgrund des Ausbruchs der Covid-19-Pandemie trafen, da Gold als Absicherung gegen Rezession, Börsenturbulenzen, steigende Inflation und schwarze Schwäne fungierte. Gold bestätigte, dass es der Virgil van Dijk unter den Vermögenswerten ist: immer zur Stelle, wenn es wirklich brenzlig wird.

Das Potenzial von Gold liegt jedoch nicht nur in der Absicherung gegen unvorhersehbare Ereignisse. Es gibt auch ein echtes Anlageargument für Gold, denn im Vergleich zu den Allzeithochs von 1980 und 2011 erscheint Gold relativ gesehen immer noch günstig:

Angesichts dieser Makro- und Marktdaten ist es daher schwer vorstellbar, dass wir uns derzeit am Ende eines Goldbullenmarktes befinden.

Fazit:

Zwei große Schritte vorwärts, ein kleiner Schritt zurück – das war der Rhythmus des Goldes in den letzten sechs Jahren auf US-Dollar. Wenn Gold diesen Rhythmus beibehält, werden 2022 und 2023 tatsächlich goldene Jahre für Gold sein. Und so viel ist sicher: Die Band spielt jedenfalls schon.

CV:

Ronald-Peter Stöferle ist Managing Partner und Fondsmanager der Incrementum AG. 2007 veröffentlichte er seinen ersten In Gold We Trust-Report, der sich im Laufe der Zeit zu einer der wichtigsten Publikationen über Gold, Geld und Inflation weltweit entwickelt hat. 2014 veröffentlichte er das Buch „Österreichische Schule für Anleger“ und 2019 „Die Nullzinsfalle“. Er ist „Member of the Board“ von „Tudor Gold“, einem kanadischen Explorationsunternehmen mit Projekten im legendären Golden Triangle (British Columbia), und zudem Mitglied des Advisory Boards des aufstrebenden Junior-Explorers „Affinity Metals“ (AFF). Weiters ist er seit 2020 Advisor für „Matterhorn Asset Management“.

Kontaktmöglichkeit:

E-mail-Adresse: rps@incrementum.li

Über den In Gold We Trust-Report:

Der In Gold We Trust-Report erschien im Mai 2021 zum bereits 15. Mal und ist eine der weltweit meistgelesenen Goldstudien. Im vergangenen Jahr wurde der In Gold We Trust-Report mehr als 2 Millionen Mal heruntergeladen. Er gilt mittlerweile als internationales Standardwerk für Gold-, Silber- und Minenaktien und wurde vom Wall Street Journal als „Goldstandard der Goldstudien“ bezeichnet. Er liefert eine ganzheitliche Analyse des Goldsektors und der wichtigsten Einflussfaktoren wie Realzinsentwicklung, Opportunitätskosten, Verschuldung, Zentralbankmaßnahmen etc. Neben der deutschen und englischen Version wird der In Gold We Trust-Report seit 2019 auch in chinesischer Sprache veröffentlicht.

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Amerikanischer Exzeptionalismus: Gar nicht so exzeptionell für 2022

Das EIGENTLICHE Mandat der Federal Reserve

Erwartungsgemäß ist die Rolle der Federal Reserve ein unverzichtbares Thema, das in diesem Kontext gerne zuerst diskutiert wird.

Offiziell hat die Fed zwei Hauptmandate: 1.) Inflation begrenzen 2.) Vollbeschäftigung sichern.

Doch wer die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieser Zentralbank auch nur in Ansätzen kennt (und seien das die rudimentärsten und erbärmlichsten), der kennt ihr eigentliches Mandat: Sie soll den Herren der Banken und Märkte, von welchen sie auf wenig unbefleckte Weise auf Jekyll Island gezeugt wurde, dienen (und sie kontrollieren?)…

Entscheidend in diesem unrettbar manipulierten Schauspiel ist das unnatürliche, verfälschende Einwirken der Federal Reserve auf im Grunde natürliche Angebot-Nachfrage-Kräfte – und zwar im Bereich der immer unbeliebter werdenden staatlichen Schuldscheine der USA (alias US-Staatsanleihen).

Einfach formuliert: Es gibt deutlich mehr Angebot als Nachfrage nach Amerikas exzeptionellen Versprechen.

Die künstliche Null als Lückenfüller & Tapering und harte Mathe

Um diese Lücke zu füllen, hängt die Federal Reserve verzweifelt neue Nullen an ihre Bilanzsumme (QE), um jene zunehmend unpopulären Kredite aufzukaufen.

Ein spürbares Rückfahren (tapering) dieser „Lückenfinanzierung“ (auch Fed- Akkommodierung genannt) würde dazu führen, was Powell im Dezember euphemistisch als „Dysfunktion des Marktes“ bezeichnete. Das Auftreten solcher Dysfunktionen würde jedoch das inoffizielle, obschon deutlich auf der Hand liegende (und auch hauptsächliche) Mandat der Fed verletzten, das darin besteht, den Aktienmarkt zu beflügeln, nicht aber die Staatsbürger.

Der mathematische Syllogismus hinter einer solchen potentiellen „Marktdysfunktion“ ist aus algebraischer Sicht recht einfach:

Weniger Anleiheankäufe durch die Fed = Anleihekurse sinken

Sinkende Anleihekurse = Steigende Anleiheerträge

Steigende Anleiheerträge = Steigende Zinssätze

Steigende Zinssätze = Steigende Schuldenfinanzierungskosten…

… für Nationen und Unternehmen, die bislang ausschließlich von billigen Schulden gelebt haben, bedeutet das: steigende Schuldenfinanzierungskosten = ein schlimmer „Uh-Oh“-Moment im Bereich der Risikoanlage-Blasen (Aktien, Anleihen, Immobilien), die in der Finanzwelt mit „wirtschaftlicher Erholung“ verwechselt wurden.

Zynische Neubetrachtung des rätselhaften Fed-Problems: Immer dem (verzweifelten) Selbstinteresse folgen!

Aufgrund der geschilderten Dominoeffekte geht es für die Fed jetzt ans Eingemachte.

Strafft sie geldpolitisch, steigen die Zinssätze und die Vermögenswertblasen fallen ein. Und das ist schlecht für die Märkte, denen die Federal Reserve so loyal dient.

Unternimmt die Fed hingegen keine geldpolitischen Straffungen, wird die Inflation kontinuierlich weitersteigen. Und das ist schlecht für alle anderen.

Was wäre also angesichts solcher Optionen die beste Wahl für die Federal Reserve, die stets im Eigeninteresse handelt, die Öffentlichkeit ignoriert und Märkte stützt? Doch wohl die Entscheidung gegen das „Tapering“, oder?

Weshalb plant Powell also vorausschauende geldpolitische Straffungsmaßnahmen für 2022?

Das 2022er Tapering: Tanz auf zwei Hochzeiten

Wie wir in verschiedenen Artikeln und Interviews argumentiert haben, besteht bei uns der Eindruck, dass die deutlich zu verstehen gegebenen Tapering-Maßnahmen für 2022 nur eine kurze Lebensdauer haben werden: Strenge Öffentlichkeitswirkung doch letztlich laxes Handeln.

Rein optisch muss Powell natürlich streng gegen Inflation auftreten, ganz so wie einige Politiker gerne bei Thema Kriminalität harte Kante zeigen (obgleich in Wahrheit Inflation wie Kriminalität weiter steigen).

Tapering-Maßnahmen im Jahr 2022 verleihen der Fed den oberflächlich entschlossenen, energischen Anschein, sie wolle die Inflation bekämpfen durch Bilanzsummenverringerung und auch tolerierte Zinssteigerungen – in fast schon komischer Anlehnung an Volckersche Zeiten.

Doch wie die Wall Street längst weiß, wird die Fed den Anleihemarkt weiterhin mit benötigter Liquidität füttern. Und zwar mit den Billionen, die aus der ständigen Repo-Fazilität sowie dem FIMA-Swap-Vereinbarungen (Foreign and International Monetary Authorities, FIMA) stammen.

Noch wichtiger: Zeitgleich wird die Fed die Realzinsen immer stärker im Negativbereich halten, um die Schuldenstandsquote der USA zu senken, während sie der Mittelklasse in aller Stille mit vorsätzlicher Inflation in den Bauch boxt.

Im August 2019 hatte übrigens der Vizevorsitzende der Fed, Stan Fisher, dieses Szenario tatsächlich vorausahnen lassen, als er zugab, dass einer Nation mit einer Schuldenstandsquote von 130 % nur noch folgende zwei Optionen bleiben: 1.) ausgedehnte Inflationsphasen, um die eigenen Schulden weg zu inflationieren oder 2.) eine tiefgreifende nationale Schuldenrestrukturierung.

Das heißt nur: In beiden Fällen geht es den Anleihehaltern an den Kragen – entweder real oder nominal. Und das können sich Investoren (oder die Medien) jetzt, am Ende einer 40-jährigen Anleihehausse, so gut wie gar nicht vorstellen.

Das ist wiederum schlecht für die wirkliche Welt, aber gut für die politischen Entscheidungsträger.

Also: Die Fed wird wohl doch auf zwei Hochzeiten tanzen (harte geldpolitische Kante markieren UND Verschuldung weginflationieren).

Nebelkerzen vs. Zentralbankenrealismus

Wie real (und nicht optisch) solche Zentralbanken-Realpolitik ist, zeigt sich auch daran, dass selbst die strengsten geldpolitischen Aussagen Powells vor Weihnachten eher positive als negative Marktreaktionen nach sich zogen – gerade bei Industrieaktien, Rohstoffen, Gold und BTC.

Wenn die vielerorts erwarteten „geldpolitischen Straffungsmaßnahmen“ schließlich kommen, werden kleinere Aktienwerte, Wachstumsaktien, Technologiewerte und andere „Schnellboote“ unter den Risikoanlagen in den anstehenden Marktturbulenzen wahrscheinlich ordentlich ins Schlingern geraten. Wahrscheinlich wird daraus eine Panik entstehen, die eine Kurswende bei den Tapering-Maßnahmen notwendig macht, wie wir es in der Vergangenheit schon mehrfach beobachten konnten (so z.B. Anfang 2019).

Angesichts so vieler Nebenkerzen dürften die nächsten Monate, wenn Marktrealitäten mit Zentralbankenfantasien kollidieren, interessante werden.

Fantasien vs. Fakten

Apropos Fantasien: Viele Investoren (die tonangebenden Medien dabei in führender Funktion) lehnen die Vorstellung schlichtweg ab, dass der amerikanische Exzeptionalismus (von Afghanistan bis hin zu Zwillingsdefiziten, Externfinanzierung und unfinanzierbaren staatlichen Leistungen) gar nicht mehr so außergewöhnlich ist…

Wie ich jüngst verdeutlicht hatte, sorgt die harte Realität der mathematischen Fakten dafür, dass die Vereinigten Staaten von Amerika schon stärker der deutschen Weimarer Republik ähneln als jenem Schuldenstandsmonster, das auch unter der Bezeichnung „Japan“ bekannt ist.

Das heißt jedoch nicht, dass im „exzeptionellen Amerika“ gleich Schubkarren voller Geld durch die Gegend fahren und Hyperinflation um sich greift.

Die US-Weltreservewährung von 2022 ist nicht die deutsche Mark von 1923; nichtsdestotrotz lassen sich die Ähnlichkeiten in der Stoßrichtung unmöglich ignorieren, zumindest nicht von denjenigen, die ihren Kopf nicht in den behaglichen Sand der kognitiven Dissonanz stecken oder sich mit ansonsten „gecancellter“ Geschichte befassen.

Insofern die US-Politik kein magisches Produktivitätswachstum erzielen kann (in einer Welt des Lockdowns) oder die Notwendigkeit schwerwiegender Ausgabekürzungen ehrlich adressiert, was ihre Wiederwählbarkeit zunichtemacht (viel Glück!), werden die kommenden Jahre von den harten Folgen haushaltspolitischer Sünden geprägt sein, die in der „stärksten Wirtschaft der Welt“ begangen wurden.

Ächzen aus der EU

Um fair zu bleiben mit Uncle Sam: Seine Cousins ersten und zweiten Grades in der EU bekommen ebenfalls (wie auch ich mit Blick auf meine Ölrechnung in Frankreich) den vor-rezessiven Druck einer Energiekrise zu spüren, während die Öl- und Gaspreise vor dem Hintergrund Schlagzeilen machender Prognosen über saudische Produktionsrückgänge deutlich ansteigen.

Die Erdgas-Indizes auf der europäischen Seite des Atlantiks schlossen vor Weihnachten mit rekordhohen Abrechnungspreisen.

Putin, der Schachmeister

Russlands Putin spielt Schach, während im Westen Dame gespielt wird mit Lockdowns, Mandaten, Zentralbankenoptik, zur Schau gestellter Tugend/Angst wegen des Klimawandels, moralische Bedenken (?) hinsichtlich der Ukraine. Und US-Medienlieblinge vergleichen derweil das russische BIP noch abwertend mit den Bruttosozialprodukten von 1 oder 2 amerikanischen Bundesstaaten.

Doch wie immer ignoriert der Westen das qualvolle aber geduldige langfristige Spiel – ein Spiel, das speziell Putin und Russland im Allgemeinen nur allzu gut kennen.

Putins Russland hat zum Beispiel große Mengen Öl und deutlich weniger Auslandsschulden als seine selbstgefälligen Gegner in Washington und andernorts.

Ebenso erwähnenswert, für uns aber keinesfalls überraschend, ist die Tatsache, dass Russland auch beim physischen Gold langfristig spielt.

Erst vor einem Jahr bestätigte dieser Chart, dass Russlands Devisenreserven von 600 Mrd. $ zu größeren Teilen aus Gold als aus US-Dollars bestehen.

Hmmm.

Weshalb nur diese wachsende Liebe zu einem langfristigen Edelmetall von einem langfristig ausgerichteten politischen und ökonomischen Akteur wie Putin?

Ganz gleich, was man über Putin sagen oder denken mag (und da gibt es vieles), vielleicht weiß dieser vermeintliche Schachspieler mehr über Schulden, grundlegende Wirtschaftsgeschichte, Energiebedarf und echtes Geld als Fed-Chef Powell, und vielleicht zwingt er den amerikanischen Exzeptionalismus gerade, Farbe zu bekennen?

Kurz: Vielleicht ist der US-Dollar einfach nicht mehr, was er mal war, und vielleicht erkennt Putin den zukünftigen Gang der Dinge?

Im Kontext globaler Schachspiele wissen die meisten von uns, wer im Spiel „Gold gegen USD“ gewinnen würde; das Schachmatt ist jetzt schon absehbar.

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Dollar-Illiquidität? Ignorierter Funke der nächsten Krise

Und diese Jahre sind inzwischen gekommen.

In einer Welt, die von gedruckten Währungen und expandierenden Geldangeboten regelrecht geflutet ist, sollte eine Dollar-Illiquidität eigentlich kaum vorstellbar sein.

 

Chart

 

Allerdings stimmen meine damaligen Warnungen mit den heutigen Entwicklungen überein: Die Federal Reserve wird deutlich mehr Geld drucken müssen!

Mit anderen Worten: Die heutigen Falken werden wieder einmal die Tauben von morgen sein.

Warum?

Weil es damals wie heute einfach nicht genügend liquide Dollars gibt, um die fantastische Bandbreite an nuancierter wie komplexer Dollar-Nachfrage zu bedienen. In den USA selbst als auch an den globalen Märkten.

Erstes Beben: 2019 – der Repo-Markt kriselt

Egon von Greyerz und ich haben häufig auf Folgendes hingewiesen: Die ersten deutliche Hinweise auf derartige Gefahren am geldarmen (d.h. illiquiden) Repo-Markt zeigten sich im September 2019.

Im Grunde war es ein neonfarbenes Blinksignal, das langfristig Probleme ankündigte. Und es hatte nichts mit COVID zu tun…

Im Herbst 2019 hatten sich informierte Investoren durch die Berge an konfusen Details und Störgeräuschen zu einer Panik gewühlt, die im September am US-Repo-Markt stattgefunden hatte, also an einem Markt, der ansonsten ein offenes Betrugsprogramm war [weil z.B. Privatbanken die Einlagen staatlich gegründeter Finanzdienstleistungsunternehmen (Government Sponsored Entities, GSE) hebeln und dafür garantierte Auszahlungen von Vater Staat bekommen, für die wiederum der US-Steuerzahler aufkommt].

Trotz aller Störgeräusche, und ungeachtet der Tatsache, dass diese Krise von den ansonsten Teenager-schlauen Finanzleitmedien komplett ignoriert (und auch vorsätzlich heruntergespielt) wurde, ging es bei der ganzen Repo-Angelegenheit schlicht und ergreifend um Folgendes: Die verfügbaren Dollars reichten nicht mehr aus, um weiterhin alles (d.h. auch die Banken) am Laufen zu halten.

In Reaktion darauf druckte die damalige Federal Reserve (von 2019) mehr Dollars und flutete die betreffenden Repo-Schächte mittels einer 1,5-Billionen $ starken Roll-Over-Fazilität.

Und das war erst der Anfang…

Unterm Strich gilt zumindest: Es gibt nichts, was sich nicht vorübergehend mit einem Gelddrucker lösen ließe.

Leider war diese klaffende Wunde im Repo-Markt kein Einzelereignis, sondern vielmehr Symptom eines deutlich größeren und systemischen Problems, das auch für die Krise von 2008 verantwortlich gewesen war: nicht ausreichende Dollarmengen.

Schlimmer noch: Auch in der nächsten Finanzkrise wird diese Dollar-Illiquidität der Schlüsselfaktor sein.

Zweites Beben: Der verkannte Eurodollar-Markt

Diese durchsickernde Liquiditätskrise hat viel mit dem Eurodollar-Markt zu tun, einem wenig beachteten, kleinen Winkel der globalen Finanzsinkgrube, den kaum ein Investor wirklich versteht.

Denn schließlich gelten die Federal Reserve und das US-Finanzministerium weiterhin als die offiziellen Hüter des US-Geldangebots.

Viele Investoren sind immer noch der Annahme, dass diese Institutionen wissen, was sie tun und dass sie „Kontrolle“ über ihre Angelegenheiten haben.

Wenn das bloß stimmen würde…

In Wahrheit ist die Federal Reserve in Fragen der US-Dollarliquidität zunehmend dysfunktional und in die Enge gedrängt.

Warum?

Weil die Fed tatsächlich nicht das Angebot an US-Dollars kontrolliert; größere Macht haben hier die von den Medien ignorierten Eurodollar-Märkte.

DIE tickende Zeitbombe

So gut wie niemand versteht dieses Eurodollar-“Ding“. Kaum jemand hat es auf dem Schirm, und dennoch ist es eine tickende Zeitbombe.

Was also ist diese tickende Zeitbombe, mit der sich fast niemand öffentlich beschäftigt?

Welches stille Gift lauert unter unserem nationalen und globalen Marktsystem, das niemand im Eccles Building, dem Weißen Haus oder dem US-Finanzministerium bespricht oder gar in seiner ganzen Tragweite versteht?

Wie das Eurodollar-System in aller Stille die US- und Weltmärkte zerstört

Einfach ausgedrückt, ist ein Eurodollar nur ein US-Dollar, der irgendwo (und nicht allein in der Eurozone) außerhalb der USA deponiert ist.

Soweit so einfach.

In diesem Sinne vergeben also ausländische Banken (d.h. keine US-Banken) wie SocGen oder Deutsche Bank einfache, saubere und direkte Darlehen an ausländische Unternehmen; die Darlehen sind in besagten „Euro“-Dollars denominiert, sprich US-Dollars, die im Ausland gehalten werden.

Allerdings bleibt nichts, was Großbanken tun, sehr lange einfach, sauber oder direkt.

Banker können einfach nicht anders, wenn es um Hebel, kurzfristige Profite und langfristige Verzerrungen geht. Und auf den Eurodollar trifft das ganz besonders zu.

Verzerrungen: eine kurze historische Einordnung

In der Tat fließen schon seit Mitte der 1950er Jahren verstärkt Eurodollars um die Welt.

Allerdings erfinden Banken (und Banker) ständige neue clevere Methoden, um einfache Eurodollar-Transaktionen komplexer zu gestalten. Denn hinter gewollter Eurodollar-Komplexität lassen sich recht einfach die verschiedensten Formen gierbefriedigender und vermögengenerierender Systeme verbergen.

Das heißt insbesondere: Anstatt im Ausland die US-Dollars (sprich Eurodollars) zur einfachen, sauberen und direkten Kreditvergabe einzusetzen – welche sich in den Aktiva/Passiva-Bilanzspalten ausländischer Banken auch leicht nachvollziehen und regulieren lässt –, üben sich diese ausländischen Banker seit einigen Jahrzehnten in einem immer kreativeren Umgang mit ihren Eurodollars. Und kreativer heißt hier nur: immer toxischer und immer unkontrollierter.

Anstatt die Eurodollars nur zur direkten Kreditvergabe von Bank „X“ an Gläubiger „Y“ einzusetzen, nutzen ausländische Finanzgruppen den Eurodollar verstärkt in komplexen Kreditgeschäften im Interbankenmarkt, bei großangelegten Geschäften mit Swaps und Terminkontrakten sowie bei gehebelten Derivatetransaktionen.

Auf den Punkt gebracht, bedeutet das wieder: Hier ist noch mehr Derivategift im Spiel (und auch extremes Bankenrisiko).

Fed verliert Kontrolle über den eigenen Dollar

Diese erschlagend komplexen Eurodollar-Transaktionen haben wie extreme Dollar-Multiplikatoren gewirkt, die sich außerhalb der Reichweite oder Kontrolle von Aufsichtsbehörden wie der Federal Reserve befinden und im Grunde heute als unendlich großes, gehebeltes Vielfaches weiterexistieren.

Als US-Banken wie Bear Sterns oder Lehman Brothers, um zwei Beispiele zu nennen, damals US-Dollars im Verhältnis von 60:1 im Landminensektor für Subprime-Derivate hebelten, gab es ein Problem.

Ein großes Problem. Sie erinnern sich?

Leider müssen wir heute mitansehen (auch wenn die Medien es ignorieren), dass im unregulierten Eurodollar-Markt US-Dollar-Hebelverhältnisse herrschen, die viel, viel, viel höher sind. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet erscheint Bear Stearns von 2008 dagegen leider wie ein Kinderspiel.

Unterm Strich heißt das grundsätzlich nur Folgendes: Die tatsächlichen US-Dollarmengen, die in ausländischen Eurodollar-Schattenbankentransaktionen existieren, übersteigen jene Mengen, mit denen die Federal Reserve rechnet, in absolut inakzeptabler Weise. Und noch wichtiger: Hier geht es um US-Dollarmengen, die völlig inakzeptabel über dem liegen, was selbst die Fed noch kontrollieren kann.

Wie kann es überhaupt eine Dollar-Knappheit geben?

Moment mal, wird der Leser jetzt vielleicht einwenden: Matt, eben warnst du noch davor, dass es nicht genügend Dollars gibt, und dann sagst du, dass die umlaufenden Dollarmengen durch solche Eurodollar-Systeme dramatisch angewachsen (d.h. gehebelt worden) sind.

Wie kommt das jetzt?

Ok, ich werde es jetzt erklären!

Also: Auch wenn die Vielzahl komplexer Derivate-Geschäfte in Eurodollar dessen Gesamtmenge erhöht, so ist diese Menge zugleich in derart facettenreicher illiquider Konfusion zerlegt und gebunden, dass die tatsächlich umlaufende Dollarmenge letztendlich sogar deutlich niedriger ausfällt.

Verrückt aber wahr.

Während Powell in den USA mit Zinssatzanpassungen, erhöhter Geldschöpfung oder Tapering herumdoktert, um anscheinend Menge und Preis des US-Dollars „kontrollieren“ zu wollen, kämpft er hier praktisch gegen Windmühlen – oder spielt Schach, während Rom brennt.

Aktuell treiben (und blockieren) im überkomplexen internationalen Banken- und Eurodollar-Derivatesystem unkontrollierbare/ unregulierte US-Dollar-Verbindlichkeiten in Billionenhöhe.

Leider ist dieses System derart vernetzt und verflochten sowie komplexitätstheoretisch unzugänglich, dass die Lösung dieses Eurodollar-Finanzknotens mit all seinen Gegenparteikomplexitäten der Lösung der Knoten von 1.000.000.000 Fliegenfischern gleichzeitig entspräche.

Mit anderen Worten: ein Ding der Unmöglichkeit.

Da nun so viele US-Dollars (die als „Eurodollars“ unterwegs sein sollten) in zahllosen unregulierten Bankenprogrammen und Derivateinstrumenten feststecken, ist auch die Gesamtmenge an überhaupt verfügbaren US-Dollar zum Teil untrennbar fest in all diese toxischen „Knoten“ eingebunden.

Folglich sind einfach weniger Dollars verfügbar für ihren Einsatz (also auch Notfalleinsatz) in den überhebelten/ hochriskanten Märkten von heute. Und vornehme Leute bezeichnen das gerne auch als „Liquiditätsproblem“.

Auch wenn die Subprime-Hypotheken als Verursacher der Großen Finanzkrise von 2008 zu recht im Zentrum der Aufmerksamkeit standen, hier ein kleines Geheimnis direkt aus dem Inneren der Wall Street:

Die Subprime-Instrumente waren quasi der „Patient Null“ des 2008er Desasters. Der echte Killer von 2008 war aber die Dollar-Illiquidität. Denn große Teile dieser Liquidität hingen einfach in den gordischen Eurodollar-Knoten fest, welche aber kaum jemand versteht, diskutiert oder zu kontrollieren weiß.

Kurz: Auch heute gibt es eine ähnliche tickende Zeitbombe. Eine Eurodollar-Zeitbombe.

Die Eurodollar-Liquiditätskrise entschärfen?

Wie lässt sich diese ignorierte und verkannte Zeitbombe jetzt aber entschärfen?

Nun, selbst der Großvater der Verschuldung, John Maynard Keynes hatte dahingehend 1944 gewarnt, 2011 dann der Chef der chinesischen Zentralbank, im Sommer 2019 schließlich auch Mark Carney, Vorstand der Bank of England, während eines Treffens im kleinen Fed-Rückzugsort für Banker in Jackson Hole.

Doch welche Option hatte der Chef der englischen Zentralbank vorzuschlagen?

Ganz einfach: Wir müssen den US-Dollar als Weltreservewährung durch eine neutrale, elektronische Währung ersetzen, so dass internationale Zahlungen mithilfe eines neuen, frei schwankenden Systems, welches den Dollar ersetzt, abgewickelt werden können.

Das sind keine kleinen Fische. Und trotzdem machte es nie Schlagzeilen. Ein Hammerding, oder?

Die traurige aber verborgene, ansonsten jedoch nicht zu leugnende Tatsache ist, dass sich der US-Dollar schon nicht mehr unter der Kontrolle der zunehmenden ahnungslosen Federal Reserve befindet.

Jede Krise ist eine Liquiditätskrise

Wenn sich das Angebot an Dollars verknappt/ schrumpft, folgt stets und immer eine Krise, denn jede Marktkrise ist, im Kern, eine Liquiditätskrise.

Noch einmal: Während der kleinen Repo-Panik im September 2019 haben wir einen kurzen Vorgeschmack auf diese Dollarknappheit bekommen.

Doch all das war nur Geplänkel im Vergleich zu dem, was frühere Krisen, man denke an 2008, im Rahmen von Dollar-Illiquidität mit den Märkten anrichten konnten und auch wieder können. Damals 2008 litten unsere Märkte unter einer US-Dollarknappheit im Umfang von 2 Billionen (!) $ (alias „Finanzierungslücke“).

Wie wurde diese „Lücke“ gefüllt?

Sie haben es geahnt: durch globale Geldschöpfung außer Rand und Band.

Mit Blick auf die Zukunft, und rückblickend auf die jüngsten (absolut heruntergespielten) Beben im barmittelarmen Repo-Markt, rüsten sich die Insider in Washington und Wall Street für weitere Dollar-Illiquiditätskrisen – also große Marktdesaster, die von „Finanzierungslücken“ (alias Mangel an genügend Dollars) angetrieben werden.

Auch die Fed weiß das – ein klein wenig zumindest. Sie ist jedenfalls heute nicht in der Position, den US-Dollar aus seiner Weltwährungsfunktion zu entlassen.

Das braucht Jahre, allerdings hat der IWF praktisch schon durchblicken lassen, dass es kommen wird.

In der Zwischenzeit bedeutet das, dass der Fed, wenn die nächste Dollar-Liquiditätskrise unsere Märkte und Ökonomien in einen weiteren Abgrund stürzt, aktuell nur ein Werkzeug zur Verfügung steht: verzweifelte und im letzten Moment kommende Geldschöpfung – ihren Ankündigungen geldpolitischer Straffungsmaßnahmen für Anfang 2022 (!) zu Trotz.

Längerfristig wird derartige, unausweichliche Geldschöpfung gut für Gold sein.

Hab ich doch gesagt…

In den Jahren 2019 und 2020 hatte ich davor gewarnt. Ich hatte gewarnt, dass aufgrund massiver Dollar-Illiquidität auch massive, unvorstellbare Geldschöpfung sowie eindeutige Schuldenmonetisierung kommen werden.

Falls Sie mir nicht glauben, dann schauen Sie sich diese erneut veröffentlichte Ad-Hoc-Warnung, die ich im März 2020 abgegeben hatte, hier an.

Seit dieser Warnung hat sich die Bilanzsumme der Federal Reserve mehr als verdoppelt.

Fakten sind wirklich hartnäckige Dinge, nicht?

Investieren im neuen Anormalzustand

Diese Maßnahmen haben natürlich überhaupt nichts mit Kapitalismus oder freien Märkten zu tun.

Zentral- und Geschäftsbanken haben jenen alten Werten und Systemen den Abschiedskuss zugeworfen.

Wir leben, investieren und traden heute in einem zentralisierten Markt, in dem Zentralbanken weiter die Macht über das US-Dollarangebot in den ausländischen Eurodollar-Schattenbankensystemen verlieren und verloren haben. Die hier zugrundliegenden Risiken, Gefahren und Extreme werden – hinsichtlich Verflechtung, Hebelwirkung, Illiquidität und Komplexität – nur von einer Handvoll von Insidern verstanden; ihre vollständige Aufdröselung würde hunderte Seiten zusätzlich in Anspruch nehmen.

Was SIE aus all dieser Komplexität für sich mitnehmen sollten, ist recht simpel: Normale Konjunkturzyklen sind jetzt ausgestorben. Sie wurden durch Liquiditätszyklen der Zentralbanken ersetzt, welche letztendlich auch die Währungen zerstören.

Natürliche Kräfte von Angebot und Nachfrage, auch beim Dollar, wurden durch Geldschöpfung der Zentralbanken ersetzt.

Zukünftig werden immer mehr Dollars gedruckt werden – und zwar nicht, weil wir das „einfach denken“, sondern schlicht und ergreifend weil es buchstäblich keine andere Möglichkeit mehr gibt, um dieses völlig zum-Scheitern-manipulierte System überhaupt noch am Laufen zu halten.

Hinsichtlich Marktvolatilität aber auch Sicherheit und Vermehrung Ihres Geldes in einem solch toxischen wie komplexen Umfeld müssen wir zugeben, dass es immer schwieriger geworden ist, auf alte Vorhersagestandards für Marktrisiken oder gar für das Timing von Marktrezessionen zu vertrauen, um einen sinnstiftenden Eindruck jener Twilight Zone zu bekommen, in die unsere Kapitalmärkte eingetreten sind.

Das ist Neuland für uns alle.

Das aktuelle Umfeld – Überheblichkeit der Falken

Falls Sie sich wundern, warum der US-Dollar trotz wahnsinniger Mausklick-Geldschöpfung und allgemeinem Geldangebotswachstum gestiegen ist (relativ, und in Abgrenzung zu seiner Kaufkraft)…es ist nicht kompliziert: Diese Dollars sind in einem derivatebasierten Eurodollar-Knotenknäuel gebunden.

Sind liquide Dollars nicht ausreichend verfügbar, ist die Dollarnachfrage hoch, folglich steigt auch der Dollarkurs.

Nationen mit US $-Schulden fällt es selbstverständlich immer schwerer, Dollars zur Finanzierung der eigenen Dollarschulden aufzutreiben; das erklärt auch den Einbruch der türkischen Lira, die allein im November gegenüber dem USD um 30 % fiel.

In dieser verzerrten, dollarhungrigen Finanzlandschaft zeigen sich weitere Risse und auch Signale – zum Beispiel die derzeitige und kommende Volatilität.

Die jüngsten Ausschläge im S&P 500 (schlimmstes Quartal seit 2011) aber auch der absolut synchron zu dieser Wall-Street-Verkaufwelle verlaufende BTC-Einbruch um 20 %ige sind offensichtliche Beispiele aber auch Vorzeichen für kommende Verwerfungen, trotz aller pathetischen Ausrufe eines Jim Cramers (vom 9. Dezember), der meinte, die USA hätten heute „die stärkste Wirtschaft überhaupt“, sie sei gar ein „ansehnliches Wunder“.

Wahrscheinlich bezog sich der arme Cramer dabei auf die positiven BIP-Schätzungen der Atlanta-Fed für das 4. Quartal.

Anheizer wie Cramer übersehen dabei gerne das Abflachen der US-Ertragskurve, die nahelegt, dass der Anleihemarkt den Eindruck hat, dass noch mehr Stärke vorläufig nicht drin ist.

Das zukünftige Umfeld – Die Tauben kommen (und die Plagen)

Während die Dollar-Illiquidität steigt und die Pandemiezuschüsse auslaufen, hält die Fed hartnäckig an ihrem strengen Plan zur Straffung der Liquiditätszufuhr (tapering) ab 2022 fest, womit sie Öl ins Risikoanlagenfeuer kippt, die Fiskalklippe anheizt und so gut wie jede Anlageklasse, außer US $, US-Staatsanleihen und den VIX-Handel, abwürgt.

Angesichts einer Schuldenstandsquote von 122 % ist aber jede Hoffnung auf nachhaltiges BIP-Wachstum und Abbau der US-Schulden – in diesem Umfeld und ohne damit Markteinbrüche auszulösen – reine Fantasie.

Oder anders gesagt: tick tack, tick tack…

Kurzum: Sollten die geldpolitischen Straffungsvorhaben auf die zuvor erwähnte (aber verborgene) Dollar-Illiquidität treffen, können Sie sich auf ein extrem holpriges und unangenehmes Jahr 2022 gefasst machen – und folglich auch auf eine plötzliche Kehrtwende bei der derzeit noch strengen Haltung der Federal Reserve.

Wenn die Tauben zurückkehren und mit ihnen die Extremgeldschöpfung (folglich auch Währungsentwertung), wird Gold, wie immer, schon zur Stelle sein, um das letzte Wort zu haben.

 

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