Märkte vor Weihnachten bereits im Feiertagsmodus

An den europäischen Aktienmärkten fallen die Bewegungen vor den bevorstehenden Weihnachtsfeiertagen erwartungsgemäß gering aus. Der U.S. Dollar gab im Tagesverlauf etwas nach, bei den Rohölpreisen war heute nach den jüngsten Anstiegen eine Kehrtwende zurück nach unten zu beobachten. Die italienische Großbank Monte dei Paschi bat offiziell um staatliche Hilfe um einen Bankrott zu vermeiden, nachdem es nicht gelang fünf Milliarden Euro Kapital zu beschaffen. Das britische Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal überraschend an, auch das französische Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal dieses Jahres um 0,2 Prozent zu.

Die italienische Krisenbank Monte die Paschi steuert auf eine Rettung durch den Staat zu. Das Geldhaus aus der Toskana teilte am Mittwochabend mit, keinen Ankerinvestor gefunden zu haben. Die drittgrößte Bank des Landes hatte gehofft, den Staatsfonds von Katar überzeugen zu können, neue Aktien zu zeichnen. Dieser sollte allein eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen. Die Option sei nun jüngsten Aussagen von Monte die Paschi zufolge jedoch nicht mehr auf dem Tisch.

Auf einer Sitzung des italienischen Senats und der Abgeordnetenkammer gaben die Parlamentarier am Mittwoch grünes Licht, dass die Regierung bis zu 20 Milliarden Euro zusätzliche Schulden machen darf, um den angeschlagenen Bankensektor im Notfall stützen zu können. Die EU-Kommission nimmt die italienischen Staatshilfen für die Krisenbank Monte Paschi unter die Lupe.

Man arbeite mit der Regierung und den Aufsichtsbehörden zusammen, um zu klären, ob die Bedingungen für Staatshilfe im Einklang mit EU-Recht erfüllt seien, teilte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Freitag mit. Die Staatshilfen müssten nach den Beihilferegeln der EU auf Basis eines stabilen Sanierungsplans genehmigt werden. “Wir werden natürlich das Ziel der italienischen Behörden voll unterstützen, den italienischen Bankensektor im Einklang mit EU-Recht weiter zu stärken.”

Britisches BIP wuchs im dritten Quartal stärker als erwartet

Das britische Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal wurde überraschend nach oben revidiert. So wuchs das britische BIP während des dritten Vierteljahres um 0,6 Prozent, nach einem Plus in Höhe von 0,5 Prozent im vorhergehenden Qaurtal. Im Jahresvergleich wurde das Plus im dritten Quartal von 2,2 Prozent auf 2,0 Prozent nach unten revidiert. Auch die BIP-Daten für das erste und zweite Quartal wurden nach unten revidiert, so wuchs das BIP im ersten und zweiten Vierteljahr 2016 um 0,3 Prozent und 0,6 Prozent.

Das französische Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal dieses Jahres erwartungsgemäß um 0,2 Prozent. Die Verbraucherausgaben stiegen im November stärker als erwartet um 0,4 Prozent im Monatsvergleich, nach einem Plus in Höhe von 0,8 Prozent im Vormonat. Obwohl die Verbraucherausgaben im Monatsvergleich signifikant abnahmen lag der Wert für November deutlich über den Erwartungen von Analysten. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten rechneten nach dem signifikanten Anstieg im Oktober im Konsens mit einem leichten Rückgang im November.

 

Gemische Bewegungen an europäischen Aktienmärkten

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Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen fallen die Bewegungen an den europäischen Aktienmärkten derzeit eher spärlich aus. Der DAX bewegte sich leicht abwärts, auch der FTSE hatte leichte Verluste zu verzeichnen, während der italienische MIB stieg und bisher an einem Anstieg um 0,33 Prozent festhalten konnte. Die großen britischen und deutschen Aktienindizes können bisher ebenfalls an den jüngsten Aufwärtsbewegungen festhalten, während bei den großen amerikanischen Indizen derzeit Abwärtsbewegungen zu beobachten sind – Der Dow Jones nähert sich aktuell der psychologisch wichtigen 20000-Marke. In Asien setzte der ASX bisher die Weihnachts-Rallye fort, während die meisten anderen asiatischen Aktienindizes weiterhin unter Druck gerieten.

Die Rohölpreise setzten die Abwärtsbewegungen, welche nach der Veröffentlichung des Ölmarktberichts der U.S. Energiebehörde (EIA) ihren Anfang nahmen, auch heute fort. Laut den Daten der EIA wuchs der Gesamtfüllstand der U.S. Rohöl-Lagerbestände während der vergangenen Woche deutlich stärker als erwartet an. Weiterhin gerieten die Rohölpreise durch Meldungen unter Druck, denen zufolge davon auszugehen ist dass Libyen die tägliche Fördermenge demnächst um 270.000 Barrel ausweiten wird.. Erst kürzlich verdoppelte Libyen seine tägliche Fördermenge auf 600 Barrel pro Tag. Die amerikanische Leichtrohölsorte West Texas Intermediate (WTI) notiert derzeit bei $ 52.28 pro Barrel und damit 2 Cent oberhalb des tiefsten Preises der vergangenen zwei Tage. Dennoch notiert WTI aktuell 2,8 Prozent höher als in der Vorwoche und 9,1 Prozent höher als vor einem Monat, was auf die jüngste Einigung der OPEC-Staaten und anderen ölproduzierenden Ländern auf Fördermengenreduzierungen zur Preisstabilisierung zurückzuführen sein dürfte.

Der Präsident der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann warnte im Rahmen eins Interviews mit der „WirtschaftsWoche“ vor den Folgen der lockeren Geldpolitik der EZB, eine Straffung der Geldpolitik wäre eigenen Aussagen zufolge angezeigt.

Weidmann warnt davor, eine künftige Leitzinserhöhung aus Rücksicht auf politische Entwicklungen in der Euro-Zone hinauszuzögern. „Meine Sorge ist, dass im Falle unsolider Fiskalpolitik die Geldpolitik unter Druck geraten kann, auf eine Zinsanhebung zu verzichten, obwohl eine Straffung geldpolitisch angezeigt wäre“, sagte Weidmann gegenüber der „WirtschaftsWoche“ vom Donnerstag.

Der Bundesbank-Chef hatte jüngst in einer Rede in Frankfurt bereits eine ähnliche Sorge anklingen lassen: Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Notenbanken würden für die Politik in die Bresche springen oder die Geldpolitik würde sich an Wahlergebnissen ausrichten. Nach Einschätzung mancher Experten wird die Europäische Zentralbank (EZB) nicht vor 2019 am Nullzins rütteln.

Italienische Einzelhandelsumsätze überraschen positiv

Die jüngsten italienischen Einzelhandelsdaten überraschten positiv. So nahmen die Einzelhandelsumsätze im Oktober um 1,2 Prozent – und damit deutlich stärker als von Analysten erwartet – zu, nach einem Rückgang um 0,5 Prozent im Vormonat. Die starken Einzelhandelsdaten aus Italien, Frankreich und Deutschland deuten auf eine signifikante Verbesserung der Wirtschaft in der Eurozone hin und lassen im vierten Quartal dieses Jahres ein deutliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union erwarten.

Aktienmärkte reagieren auf Anschlag in Berlin – BoJ belässt Geldpolitik unverändert

An den europäischen Aktienmärkten waren heute leichte Aufwärtsbewegungen zu beobachten, nachdem die Kurse kurz nach Bekanntwerden eines vermutlichen Terror-Anschlags in Berlin kurzfristig einbrachen. Die Bank of Japan (BoJ) entschied erwartungsgemäß, weiterhin an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festzuhalten. Der U.S. Dollar bleibt aktuell stark, während der Euro weiterhin unter Druck gerät. Das EUR/USD Paar unterschritt kurzfristig die 104 Marke, während die Rohölpreise die jüngsten Anstiege fortsetzten und die 53-Dollar-Marke zurückeroberten.

 

Gestern kam es in Berlin zu einem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt, 12 Menschen starben und mindestens 48 Personen wurden verletzt. Ein Sattelzug raste in eine Budengasse eines gut besuchten Weihnachtsmarkts, was Erinnerungen an einen ähnlichen Anschlag in Nizza weckte. Von Seiten der deutschen Behörden hieß es, es sei von einem Terror-Anschlag auszugehen. Der mutmaßliche Fahrer des Sattelzugs wurde verhaftet, der Beifahrer des LKW wurde tot aufgefunden. Laut der Tageszeitung „Die Welt“ soll es sich beim LKW-Fahrer um einen Pakistaner handeln, der Anfang des Jahres als Flüchtling über die Balkanroute nach Deutschland eingereist war. Was in deutschen Medien bisher oft als Stimmungsmache von Populisten betitelt und verurteilt wurde scheint derzeit Realität in Deutschland zu werden. Die viel kritisierte Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und deren sich nun abzeichnenden Folgen könnte im kommenden Jahr dafür sorgen dass sogenannte Populisten die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland für sich entscheiden werden. Noch vor dem Anschlag in Berlin wurde gestern in Ankara der russische Botschafter von einem Islamisten erschossen. Beide Ereignisse könnten in der nächsten Zeit für ein Aufflammen von geopolitischen Spannungen sorgen und dürften den Risikoappetit vieler Investoren dämpfen.

Die Bank of Japan beschloss während der jüngsten zweitägigen Notenbanksitzung, an der aktuellen Geldpolitik festzuhalten. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt habe ihre moderate Erholung fortgesetzt, teilte die BoJ mit. So hätten die Exporte angesichts eines moderaten Wachstums in Überseemärkten zugelegt. Nach vorläufigen Daten der Regierung waren Japans Ausfuhren im November zwar mit 0,4 Prozent leicht rückläufig. Doch ist dies eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vormonat, als Japans Exporte um 10,3 Prozent gefallen waren. Die jüngste Abschwächung des Yen trägt zur Erholung der Exporte bei.

Der Überschuss in der Leistungsbilanz des Euroraums ist im Oktober gestiegen. Er lag saisonbereinigt bei 28,4 Milliarden Euro, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag mitteilte. Im Vormonat hatte der Überschuss revidiert 27,7 Milliarden Euro (zuvor 25,3 Milliarden Euro) betragen. Im April hatte der Überschuss in der Leistungsbilanz mit 33,3 Milliarden Euro einen Rekordwert erreicht. Der höhere Überschuss im Oktober geht vor allem auf einen Zuwachs bei den Dienstleistungen zurück. Der Überschuss in der Handelsbilanz ist dagegen deutlich gesunken.

 

 

Ifo Geschäftsklimaindex überrascht positiv

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An den europäischen Aktienmärkten sind heute gemischte Bewegungen zu beobachten, nachdem der deutsche Ifo Geschäftsklimaindex besser als erwartet ausfiel. Der FTSE 100 bewegte sich heute trotz einer Schwäche des Britischen Pfunds abwärts. An den amerikanischen Aktienmärkten sind heute steigende Kurse zu beobachten, nachdem es während der gestrigen asiatischen Handelssession zu Kurseinbrüchen kam. Die japanischen Märkte gerieten heute durch Aufwärtsbewegungen beim Japanischen Yen unter Druck, während sich der Hang Seng aufgrund von steigenden Hypothekengebühren und einer anhaltenden Investorenflucht nach unten bewegte. Nachdem zu Beginn des heutigen Handelstages Anstiege zu beobachten waren folge bei den Rohölpreisen ein Einbruch nach unten, die amerikanische Leichtrohölsorte West Texas Intermediate (WTI) notiert aktuell bei etwa 52 U.S. Dollar pro Barrel.

Deutscher Ifo Geschäftsklimaindex überrascht positiv

Der deutsche Ifo Geschäftsklimaindex legte auf 111,0 Punkte zu, nach 110,4 Zählern im Vormonat. Der Anstieg übertraf die Erwartungen unserer Analysten, welche im Konsens mit einem Anstieg auf 110,6 Punkte rechneten. Nachdem bereits der Einkaufsmanagerindex für verarbeitende Gewerbe überraschend positive ausfiel und ein sprunghafter Anstieg bei den Auftragseingängen der deutschen Industrie zu beobachten war überraschte die deutliche Steigerung des Ifo Geschäftsklimaindex nicht. Bereits während der vergangenen Woche hieß es von Seiten des Ifo Instituts dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal stärker als erwartet wachsen könnte, zudem hob das Ifo Insitut seine Wachstumsprognose für das kommende Jahr nach oben an.

Derzeit deutet alles darauf hin dass sich die deutsche Wirtschaft aktuell stark erholt, allerdings könnten die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), sowie die straffen Bedingungen am deutschen Arbeitsmarkt für ein Ungleichgewicht sorgen und sich mittelfristig negativ auf die Inflationsentwicklung auswirken. Vor allem deutsche Banken und das deutsche Rentensystem könnten durch die Verlängerung der monatlichen Anleihekäufe der EZB längerfristig in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das deutsche Ifo-Institut warnte unlängst von der ausufernden Geldpolitik der EZB. Nach Ansicht von Hans-Werner Sinn -vor dem Ruhestand stehender Präsident des Münchener Ifo-Instituts – bewegt sich die EZB mit ihren Beschlüssen außerhalb ihres Mandats, der Ifo-Chef forderte die deutsche Bundesregierung deshalb auf, der Zentralbank ein Stopp-Signal zu setzen.

Die Deutsche Bundesbank rechnet im vierten Quartal dieses Jahre mit starkem Wachstum, gleichzeitig könnte die Inflationsrate im Dezember über 1 Prozent ansteigen. Draghi hatte sich zuletzt unzufrieden mit der Entwicklung der Kerninflation gezeigt. Wegen des schwachen allgemeinen Preisauftriebs, der zeitweise sogar ins Minus gerutscht war, hat die EZB ihre Geldpolitik massiv gelockert – ein Vorgehen, das vor allem in Deutschland auf Kritik stößt, auch bei Hans-Werner Sinn.