Der RoboMarkets Wochenrück- und Ausblick

Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege

09. September 2022

Als alle Rückblicke über eine positive Handelswoche schon geschrieben waren, kam kurz vor dem vergangenen Wochenende die Nachricht, dass vorerst kein Gas mehr durch Nord Stream 1 fließen wird. Sowohl der Deutsche Aktienindex nachbörslich als auch die Wall Street knickten ein, nachdem sie zuvor die Arbeitsmarktdaten noch positiv aufgenommen hatten.

Wie erwartet sprang der Preis für europäisches Erdgas am Montag an und zog den Aktienmarkt mit nach unten. Doch die Anleger schoben die Frage, wie Deutschlands Wirtschaft und Haushalte ohne russisches Gas über den Winter kommen sollen, relativ schnell beiseite und den DAX wieder zurück in Richtung 13.000 Punkte.

Auch die historische Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins um 75 Basispunkte zu erhöhen, hat die Börse am Ende weniger bewegt als gedacht. Viel Lärm um nichts also, könnte man meinen. Zwar schlug der DAX im Anschluss an die Entscheidung nach unten und oben aus, um dann aber nahezu unverändert aus dem Handel zu gehen. Auch die US-Notenbank meldete sich erneut zu Wort. Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte ebenfalls den konsequenten Zinserhöhungskurs.

Aber auch hier blieb die Wall Street auf Kurs, alle negativen Nachrichten scheinen eingepreist und ein überverkaufter Markt versucht die Wende. Während ein Teil der Anleger mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen den Aktienmarkt vorerst meidet, sieht der andere Teil den konsequenten und konzertierten Kampf der Notenbanken gegen die Inflation als ein gutes Signal für die Zukunft und greift ungeachtet aller Risiken bei Aktien zu.

Inflationsdaten und Sitzung der Bank of England

Wie erfolgreich dieser Kampf bereits war oder wie viel Wegstrecke noch vor den Notenbanken liegt, um die Teuerung wieder in Richtung Zwei-Prozent-Ziel zu drücken, dürfte in der kommenden Woche etwas klarer werden. Am Dienstag werden die Verbraucherpreise aus den USA gemeldet. Hier war zuletzt etwas Entspannung angesagt, nachdem die Teuerung im Juli mit 8,5 Prozent wieder etwas zurückgekommen war. Alles, was den rückläufigen Trend bestätigt, dürften die Börsen positiv aufnehmen.

Am Mittwoch dann folgt der Frühindikator für die Inflationsentwicklung mit den Erzeugerpreisen. Geldpolitisch interessant wird es am Donnerstag, wenn die Bank of England zu ihrer nächsten Sitzung zusammenkommt. Mit einer Inflationsrate von gut zehn Prozent dürfte eine weitere Erhöhung des Leitzinses um 0,5 auf dann 2,25 Prozent zwar nahezu beschlossen sein. Allerdings dämpften BoE-Vertreter mit dem Blick auf die negativen Effekte der quantitativen Straffung zuletzt die Zinsfantasien im Vereinigten Königreich wieder etwas.

Licht und Schatten Bei Den Unternehmen

Auf Unternehmensseite könnte die Lufthansa in der vergangenen Woche die Weichen für eine positive Zukunft gestellt haben. Großaktionär Kühne ließ verlauten, dass er weiterhin ungebrochenes Interesse an der Airline hat und seinen bisherigen Anteil von 15 Prozent ausbauen will. Gleichzeitig einigten sich Pilotengewerkschaft und Unternehmen in letzter Sekunde auf einen Deal und wendeten damit den zuvor angekündigten zweitägigen Streik ab.

Und im Gespräch zwischen dem Chef der Lufthansa und ihrem größten Aktionär dürfte mit diesem Ausgang der Blick in die Zukunft durchaus positiv gewesen sein, trotz der Diskussionen über Personal und höhere Kosten.

Auf der anderen Seite steckt Uniper tiefer in der Krise als bisher angenommen. Zwar hat der Bund bereits beschlossen, bei Uniper einzusteigen wie einst bei der Lufthansa und der Commerzbank. Doch bis es so weit ist, steht der Konzern so unter Druck, dass er neues Geld braucht.

Vier Milliarden als Hilfe für die sieben Milliarden Euro Mehrausgaben für die Ersatzbeschaffung des russischen Gases, die laut des Chefs noch diesen Monat erreicht werden. Das Beispiel Uniper zeigt eindrucksvoll, wie teuer die Energiekrise nicht nur für Millionen Haushalte, sondern auch wie viel finanzielle Unterstützung nötig sein wird, um ganze Industrien vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Auch die Börse wird in der kommenden Woche zwischen einem langfristigen Optimismus und den kurzfristig Belastungsfaktoren Energiekrise und Rezession schwanken. Aus technischer Sicht allerdings bietet der nun schon fast komfortable Sprung des DAX über die 13.000 Punkte das Potenzial für weitere Kursgewinne, den saisonal schwächsten Börsenmonaten September und Oktober zum Trotz.

DAX – Aktuelle Unterstützungen und Widerstände

Unterstützungen: 12.900/12.850 + 12.700/12.650 + 12.400/12.350

Widerstände: 13.150/13.200 + 13.350/13.400 + 13.550/13.600

Dieser Artikel stammt von RoboMarkets.

Der RoboMarkets Wochenrück- und Ausblick

Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege

02. September 2022

Die positive Nachricht dieser Handelswoche ist die, dass der DAX seinem Jahrestief zwar gefährlich nah gekommen ist, sich aber an der 12.600er Marke fangen und stabilisieren konnte. Mit dem kleinen Hoffnungsschimmer einer Abkühlung auf dem bislang brummenden US-Arbeitsmarkt kann der Index zum Wochenschluss sogar wieder Kurs auf die psychologische Hürde von 13.000 Punkten nehmen.

Eine nachhaltige Erholung erscheint dennoch unwahrscheinlich. Denn der Markt ist sowohl technisch als auch fundamental unter den denkbar ungünstigsten Voraussetzungen in die statistisch betrachtet schwächste Börsenphase des Jahres gestartet.

315.000 neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft im August in den USA waren zwar wieder etwas mehr als erwartet, aber zumindest die Zahlen zur Lohnentwicklung machen Hoffnung darauf, dass sich die Situation auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten etwas entspannen könnte.

Die Löhne stiegen um 5,2 Prozent und damit etwas weniger stark als erwartet. Während die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA aber alles in allem eine weiterhin robuste Wirtschaft indizieren, werden die Sorgenfalten und damit Rezessionsgefahren in China und Europa umso größer. Die Regierung in Peking hält strikt an ihrer Null-Covid-Politik fest und schickte in dieser Woche erneut 21 Millionen Menschen in Chengdu in den Lockdown.

Engpässe im Energiemarkt

Für einen harten Winter in Europa könnten die aktuellen Turbulenzen auf dem Energiemarkt sorgen. Nachdem auch der Strompreis im Gefolge steigender Öl- und Gasnotierungen bereits nur eine Richtung kennt, bricht nun die Angebotsseite weiter ein.

Durch die niedrigen Wasserstände sind Kohlekraftwerke in Deutschland bereits gezwungen, weniger Strom zu produzieren. Von den Atomkraftwerken in Frankreich ist nur noch jedes zweite am Netz. Das Land produziert mittlerweile so wenig Strom, dass es diesen importieren muss, anstatt wie zuvor seine Nachbarländer zu versorgen.

Inflation Weiterhin Im Mittelpunkt

Dabei sind es vor allem die steigenden Energiepreise, die die Inflation weiter anheizen. Am kommenden Donnerstag steht mit der Sitzung der EZB der wohl wichtigste Termin der Woche im Börsenkalender. Spätestens der jüngste Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone um 9,1 Prozent im August zwingt die Notenbank jetzt zu entschlossenem Handeln.

Auch in Deutschland sind die Preise im vergangenen Monat noch mit dem 9-Euro-Ticket und dem Tankrabatt stärker als erwartet gestiegen. Dies schürt die Angst vor einer zweistelligen Inflationsrate in den kommenden Monaten und setzt die EZB noch stärker unter Druck. Selbst eine historische Erhöhung um 75 Basispunkte am Donnerstag wäre deshalb schon keine wirkliche Überraschung mehr.

Damit dürften Anleihen allerdings dann noch ein Stück attraktiver gegenüber den aktuell mit hohem Risiko versehenen Aktien werden und den Börsen weitere potenzielle Käufer abhandenkommen.

Ganz so golden dürfte es beim DAX in der kommenden Woche nicht aussehen. Von einer nachhaltigen Trendwende nach oben kann erst bei einem Überwinden des Widerstandes bei 13.150 Punkten gesprochen werden. Ob der Markt in der kommenden Woche dazu in der Lage ist, dürfte auch ein wenig davon abhängen, ob Russland am Samstag wieder Gas durch Nord Stream 1 fließen lässt, denn dann sollen die mutmaßlich vorgeschobenen Wartungsarbeiten beendet sein.

DAX – aktuelle Unterstützungen und Widerstände

Unterstützungen: 12.600/12.629 + 12.420/12.370 + 12.000/12.100

Widerstände: 12.800/12.830 + 12.950/12.970 + 13.050/13.150

Dieser Artikel stammt von RoboMarkets.

Der RoboMarkets Wochenrück- und Ausblick

Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege

26. August 2022

Die Kombination aus einem Stimmungsumschwung nach beunruhigenden Zahlen von der Inflationsfront und dem Abprallen der Indizes in Frankfurt und an der Wall Street an starken Widerständen sorgte zu Beginn der abgelaufenen Handelswoche noch für eine Fortsetzung der Gewinnmitnahmen nach einer, trotz widriger Rahmenbedingungen doch erstaunlichen Erholungsrally. Dann aber fingen sich die Indizes und der Deutsche Aktienindex bildete aus technischer Sicht über der 13.000er Marke einen konstruktiven Boden aus, der ihm die Chance gibt, nach ausbleibenden Hiobsbotschaften aus Jackson Hole weiter nach oben zu laufen. Andererseits droht erneut ein Rückfall auf die Jahrestiefs knapp unter 12.500 Punkten.

Jackson Hole mischt die Karten neu

Für den US-Notenbankchef Jerome Powell geht es auf dem jährlichen Symposium der internationalen Geldpolitik vor allem um das Thema Glaubwürdigkeit. Auf dem letzten Meeting vor genau einem Jahr unterschätzte nicht nur er, sondern auch die große Mehrheit der Teilnehmer die aufziehende Inflation völlig. Heute liegt sie bei 8,5 Prozent in den USA, hat sich zwar jüngst etwas abgeschwächt, aber ist immer noch meilenweit vom Ziel der Geldpolitik entfernt. Dass Powell also an der straffen Geldpolitik inklusive weiterer Zinserhöhungen festhalten wird, ist klar. Nur ist die Frage, um welchen Preis die Fed bei ihrer restriktiven Haltung bleibt.

Muss sie eine Rezession herbeiführen, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, inklusive einer wieder steigenden Arbeitslosigkeit, die derzeit noch den Stempel Vollbeschäftigung aufgedrückt bekommt? Oder bekommt sie eine sanfte Landung der US-Wirtschaft hin, weil sich die Teuerungsraten durch wieder fallende Energiepreise und Lösungen der Lieferkettenprobleme am Ende vielleicht von selbst erledigen? Auf diese beiden Fragen werden die Investoren auch zwischen den Zeilen der Powell-Rede Antworten suchen und danach ihre Anlageentscheidungen für die kommenden Wochen treffen. Wieder einmal hat es also die Geldpolitik in der Hand, ob es an den Börsen erneut richtig ungemütlich oder die Entspannung über den Sommer bis in den Herbst anhalten wird.

Ausblick für die nächste Woche

Apropos US-Arbeitsmarkt: Die wohl wichtigste Event der kommenden Woche steht erneut am Freitag an, wenn die neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft, die sogenannten NFPs, veröffentlicht werden. Im Juli noch wurden mit 528.000 knapp doppelt so viele Jobs geschaffen wie erwartet, was die Sorgen vor weiter schnell steigenden Zinsen und die Wahrscheinlichkeit für 75 Basispunkte auf der Fed-Sitzung im September in die Höhe schnellen ließ. Nicht wenige Ökonomen warnen schon seit längerem, dass die Arbeitslosigkeit deutlich ansteigen müsse, um auch die Preise weiter nach unten zu bringen – zuletzt lag die Arbeitslosenrate saisonbereinigt bei nur 3,5 Prozent.

Was Europa angeht, wird es am Dienstag spannend, wenn die Inflationsrate für den Monat August veröffentlicht wird. Positiv wäre hier ebenfalls eine leichte Entspannung nach den 7,5 Prozent im Juli. Hier dann allerdings von einer echten Trendwende zu sprechen, dürfte auch vor dem Hintergrund der andauernden Angebotsknappheit von Gas verfrüht sein. Laut Brancheninsidern könnte diese noch zwei bis drei Jahre anhalten. Dies kann für die deutschen Haushalte buchstäblich ins Geld gehen. Die ersten Rechnungen der Gasversorger sind da und schockieren ihre Empfänger. Bis zu 50 Prozent Mehrkosten müssen die Haushalte schultern. Die Auswirkungen auf die Konsumbereitschaft, aber auch das Investitionsverhalten von Unternehmen dürften deutlich zu spüren sein.

EUR/USD unter Parität

Ähnlich sieht es bei der europäischen Leitwährung aus, die in dieser Woche erneut unter die Parität zum US-Dollar gefallen ist und nun Halt sucht. Ob der drohenden Energiekrise und damit aufziehender Rezessionsgefahren besteht jederzeit die Möglichkeit, dass der Euro nun noch deutlicher gegenüber dem Dollar fällt. Die Auswirkungen für die europäische Wirtschaft wären fatal. Nicht nur würden die Importe deutlich teurer und heizen damit die bereits hohe Inflation unnötig an. Auch die Energiekrise wird damit gehebelt. Die durch das begrenzte Angebot steigenden Preise werden durch einen schwachen Euro nochmals erhöht.

DAX – aktuelle Unterstützungen und Widerstände

Unterstützungen: 13.190 + 13.075 + 12.800/13.000

Widerstände: 13.420 + 13.550 + 13.700

Dieser Artikel stammt von RoboMarkets.