Die Zukunft Chinas: Nur 2 Optionen!

Global Player, wie Alibaba, Tencent, JD.com, Xiaomi und viele andere, erobern die Weltwirtschaft in Windeseile und sind beliebte Aktientitel unter Anlegern. Vor allem aber hat sich China von einem Produktionsland für Billigware in einen Markt transformiert, der innovativ ist und eigene, neue Technologien entwickelt.

Dennoch kämpfen chinesische Aktientitel mit immer weiter sinkenden Kursen. Der Hang Seng Index hat seit seinem Allzeithoch Anfang 2018 diese Level nicht mehr erreicht, während die meisten anderen Indizes in derselben Zeit stetig neue Allzeithochs ausgebaut haben.

In der Finanzwelt wird die schwache Performance der Chinesen auf das strenge Regime zurückgeführt, welches in den letzten Jahren eine Reihe von strikten regulatorischen Maßnahmen durchgesetzt hat. Vor allem wurden Technologie-Konzerne und Kryptowährungen in die Mangel genommen.

Die Unternehmen erlebten eine Reihe von Razzien und Verfahren, die immer mehr Besorgnis in der internationalen Anlegerschaft erregten. Der illiberale Kapitalismus in China weckt immer mehr Zweifel in Bezug auf die Tragbarkeit.

Meine Ansicht, die ich schon seit langer Zeit vertrete, ist dass die regulatorischen Maßnahmen strukturelle und wirtschaftskulturelle Mängel beseitigen soll, um die Unternehmen auf lange Sicht auf globale Corporate Governance Standards zu bringen. Dies würde dann das Risikoprofil der Unternehmen verbessern und somit attraktiver für internationale Investoren machen.

Jedoch steht dem Land seine komplexe Geldpolitik im Weg. Da man feste Wechselkurse und autonome Geldpolitik zugleich haben möchte, muss China die internationalen Kapitalflüsse eindämmen, bzw. kontrollieren; das schreibt das Trilemma des Wechselkursregimes vor.

Vor dem Hintergrund, dass die globale Wirtschaft immer komplexer wird und sich strukturelle Probleme, wie Inflation und Lieferketteneinbrüche, breit machen, hat China aber mit dieser Geldpolitik einen massiven Wettbewerbsnachteil. Es gibt, meiner Meinung nach, nur zwei Wege, die China einschlagen kann, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben.

Die erste Option ist, dass die Politik noch stärker reguliert und somit noch autoritärer wird. Dadurch könnte man die Unternehmen noch besser formen und Investitionen noch besser leiten und kontrollieren. Der Nachteil ist, dass dies ein ungeheurer Aufwand ist, der keine Fehler an irgendeiner Stelle des Prozesses zulässt.

Zudem würde die kreative und innovative Arbeit der Wirtschaft eingeschränkt werden, was die Flucht aus dem Land begünstigen würde. Viel besser ist die zweite Option, welche ich auch als wahrscheinlicher ansehe: Die Öffnung der Kapitalgrenzen.

In den nächsten Jahren wird sich China von dem festen Wechselkursregime verabschieden, so meine Vermutung. Dadurch wird die Wirtschaft ein offener Markt sein, der viel deutlicher den bekannten Dynamiken unterliegt.

Das wird nicht nur ausländische Gelder ins Land holen, sondern auch Chinesen die Möglichkeit geben, im Ausland zu investieren, was aktuell nur sehr begrenz möglich ist, wenn überhaupt. Damit würde auch die Hong Konger Börse, welche ja als Schleuse für Kapital nach China fungiert, an Relevanz verlieren, die anderen beiden Börsen aber dadurch deutlich an Bedeutung gewinnen.

Seit Jahren schon schreiben chinesische Unternehmen immer mehr Aktien auf die Heimatbörsen um und lassen sich lieber im Ausland doppelt listen als in Hong Kong zu bleiben. Mit der Wahl des neuen Verwalters der Region, John Lee, dürfte Hong Kong auch politisch immer mehr in den Rest Chinas eingegliedert werden; nicht umsonst herrscht dort seit einigen Jahren zunehmend Unruhe.

Die Zeichen deuten insgesamt also auf eine Öffnung der Kapitalgrenzen, was auch die Politik bereits vor Jahren schonmal andeute.

Besser als gedacht!

Die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Privatbank, glänzt unter Leitung von Manfred Knof mit deutlich gestiegenen Ertragszahlen. Diese beliefen sich im 1. Quartal auf €2.795 Milliarden, was einer Zunahme von 12% im Vergleich zum vergangenen Jahr entspricht.

Der Überschuss hat sich mit €284 Millionen im 1. Quartal innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt und auch der Gewinn aus dem operativen Geschäft stieg auf €544 Millionen an, was die Schätzungen der Analysten, die von nur €282 Millionen ausgegangen waren, deutlich übertrifft.

An der Börse kann die Commerzbank ebenfalls überzeugen, denn ihre Aktie gewann zuletzt rund 3% und gehört damit aktuell zu den stärksten Werten im MDAX. Bemerkenswert ist, dass das Finanzinstitut dieses Wachstum trotz der Belastungen einer erhöhten Risikovorsorge erzielen konnte.

Diese wurde innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht und stieg von €149 Millionen auf €464 Millionen an. Knof führt diese ausgezeichneten Ergebnisse auf ein „starkes Kundengeschäft“ zurück, das sich in allen Bereichen gut entwickelt hätte.

Zudem dürfte die Bank auch von Erhöhungen des Leitzinses in Polen profitiert haben, wo sie mit ihrem Ableger mBank einen wichtigen Markt hat. Die weiteren Prognosen sehen für das Geldhaus ebenfalls rosig aus.

Knof ist überzeugt, einen Konzerngewinn von mehr als €1 Milliarde erzielen zu können – sofern die Risikovorsorge nicht noch weiter aufgestockt wird und sich die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges nicht weiter verschärfen.

Die Deutsche Bank konnte sich ebenso trotz aller Umstände aus ihrer jahrelangen Krise befreien und den höchsten Quartalsgewinn seit 9 Jahren erzielen. Die gesamten Erträge des Konzerns stiegen um 1% auf €7.3 Milliarden und auch die im DAX notierte Aktie konnte zuletzt etwa 2% Zuwachs verbuchen.

Der Überschuss betrug im 1. Quartal fast €1.1 Milliarde und nahm damit innerhalb eines Jahres um 21% zu. Auch dieses Ergebnis übertrifft die Erwartungen der Analysten, die nur mit rund €950 Millionen gerechnet hatten. Wie die Commerzbank musste auch die Deutsche Bank einer erhöhten Risikovorsorge trotzen.

Mit €292 Millionen legte sie viermal so viel Geld als Sicherheit zurück wie im 1. Quartal des vergangenen Jahres. Als Haupteinnahmequelle für die starken Erträge ist mit €1.5 Milliarden weiterhin das Investmentbanking zu nennen, das der Bank durch den Handel mit Wertpapieren und Währungen Geld einbringt.

Doch auch im Bereich der Unternehmens- und Privatkunden konnten die Gewinne gesteigert werden. Chef Christian Sewig, der im Sommer 2019 für eine umfassende Umstrukturierung gesorgt hatte, ist in jedem Fall zufrieden. Sie hätten bewiesen, dass sie „in besonders schwierigen Zeiten besonders gut sind“.

Beide Finanzinstitute konnten also durch Umbaumaßnahmen ihr Wachstum wieder auf Kurs bringen und den aktuellen Unsicherheiten trotzen. Die Wende in der Zinspolitik an den Kapitalmärkten dürfte ihnen nun zusätzlich unter die Arme greifen. Experten schätzen, dass die Banken in diesem Jahr deutlich davon profitieren werden.

Neues aus Indien

Die USA haben einen globalen Anteil von 55.9% am globalen Aktienmarkt. Weit abgeschlagen liegt Japan auf dem zweiten Platz – mit einem Anteil von 7.4%.

Die zweitgrößte Wirtschaft, China, liegt auf Platz 3 mit 5.4%. Deutschland kommt mit 2.6% erst auf Platz 7 (alles Stand Januar 2021). Es ist ja nicht so, dass diese Länder nichts zu bieten hätten; auch hier gibt es wertschöpfende und innovative Unternehmen mit legitimen Wachstumsaussichten. Allerdings haben sie den Vorteil aus den Fehlern der Vorreiter zu lernen.

Auch Indien entwickelt sich als Finanzplatz, was nicht zuletzt daran liegt, dass das Land seit dem Jahr 2000 massives Wirtschaftswachstum und zudem eine der höchsten Raten von Armutsbekämpfung aufweist. Mit 1.4 Milliarden Einwohnern ist Indien weiterhin das zweitgrößte Land der Welt, liegt aber nur rund 4 Millionen hinter China.

Wie der Lauf der Dinge eben ist, wird auch die Wirtschaft weiter wachsen, und mit ihr der Finanzmarkt. Da aber eben Länder, wie die USA, schon einige Entwicklungen durchgemacht haben, kann man hier auf die Erfahrungen anderer Länder aufbauend einige Dinge anders machen.

Nandan Nilekani ist einer der Mitgründer und Vorsitzender von Infosys Ltd., zweitgrößten indischen Software-Unternehmen. Mal abgesehen davon, dass die Aktie des Unternehmens seit dem Corona-Tief 2020 trotz Korrektur noch immer über 170% im Plus steht, zählt es zu den wenigen starken Global Playern aus Indien.

Nun hat Herr Nilekani ein anderes Ziel: Er möchte mit der indischen Regierung den Onlineshops Flipkart und Amazon den Kampf ansagen.

Das 2007 gegründete Unternehmen, Flipkart, hat bereits jetzt einen Marktanteil von 39.5% am indischen Markt und einen Umsatz von umgerechnet $5.6 Milliarden. 2018 erwarb Walmart Inc., ein Titel, den wir auch im Dow30-Aktienpaket führen, 77% des Unternehmens für $16 Milliarden. Zusammen haben Flipkart und Amazon einen Marktanteil von 80%.

Durch die Vormachtstellung von Amazon und anderen lokalen Onlineshop-Giganten, ging in den letzten Jahren der klassische Einzelhandel immer mehr in die Knie. Weder in Sachen Preis noch in Sachen Bequemlichkeit können andere da mithalten.

In den physischen Laden geht man nur noch, um sich beraten zu lassen, gekauft wird dann bei Amazon. Kleinere traditionelle Läden haben dabei keine Chance mehr und müssen sich an die Kaufgewohnheiten der Stammkundschaft verlassen. Das möchte Nilekani zusammen mit der indischen Regierung vermeiden.

Mit einem sogenannten „Open Network for Digital Commerce“, welches von der Regierung aufgebaut wird, sollen kleine Händler die Möglichkeit bekommen, dieselbe Reichweite und dasselbe Verkaufspotenzial erlangen, wie größere Händler über Amazon.

Nilekani sagte, dass man es Millionen von kleinen Verkäufern schuldig sei, ihnen den Zugang zum rapide wachsenden eCommerce-Markt zu gewähren. Das Pilotprojekt soll nächsten Monat schon starten und drei indische Großbanken haben schon Anteile am Unternehmen.

Interessanterweise hat Amazon schon direkt eingeworfen, dass man das Modell verfolgen wird, um es besser zu verstehen. Man möchte eventuell eine Rolle spielen. Somit lernt Amazon aus einem Projekt, was aus dem Lernprozess zur Amazon-Entwicklung entstanden ist. In jedem Fall wird der indische Markt in diesem Sektor, wie auch anderen Sektoren, noch sehr spannend sein!

 

Inflation zerstört Wachstum: Was ist dran?

Dies ist nicht nur hierzulande so, sondern auch in vielen anderen Ländern, wo aktuell Inflationslevel erreicht werden, die zuletzt vor Jahrzehnten Realität waren. Dadurch wird die Politik kritisiert, aber auch Zentralbanken kriegen immer mehr Unmut ab. Vorgehalten wird ihnen, dass die Zinsanpassungen nach oben nicht radikal genug sind.

Einige Länder, wie zum Beispiel Japan oder Indien, beharren auf den Niedrigzins. Wenn wir in die Finanzwelt schauen, so macht sich vermehrt die Meinung breit, dass der inflationäre Druck die globalen Märkte belastet und die aktuellen Korrekturphasen dadurch bestärkt werden. Ist dem aber wirklich so?

Vorneweg möchte ich Ihnen sagen, dass ich Ihnen dazu keine definitive Antwort geben kann. Der Umfang dieser Fragestellung ist zu groß, um sie in ein paar hundert Worte zu verpacken. Wo auch immer Sie lesen, dass man die Antwort zu dieser Frage gefunden hat, wenn der Beitrag unter 100 Seiten lang ist, glauben Sie nicht dran.

Hierzu braucht man riesige Datenmengen und verschiedenste Analysemodelle und Methoden. Was uns bleibt, sind hypothetische Ansätze, in die wir denken können. Angehen sollte man diese aber mit einem offenen Geist, um den Diskurs mit anderen Denkweisen zu ermöglichen. In diesem Beitrag gehe ich auf ein Argument ein, was andeutet, dass Inflation im Gegenteil sogar Wachstum an den Finanzmärkten bewirken könnte.

Nehmen wir mal ein Land mit einer sehr hohen Inflationsrate, die Türkei. In der Türkei lag die Inflation im März 2020 bei 11.86%, was schon sehr hoch, aber im Kontext der jahrelangen Wirtschaftskrise nicht gerade verwunderlich war. Gegen Ende 2020 stieg das Preislevel hier aber auf über 14% und setzte über das ganze Jahr 2021 seine Anstiege bis auf 19.89% bis letzten Oktober fort.

Dann ging es rapide nach oben. Von Oktober bis März schoss die Inflation auf 61.14% und verschärfte die wirtschaftliche Lage im Land. Weder Gehälter und Löhne noch Sozialhilfen kommen hier nach, um die Bürger zu entlasten. Die erhöhte Kreditvergabe schädigt das Risikomanagement der Banken. Die Stimmung ist am Boden.

Aber was macht der Aktienmarkt? Seit dem 1. Oktober 2021 donnert der türkische Leitindex, BİST100, nur noch nach oben. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch von 82.44% notiert der BİST100, welcher sich aus den 100 größten Unternehmen des Landes zusammensetzt, aktuell bei rund 77.73% über dem Level vom 1. Oktober 2021.

Anders als die großen Finanzplätze, wie den New York, London, Frankfurt, Paris oder Amsterdam, ist der İstanbuler Handelsplatz nicht so zugänglich, was regulatorische, strategische, aber auch unternehmerische Gründe hat.

Das bedeutet, dass die Entwicklung am türkischen Aktienmarkt relativ isoliert betrachtet werden kann. Sprich, in einem überwiegend nationalen Umfeld können die Anstiege also auf die innerwirtschaftliche Verhältnisse zurückgeführt werden.

Die markanteste Entwicklung ist dabei der Inflationsanstieg. Wenn Geld weniger Wert ist, steigt auch die Attraktivität von Aktienpreisen. Zudem suchen Bürger Schutz vor der Inflation. Während liegendes Geld ohnehin schon Wert verliert, kann es in Form von Wertanlagen vor weiteren Verlusten geschützt werden.

Wie oben besprochen, ist dies nur ein hypothetischer Ansatz und bedeutet nicht, dass die herausgefilterte Korrelation auch eine Kausalität darstellt. Dennoch steht dieses Beispiel im starken Kontrast zum allgemeinen Glauben, dass Inflation Wachstum verhindert. In jedem Fall eröffnet uns das Beispiel der Türkei eine Tür zu einer unglaublich spannenden Debatte, die geführt werden muss.

Job als Investmentbanker

Viel Getümmel auf dem physischen Handelsplatz, 5 klingelnde Telefone, aggressive Rhetorik und Chaos sind nur einige wenige Elemente, die sich bei uns vor dem geistigen Auge auftun, wenn wir an diesen Beruf denken.

Hinzu kommen dann die finanziellen Vorzüge, wie Yachten, Sportwagen und Privatjets und ein, sagen wir mal, aktives Nachtleben. Nach der Wirtschaftskrise 2008 scheint sich aber der Trubel um diesen Beruf gelegt zu haben. Das Image vom Aktien-Hai verschwimmt immer weiter.

Jedoch kamen wieder zwei Fälle vor Gericht, die uns Einblicke in diesen Beruf geben. Was wir da sehen, zeigt uns, dass es nicht weniger unschuldig zugeht als in den frühen 2000er Jahren.

2019 wurde der Chef der Derivaten-Sparte der Bank, BNP Paribas, entlassen, weil er eine Mitarbeiterin vor versammelter Mannschaft wegen eines $800 000-Fehlers niedergemacht hat. In der Aufregung hat er sie als „nutzlos“ und „inkompetent“ bezeichnet. Aus einem internen Bericht kam zudem hervor, dass dies nicht der einzige Fall eines Ausrasters in dieser Form war.

Nun steht der ehemalige BNP-Chef vor Gericht und klagt gegen seinen alten Arbeitgeber wegen unfairer Entlassung. Dabei fordert er Entschädigung in Höhe von $4 Millionen. Seine Reaktion auf Fehler seitens der Mitarbeiter waren, laut ihm, „temperamentvoll“, aber nicht beleidigend. Dagegen beschrieben Mitarbeiter sein Verhalten als „emotionalen Terrorismus“.

Ein ähnliches Szenario spielte sich wohl auch bei der UBS Bank ab, wo Trader das Umwelt auf dem physischen Handelsplatz als äußerst toxisch bezeichnen und das Herumschreien von Beleidigungen durch die Räume wohl nicht gerade selten vorkommt.

Gegen die UBS wird vor einem Londoner Gericht vorgegangen. Die Anwälte der Bank sagen aber, dass die Natur des Geschäfts einen gewissen Druck unumgänglich macht.

Druck wurde auch anderweitig auf Mitarbeiter der JPMorgan Chase Bank gemacht. Der CEO persönlich sagte im Januar noch, dass man nicht ungeimpft in sein Büro zurückkehren darf. Die Option des Home-Office wurde immer weiter in den Hintergrund gestellt und vom CEO mit der Aussage begründet, dass man die Angestellten nicht dafür bezahlt, nicht im Büro zu arbeiten.

Auch die Citibank übte ähnlichen Druck aus und drohte mit Kündigungen. Gerade die Investmentbanking-Sparte ist als Flaggschiff-Sparte dieser Banken im Fokus, um die Performance aufrechtzuerhalten.

Somit kann man sagen, dass es in den Großbanken noch immer sehr offensiv zugeht, auch wenn das heute nicht mehr so in den Vordergrund rückt.

 

Ehrliche Bedenken

Besonders seit Anfang März beschleunigte sich der Absturz der Währung und verlor um weitere 10%, was für die drittgrößte Wirtschaft der Welt schon ein alarmierendes Zeichen ist.

Suzuki gab zu verstehen, dass schwache Wechselkurse durchaus Vorteile mit sich bringen, in diesem Fall aber solche eher Schäden verursachen.

Gehen wir das mal Schritt für Schritt durch. Wenn eine Währung Wert gegen eine Leitwährung, wie den US-Dollar, verliert, hört sich das erstmal schlecht an. Jedoch wird der Markt für globale Abnehmer interessanter, denn durch den geringeren Wechselkurs sinkt der nominale Kaufwert.

Als Beispiel könnte man sagen, dass nun japanische Staubsauger attraktiver für den Weltmarkt sind, denn man kann mit weniger Geld mehr Staubsauger kaufen. Dies setzt aber mehrere Sachen voraus. Erstens darf die Währung nicht zu schnell und zu viel Wert verlieren, denn sonst adaptieren die Hersteller ihre Preise zu schnell an die Entwicklung und gleichen damit Kaufreize aus.

Zudem sollte die absolute Exportsumme über dem Importvolumen liegen oder mit den Veränderungen im Wechselkurs darübersteigen.

Japan galt seit den frühen 80ern als Export-Land. Dementsprechend überstiegen die Exporte die Importe sehr deutlich. Mit der Finanzkrise rutschte Japan aber stark in ein sogenanntes Handelsdefizit, was bedeutet, dass die Importe die Exporte übersteigen. Zwar kam die Wirtschaft diesbezüglich wieder auf die Beine, kreuzte aber die Linie zwischen Defizit und Plus öfter als in den starken Jahrzehnten.

Zuletzt lag das Defizit auf Minus-Ebenen, die seit 2014 nicht mehr erreicht wurden. Der schwächelnde Yen kann also darauf hindeuten, dass die Marktdynamik Exporte durch eine Abwertung wieder attraktiv machen möchte. Als produzierendes Land mit Marken, wie Sony, Toyota, Nissan, Toshiba, Canon und vielen anderen, hat das Land auf jeden Fall viel, was man um die Welt schicken kann.

Da aber die globalen Lieferketten stark belastet sind und Japan nicht gleich westlich von Andorra liegt, steht hier ein klarer Export-hemmender Faktor im Raum. Durch die weltweit steigende Inflation belastet das Handelsdefizit auch die Gesamtperformance der Wirtschaft und erhöht den inflationären Druck.

Gepaart mit der schwachen Währung, könnte der Binnenmarkt deutlich geschwächt werden. All dies sind Faktoren, die Finanzminister Suzuki offen zur Sprache bringt. Vergessen darf er aber nicht, dass seine Wirtschaft nicht einfach austauschbar ist und somit einen großen Wettbewerbsvorteil hat. Die oben benannten Marken sind nicht grundlos bekannt.

Auch wenn die aktuelle Lage brenzlig ausschauen mag, so steht Japan für Qualität – und Qualität wird immer Nachfrage generieren.

Wirtschaftskrise in den USA – Wie realistisch ist es?

Suggeriert wird einem stattdessen, dass jede Art des wirtschaftlichen Austauschs angehalten wird. Dies ist aus der Natur der Dinge schon nicht möglich, da wir Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf brauchen. Alleine ist die Beschaffung dieser Dinge sehr schwer. Wirtschaft hilft uns durch die Nutzung eines Tauschmediums effizient zu kooperieren.

Wenn wir aber etwas moderater an die Sache herangehen und eine Wirtschaftskrise als einen markanteren, konjunkturellen Rückgang bezeichnen, so haben wir ein Thema für eine valide Diskussion. Was müsste aber in den USA passieren, dass dies geschieht?

Geographisch sind die USA zu vorteilhaft positioniert, als dass externe, physische Faktoren hier eine Krise auslösen könnten. Deshalb lassen wir mal diesen Aspekt außen vor. Beginnend mit der Arbeitslosenzahl ist hier zu erwähnen, dass die USA der Vollbeschäftigung so nah sind, wie zuletzt in 1969.

Wer sich mit Finanzgeschichte auskennt weiß, dass dies eine Zeit war, in der die USA die Fundamente für das Wachstum in den 90er-Jahren gelegt hat und begann sich im Rennen gegen die Soviet Union abzusetzen. Allerdings war das monetäre Umfeld ein deutlich anderes.

Damals waren die internationalen Finanzflüsse unter dem Bretton-Woods System noch intakt, wenn auch schon am Bröckeln. Die Staatsverschuldung war nur ein Bruchteil des aktuellen Levels. Aber dafür war auch die Börse unterentwickelt und das Bruttoinlandsprodukt weniger als ein Zwanzigstel des heutigen Volumens.

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Heute ist zudem auch noch der Fall, dass Kapital sehr günstig zu erlangen ist. Wenn man das im Kontext der hohen Beschäftigungszahlen sieht, so sind hier steigende Preise kein Wunder, denn wenn die Unternehmen aus Sicht des Personals schon ausgelastet sind und mit günstigen Krediten neue Projekte finanzieren, für diese aber immer weniger Leute finden, so spiegelt sich dies im Preis wider.

Somit ist das nordamerikanische Inflationssignal ein positiv zu wertendes. Auch den Kapitalmärkten kommt das günstige Geld zugute, denn hier übersteigen die Gewinne die Beleihungskosten um ein Vielfaches. Da es unrealistisch ist, dass die Zinsen innerhalb kurzer Zeit drastisch aufgestockt werden, kann man an den Aktienmärkten noch lange mit Anstiegen rechnen.

Trotz aktueller Korrekturen in den Indizes Dow Jones Industrial Average, Nasdaq 100 und S&P 500 sind unsere Aussichten für diese Märkte klar bullisch. Zwar hat der Nasdaq deutlicher nachgegeben, aber dies ist auf die allgemein höhere Volatilität der Technologie-Titel zurückzuführen.

Auf lange Sicht erwarten wir aber, dass der Index in Richtung 20000 Punkte steigt und nach kurzen Korrekturen diese Anstiege bis weit über 22000 Punkte ausdehnt. Beim Dow liegt unser ideales Mindestziel der nächsten Jahre über 55000 Punkte, während der S&P 500 in Richtung 7000 Punkte zusteuern sollte.

Wer aber so hoch steigt, muss deutlicher korrigieren. Wir würden diese Bewegungen nicht als Crash oder dergleichen bezeichnen, aber markante Rückgänge wird es irgendwann geben müssen, wenn die Märkte überhitzt sind.

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Wir bewerten diese Bewegungen zwar aus Chartsicht, aber das wird sicherlich zu der Zeit nicht in den Nachrichten so beschrieben werden, denn man braucht ja immer externe Gründe. Ich denke, dass es wieder zu Labilität im Bankensystem kommen wird.

Weil Geld aktuell und auch noch in den nächsten Jahren günstig bleiben wird, werden Banken dazu gezwungen sein, die Kreditvergabe auch an weniger kreditwürdige Kunden auszuweiten, da die Nachfrage von Kunden in geringeren Risikoklassen nachlassen wird.

Man könnte auch sagen, dass der Markt nach guten Kunden ausgeschöpft wird und die weniger guten Kunden bedient werden müssen. Dann gibt es wieder großen Wirbel und Crash-Ängste und am Ende steigen die Kurse noch stärker als heute. Alles nimmt seinen natürlichen Lauf.

 

Wie diversifiziert ist die globale Wirtschaft? – Teil 2

Langfristig müssen diese Fragen dann empirisch aufgearbeitet werden, um entsprechende Anpassungen vorzunehmen. In dem ersten Beitrag lag der Fokus der Fragestellung darauf, wie abhängig die globale Wirtschaft von westlichen Unternehmen in strategischen Schlüsselpositionen ist.

Dabei ging ich insbesondere auf die 4 großen Wirtschaftsprüfergesellschaften, Deloitte, E&Y, KPMG und PwC ein, sowie die beiden Zahlungsdienstleister, Visa und Mastercard.

Auf meiner Suche nach weiteren Fragen stieß mir die Rohstoffthematik ins Auge. Wenn man im Kontext der Ukraine-Krise an russische Sanktionen und mögliche Vergeltungsschläge denkt, so kommen einem Öl und Gas in den Sinn – nicht zuletzt, weil gerade in Deutschland die Debatte um die Abhängigkeit der beiden Energieträger aktuell recht prominent ist.

Allerdings gehen die Implikationen der Krise deutlich über diese beiden Rohstoffe hinaus. Auch der Lebensmittelmarkt kommt unter Druck.

Die Ukraine war 2021 mit einem Marktanteil von 10% weltweit der sechstgrößte Exporteur von Weizen. Zudem ist das Land auch einer der Top-Exporteure von Gerste, Sonnenblumenkerne und Raps, auch wenn es gleichzeitig eines der ärmsten Länder Europas ist. Der Produktionsrückgang schlägt aber derzeit global Wellen.

Besonders Ägypten wurde davon getroffen, da das Land über 80% seines Weizens aus der Ukraine und aus Russland bezog. In einem Kulturkreis, in dem sämtliche Formen von Weizenbrot massiv konsumiert werden, wundert es nicht, dass der Staat die Weizenprodukte subventioniert, um hier für Preisstabilität zu sorgen.

Mit den rapide steigenden Preisen, welche durch die Knappheit an Weizen angetrieben wurden, hat die Ukraine-Krise den ägyptischen Haushalt durcheinander gebracht.

Ähnlich geht es Indonesien, wo Nudelpreise durch die Decke gehen. Hier sind die abgepackten Ramen-Nudeln sehr beliebt und fester Teil der indonesischen Küche. Auch Tunesien, Thailand und Marokko setzen auf ukrainische Exporte. Freuen werden sich aber die Inder, die nach China zweitgrößter Weizenexporteur sind.

Hier plant man mit einer Exportmenge von rund 12 Millionen Tonnen in diesem Jahr, was ein starker Kontrast zu den 8.5 Millionen Tonnen im letzten Jahr ist. Und hier beginnen die Fragen.

Es ist natürlich klar, dass sich Abnehmer von verschiedensten Gütern nach Alternativen umschauen, aber es zeigt auch wie sehr man sich auf die Sicherheit der Vorkrisenzeit verlassen hat. Wie kann es sein, dass ein so armes Land so verschiedene Regionen so beeinflussen kann?

Wie kann es sein, dass die Produktion von verschiedenen Gütern und Rohstoffen an einigen, wenigen Schlüsselakteuren hängt? Wieso bestehen auf staatlicher Ebene in den wenigsten Ländern anständige Maßnahmen, um die Effekte von Schocks aufzugreifen?

All das sind wichtige Fragen, die gestellt werden müssen. Und das am besten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Der Markt regelt alles, sagt man ja, aber sagen Sie das mal der ägyptischen Mutter, die nun das Fladenbrot am Abendtisch rationieren muss.

Ich würde drum wetten, dass die Personen, die jetzt sagen: „was interessiert mich die ägyptische Mutter oder der Indonesier mit seinen Nudeln“, ebenfalls die Leute sind, die im Supermarkt die Kassierer angehen, weil das Sonnenblumenöl nun doppelt so viel kostet.

Was der Markt nicht regeln kann, muss der Staat mit Voraussicht planen. In einer diversifizierten Weltwirtschaft muss Produktion und Distribution dezentraler verlaufen. Heute sind es Weizen, Sonnenblumenöl und Raps. Morgen erwischt eine Dürre den Mittelmeerraum und uns gehen die Tomaten aus.

Übermorgen gibt es einen Konflikt in Lateinamerika und die Bananen werden knapp. Genauso, wie die Weltwirtschaft von westlichen Finanzakteuren abhängig ist, so ist sie auch immer von bestimmten Regionen abhängig.

Entweder muss hier eine flächendeckende Diversifizierung stattfinden oder ein international-rechtlicher Rahmen zur Bewahrung der Produktion von Gütern her. Wenn Sie mich fragen, so ist die erste Option deutlich realistischer, braucht aber mehr politische Voraussicht.

 

Großbritannien: Steuersenkung

Hierzulande kann man trotz merkbarer Belastung noch davon träumen, dass es hier zur Senkung der Steuern kommt, auch wenn die Regierung ja aus Parteien besteht, die im Vorfeld ja zumindest für bestimmte Gruppen Steuersenkungen vorgesehen hatten.

Naja, jedenfalls gab der britische Finanzminister, Rishi Sunak, gestern einen Plan bekannt, der Steuerentlastungen von insgesamt 6 Milliarden britischen Pfund für Arbeiter beinhaltet. Zudem soll die Mineralölsteuer gesenkt werden. Auch perspektivisch gab Herr Sunak zu verstehen, dass langfristig auch die Einkommensteuer gesenkt wird.

Die Maßnahmen sind die umfangreichsten Steuerentlastungen seit rund 25 Jahren, so Sunak. Dies ist aber gar nicht mal so unverhältnismäßig, wenn man bedenkt, dass die Regierung von einer Inflation von über 8.7% ausgeht – so hoch, wie in 40 Jahren nicht mehr. Besonders unter Druck sind zwar Energie- und Tankpreise, aber auch Lebensmittel und Elektrogeräte werden merkbar teurer.

Angetrieben ist dies in Großbritannien hauptsächlich durch eine Arbeitnehmerknappheit. Durch die stark nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik in der Pandemie, kamen die Unternehmen nicht mehr hinterher, die Nachfrage zu stillen. Da dies global so war, entwickelten sich zusätzlich noch Lieferengpässe, die die Logistikpreise zum Teil verzehnfachen ließen.

Mit dem Brexit wurde es auch auf einmal schwieriger ausländische Arbeitnehmer zu finden. Deshalb wurden hierzu sogar neue Regelungen eingeführt, die es ausländischen Arbeitskräften ohne festen Wohnsitz in Großbritannien dort zu arbeiten. Dennoch konnte der Markt dieses Ungleichgewicht nur durch höhere Preise ausbalancieren.

Dies bleibt natürlich an den Bürgern hängen, die mit gleichem Geld mehr zu zahlen haben. Dieses Jahr sollen die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 3% angehoben werden, was die höchste Zunahme in über 10 Jahren ist. Allerdings muss man kein Mathematiker sein, um zu sehen, dass bei fast 9% Inflation auch mit einer solchen Erhöhung die Rechnung nicht aufgeht.

Herr Rishi Sunak hat dies erkannt und ein sehr großzügiges Paket geschnürt, und selbst das könnte nicht die gewünschte Entlastung bringen.

Unter anderem wurden die Untergrenzen für die Versicherung angehoben, eine Einkommenssteuersenkung für 2024 angekündigt, eine 5-Pence Kürzung pro Liter Treibstoff eingeführt, die Mehrwertsteuer für den Verkauf von energieeffizienten Elementen (Solarpanele, Isolation, Wärmepumpen etc.) gestrichen, ein 1-Milliarde-Pfund Programm für Briten in Armut ins Leben gerufen und eine Regelung zur Steuerrückzahlung von Kleinunternehmen auf 5000 Pfund hochgesetzt.

Natürlich dürften diese Entlastungen nur moderate makroökonomische Effekte haben. Moralisch jedoch denke ich, dass sich die Bevölkerung hierauf freut, da es im schlimmsten Fall als symbolischer Akt gesehen werden könnte. Einzig Großunternehmen wurden erstmal nicht entlastet, aber auch hier versprach Herr Sunak, dass im Herbst hier Investitionen geringer besteuert werden sollen.

Verkneifen kann man sich bei diesen Nachrichten den Wunsch nicht, dass ähnlich großzügige Maßnahmen auch hierzulande eingeführt werden sollen. Naja, man darf ja zumindest noch träumen.

 

Wie diversifiziert ist die globale Wirtschaft?

In Anlegerkreisen ist über die Wichtigkeit der Diversifizierung nicht zu diskutieren. Ohne diese ist an Erfolg nicht zu denken – weder kurz- noch langfristig. Diese Regel gilt für den Privatanleger genauso wie für den institutionellen Anleger. Generell ist die Mikro-Makro-Analogie ein gutes methodisches Mittel, um Erklärungen für unbeantwortete Fragen an einem Ende des Spektrums zu finden.

Mit anderen Worten: man kann Probleme auf der Makroebene oftmals mit bekannten Analogien auf der Mikroebene lösen und umgekehrt genauso. Nur um es noch deutlicher zu beschreiben, können wir ja mal auf das Thema Staatsverschuldung blicken.

Wenn eine Privatperson sich verschuldet, sodass sie ihre Ausgaben nicht decken kann, ist sie in einer schwierigen Situation. Wenn sie sich aber verschuldet, um Investitionen zu finanzieren, so ist sie in einer starken finanziellen Situation. Dasselbe gilt für Staaten.

Nun können wir das Thema Diversifizierung einmal aus der eigenen Perspektive sehen. Hierbei ist der finanzielle Erfolg ja in einer starken Abhängigkeit von wenigen Faktoren, wenn man sein Kapital einseitig anlegt. Sind Sie beispielsweise nur in Edelmetalle investiert, so kann bei einem ungünstigen Einkaufspreis der Gewinn teilweise Jahre oder Jahrzehnte auf sich warten lassen.

Dasselbe gilt aber auch für andere Anlageklassen. Diversifiziert aufgestellt zu sein, mindert die Zeit, in der Ihr Kapital auf dem Abstellgleis auf neue Allzeithochs wartet – Sie sind weniger abhängig von einigen wenigen Faktoren. Das ist die Mikroebene. Diese ist ebenso auf die Makroebene des institutionellen Anlegers zu übertragen.

Dies kann man jedoch noch mal abstrahieren und auf eine noch höhere Ebene setzen. Ganze Volkswirtschaften müssen ebenso diversifiziert sein, damit sie auch in strukturell schwierigen Zeiten das Abwärtsrisiko mindern und stabil bleiben oder gar wachsen.

Hier wird es natürlich sehr komplex, denn da müssen Sektoren nicht nur gegeneinander ausbalanciert werden, sondern auch sektorintern muss es eine Balance geben. Als Beispiel kann hier der Energiemarkt herangeführt werden, wo verschiedene Energiequellen im Zusammenspiel stehen sollten, damit externe Faktoren die Versorgung nicht in Gefahren bringen.

Hier hört es aber nicht auf. Eine Stufe weiter haben wir die globale Wirtschaft, welche ebenfalls eine Diversifizierung braucht, um keine strukturellen Rückentwicklungen zu riskieren. Im Rahmen der aktuellen Ukraine-Krise fällt aber immer mehr auf, wie wenig dies der Fall ist.

Zum einen wird deutlich, wie weitreichend die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen wie Gas und Öl ist, zum anderen aber auch, wie mächtig einige Schlüsselakteure geworden sind, die sich im Westen befinden. Unternehmen wie Visa und Mastercard sind mittlerweile so tief in Wirtschaftsabläufe integriert, dass sie eine wirtschaftsübergreifende Macht bekommen könnten.

In einer solchen Situation können dann einige wenige Akteure, welche zudem kein Mandat der Weltöffentlichkeit haben, Veränderungen forcieren. Bei den Wirtschaftsprüfergesellschaften, wie den sogenannten Big Four, ist dies schon länger klar, aber es wurde international immer gehofft, dass sich diese Akteure einfach konform verhalten.

Visa und Mastercard haben vorgestern bekanntgegeben, dass sie sich als Antwort auf den Einmarsch in die Ukraine aus dem russischen Markt zurückziehen. Damit möchte man dazu beitragen, das Land finanziell zu isolieren. 2020 wurden rund 74% der getätigten Zahlungen von einem der beiden Zahlungsanbieter abgewickelt.

Dies ist der geringen Diversifizierung der nationalen Zahlungsstruktur in dem Land geschuldet. Man kann auch sagen, dass die Produkte von Visa und Mastercard einfach zu gut sind. Bekanntermaßen ist das Hauptargument für die Benutzung der Produkte deren universelle und globale Anwendung. Sie haben sich durch ihre Qualität und ihren Nutzen weltweit etabliert, jedoch wirft es trotzdem die Frage auf, inwiefern so ein Monopol der globalen Wirtschaft guttut.

Beim Beispiel der Wirtschaftsprüfer ist dies noch deutlicher. Die Big Four, Ernst & Young, KPMG, Deloitte und PricewaterhouseCoopers, haben ihre Arbeit in Russland eingestellt und lassen somit die Unternehmen gerade in der Hauptversammlungssaison alleine.

Besonders die Großkonzerne setzen auf die Arbeit der global anerkannten Wirtschaftsprüfer, um der Welt zu zeigen, dass die Bilanzen sauber sind. Es hat sich eingebürgert, dass ein positives Urteil der großen vier als Qualitätssiegel gilt, auf das vor allem internationale Großinvestoren setzen.

Mal abgesehen davon, dass auch ein positives Bilanzurteil die russischen Aktien nicht aus dem Boden holen würde, so zeigt die Entscheidung der Wirtschaftsprüfer, wie mächtig ihre Stellung und wie abhängig die globale Wirtschaft von ihren Urteilen ist.

Nur um es hier klarzustellen: in diesem Artikel bewerte ich weder die Richtigkeit der Sanktionen, noch dass die westliche Wirtschaft ihr Monopol ausnutzt. Vielmehr geht es darum, aus den Beobachtungen der aktuellen Entwicklungen wichtige Fragen zu formulieren und mögliche Schwächen zu identifizieren. Somit überlasse ich Ihnen diesen Denkanstoß mit der abschließenden Frage: Wie diversifiziert ist die globale Wirtschaft?